Julen Lopetegui war tief enttäuscht, hofft aber weiter auf den WM-Titel der spanischen Nationalmannschaft. Ausführlicher äußern will sich der geschasste Trainer aber erst nach seiner Rückkehr nach Spanien. Durch seine Entlassung zwei Tage vor der Auftakt-Partie gegen Portugal hat sich Real Madrid derweil die Zahlung der Ausstiegsklausel gespart.


"​Ich bin sehr traurig“, erklärte Julen Lopetegui am Flughafen von Krasnodar den wartenden Journalisten knapp. Kurz zuvor war er ​als Trainer der spanischen Nationalmannschaft entlassen worden. Verbandspräsident Luis Rubiales hatte dem ungeschlagenen Furia-Roja-Coach zwei Tage vor dem ​WM-Auftakt gegen Portugal den Laufpass gegeben und ihn ​durch Sportdirektor Fernando Hierro ersetzt. Hintergrund war die Bekanntgabe von ​Real Madrid am Tag zuvor: Lopetegui werde nach der Weltmeisterschaft den ​Trainerposten beim Champions-League-Sieger übernehmen

"Ich hoffe, dass wir eine hervorragende Weltmeisterschaft spielen und dass wir gewinnen. Wir haben eine tolle Mannschaft und hoffentlich gewinnen wir diese WM“, fügte der 51-Jährige bei seiner Abreise aus Russland hinzu, als wolle er mit dem "wir" betonen, dass er sich weiter als Teil der Mannschaft fühlt. Sollten die Spanier ihren WM-Triumph von 2010 tatsächlich wiederholen können, wird Lopetegui allerdings längst nicht mehr zum Team gehören und wohl schon mit den Planungen für seine neue Aufgabe bei den Königlichen beschäftigt sein.

Spain v Switzerland - International Friendly

Lopetegui (l.) wird bei der WM durch Spaniens Sportdirektor Fernando Hierro (r.) ersetzt.



Von Krasnodar machte er sich auf nach Moskau, um von dort noch am Mittwochabend weiter nach Madrid zu fliegen. Ausführlicher seine Sicht der Dinge zur Schock-Entlassung schildern wolle er erst nach seiner Rückkehr in die Heimat. Für den spanischen Verband ist die Sache klar: Von den Verhandlungen mit Real habe man nichts gewusst und sei erst "fünf Minuten vor Bekanntgabe" des überraschenden Deals informiert worden. Präsident Rubiales sah die Werte des Verbands verraten und begründete so die Lopetegui-Entlassung.


Durch Lopetegui-Entlassung: Real spart sich die Ausstiegsklausel


Der hatte rund vier Wochen zuvor seinen Vertrag als spanischer Nationalcoach um zwei Jahre bis 2022 verlängert. Darin war allerdings eine Ausstiegsklausel in Höhe von zwei Millionen Euro verankert, die sich Real Madrid zunutze gemacht hat. Nach der schnellen Trennung müssen die Königlichen diese aber gar nicht mehr zahlen. 

Lopetegui kommt zum Nulltarif - ​Real bekommt die best-verfügbare Trainer-Lösung geschenkt. Dass das zulasten der Nationalmannschaft geht - darauf wollte man in Madrid keine Rücksicht nehmen.