Eigentlich ist Kyle Walker Rechtsverteidiger und zählt in der Premier League aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit zu einer der besten seiner Art. In der Nationalmannschaft spielte er zuletzt jedoch auf einer eher ungewohnten Position, die er zwar gut meistert, jedoch als "Schritt zurück" betitelte.


Noch im vergangenen Jahr setzte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate auf ein 4-2-3-1 System, doch der 47-Jährige stellte auf ein System mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette um. Aufgrund der Umstellung fällt die Position des klassischen Außenverteidigers weg, weshalb diese meist etwas weiter vorne im Mittelfeld zum Einsatz kommen. Anders ist es jedoch bei Kyle Walker von ​Manchester City, der in den vergangenen Testspielen plötzlich in der Dreierkette eingesetzt wurde und somit eher als Innenverteidiger agierte.


Gegenüber dem ​Telegraph bekräftigte der pfeilschnelle Abwehrspieler zwar, dass er "alles für das Team" tun würde, doch er machte auch deutlich, wo er am liebsten spielen würde: "Ist es meine bevorzugte Position? Natürlich nicht. Ich will als Rechtsverteidiger spielen." Auf dieser Position spiele er bereits seit vielen Jahren, doch er wolle sich allen voran in den Dienst der Mannschaft stellen: "Ich bin ein Teamspieler. Wenn der Trainer denkt, dass es der Mannschaft hilft, wenn ich dort spiele, dann bin ich dabei."

England v Costa Rica - International Friendly

 Egal, auf welcher Position: Aus der Nationalmannschaft ist Kyle Walker nicht mehr wegzudenken


Dennoch zeigte er sich über den Positionswechsel nicht völlig erfreut: "Bei einer Weltmeisterschaft anzutreten und vermutlich nicht auf deiner bevorzugten Position zu spielen, ist nicht enttäuschend, sondern eher ein kleiner Schritt zurück." Doch nun müsse er "von dort aus weitermachen. Ich bin ein Profi. Solange es für die Mannschaft ist und der Trainer das Gefühl hat, dass es uns hilft: Wieso nicht?"


Zugleich räumte er jedoch auch ein, dass er ohne das tagtägliche Training unter Pep Guardiola, der die 'Citizens' seit 2016 betreut, größere Anpassungsprobleme gehabt hätte: "Mein Spiel hat sich unter ihm enorm weiterentwickelt. Hätte ich auf dieser Position, auf der ich jetzt für mein Land spiele, vor zwei Jahren spielen können? Vermutlich nicht. Er hat mir so viel über das Spiel beigebracht. Wie man es handhabt, versteht, und dass man die Spieler um sich herum genau kennt." Der Spanier möge es nicht, wenn sich zu viele seiner Spieler im Mittelfeld aufhalten. "Wenn er das so sieht, gehen wir zurück in die Dreierkette", führte Walker fort.


Während er auf seiner eigentlichen Position seinen Mitspieler auf dem Flügel durch lange Läufe in die gegnerische Hälfte unterstützt, sei seine Aufgabe nun eine andere: "Es geht darum, das Spiel zu lesen. Ich will hinten keinen Platz für Konter lassen. Ich bin an erster Stelle Verteidiger und wenn ich halbrechts spiele, bin ich eher ein Innen- als ein Außenverteidiger. Wenn ich nach vorne kann, wird man mich mit Sicherheit dort sehen. Ich muss das Spiel richtig handhaben und erkennen, was wir im Spiel tun."


Selbstvertrauen als Schlüssel zum Erfolg


Bei der Weltmeisterschaft treffen die 'Three Lions' in Gruppe G auf Tunesien, Panama und Belgien. Die Erwartungen sind nicht so hoch wie in Brasilien, Frankreich oder anderen Nationen, doch die Mannschaft von Southgate wolle viel erreichen. Für Walker sei vor allem Selbstbewusstsein entscheidend und erinnert sich dabei an Leicester City, das vor zwei Jahren überraschend Englischer Meister wurde: "Ich erinnere mich noch daran, als ich bei Tottenham gespielt habe und wir versucht haben, Leicester abzufangen. Wir haben stets gesagt: 'Sie werden es vermasseln', aber das haben sie nicht. Wenn du das Momentum und den Zusammenhalt gewinnst, kommst du einfach in einen Lauf. Solch einen haben wir", so Walker, der auch auf die abgelaufene Saison bei Manchester City hinwies. 


"Wird irgendein Team jemals wieder 100 Punkte erreichen? Vermutlich nicht. Wird irgendein Team jemals wieder 18 Spiele in Folge gewinnen? Vermutlich nicht. Ich denke, die Saison war einfach fantastisch. Ich habe zu John Stones gesagt: 'Stell dir vor, wir fahren am ersten Tag der Vorbereitung auf dem Princess Parkway und sind Premier League Sieger' - und wir haben es geschafft. Genau so etwas brauchen wir auch bei der WM. Wir müssen an uns glauben."