Hat am Ende ein persönlicher Konflikt über das Schicksal der spanischen Nationalmannschaft entschieden? Das Verhältnis von Verbandsboss Luis Rubiales zum geschassten Julen Lopetegui soll extrem angespannt gewesen sein. Grund ist die Präsidentschaftswahl Mitte Mai - dort soll der neue Real-Coach Rubiales' Rivalen unterstützt haben.


Nach dem Spanien-Beben zwei Tage vor dem Auftaktspiel von La Roja gegen Portugal kommen immer mehr Details zur Entlassung von Trainer Julen Lopetegui ans Licht. Der wurde von Verbandspräsident Luis Rubiales vor die Tür gesetzt, nachdem am Tag zuvor Lopeteguis Wechsel auf die Trainerbank von Real Madrid offiziell verkündet wurde.


Rubiales und der spanische Verband RFEF seien darüber nicht informiert worden, eine sofortige Trennung schien den Verantwortlichen daher unausweichlich. Innerhalb der Mannschaft soll es aber viele Spieler gegeben haben, die den Verbandspräsidenten zu einem Verbleib von Lopetegui während der Weltmeisterschaft überreden wollten. Im Team herrscht offensichtlich der Glaube, dass die WM-Chancen ohne den in 20 Spielen ungeschlagenen Coach drastisch schwinden.

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Sportdirektor Fernando Hierro (l.) wurde von Rubiales (r.) zum Interimscoach ernannt.


Überzeugen konnten die Spanien-Stars ihren Präsidenten nicht. Der gab an, nicht nach persönlichen Empfinden gehandelt zu haben, sondern die Werte des Verbandes über allem zu stellen. Die Trennung sei vor diesem Hintergrund unvermeidlich gewesen. Nach den Informationen des spanischen Radiosenders Cope scheint das aber fraglich zu sein. Die persönlichen Differenzen zwischen Rubiales und Lopetegui hätten am Ende zur Entlassung geführt, behauptet Reporter Melchor Ruiz.

Der will Details aus dem Krisengipfel der beiden kennen. "Ich habe deinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert, obwohl ich wusste, dass du nicht für mich gestimmt hast", soll Rubiales dem neuen Real-Trainer an den Kopf geworfen haben. 


Hintergrund ist die Wahl zum spanischen Verbandschef am 17. Mai dieses Jahres. Der ehemalige Spielergewerkschafter Rubiales setzte sich damals mit 80:56 Stimmen gegen Interimspräsident Juan Luis Larrea durch, der zuvor die Leitung des RFEF vom langjährigen Präsidenten Ángel María Villar übernommen hatte. Beide galten als Unterstützer von Lopetegui, der deshalb wohl auch für Larrea gestimmt hatte.


Wie es aussieht, nahm Rubiales Lopetegui die Unterstützung seines Konkurrenten immer noch übel. Ein persönlicher Beweggrund, der zu Lopeteguis Entlassung geführt haben könnte und so das Wohl der spanischen Nationalmannschaft nicht so über allem stand, wie es Rubiales behauptet.