​Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, hat kurz vor dem Start der WM über seine Erwartungen an das Turnier und Gründe für die Abnahme taktischer Neuerungen bei Weltmeisterschaften gesprochen. Außerdem erzählte Eberl, warum er nicht nach Russland reisen wird und weshalb er sich keine Sorgen darüber mache, dass eigene Gladbacher Spieler auf der großen Bühne Begehrlichkeiten bei anderen Klubs wecken könnten. 


Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach äußerte im Interview mit ​11 Freunde, dass er nicht zur WM nach Russland reisen wird, und sieht darin auch keinen Nachteil: "Wenn wir erst bei der WM anfangen würden, Spieler zu scouten, hätten wir vorher Fehler gemacht. Vielleicht kann man bei der WM noch mal einen letzten Eindruck von einem Spieler gewinnen. Oder sein Netzwerk pflegen und vergrößern. Aber ich glaube nicht, dass bei einer Weltmeisterschaft noch ein völlig unbekannter Spieler auftaucht." Eberl sei davon überzeugt, dass man die interessanten Spieler alle schon kenne, da selbst die Spieler kleiner Nationen schon in Ligen spielen, in denen man scouten würde. Schon bei Jugend- und Kontinentalmeisterschaften seien die Scouts vertreten, weshalb es nur sehr selten vorkomme, "dass ein Spieler bei einer WM wie aus dem Nichts auftaucht."

Nach Meinung des Eberls ist die WM keine Messe des internationalen Fußballs mehr, die neue Trends offenbart: "Ich glaube nicht, dass man neue Trends bei solchen großen Turnieren sieht. Ich erwarte jedenfalls nicht, dass bei der WM etwas Revolutionäres kommen wird." Das liege vor allem daran, dass Scouts und Vereinsverantwortliche die Spielstile und wichtigsten Spieler der jeweiligen Mannschaften schon kennen würden, weshalb bei einer WM wenig unerwartetes zu sehen sei. Deshalb meint Eberl: "Die WM ist für mich keine Fußballmesse. Für mich ist eine WM vor allem dadurch speziell, dass sie nur alle vier Jahre stattfindet. Das freut mich, weil im Fußball doch alles sehr inflationär geworden ist. Die WM ist einfach ein Event für Fans." 


"Die WM ist für mich keine Fußballmesse"


Aus taktischer Sicht spielten nationale Stile bei einer WM auch nicht mehr die große Rolle: "Diese Verschmelzung unter dem Einfluss der Globalisierung findet ja nicht nur im Fußball statt. Die Schweizer Nationalmannschaft ist ein super Beispiel. Die Einflüsse der Secondos (der Einwandererkinder) haben sie auf ein neues Level gebracht. Das ist die Welt. Und der Fußball ist nichts anderes als das Spiegelbild der Welt. Dieses typisch Deutsche, das Kämpfen und Nur-Verteidigen, das Klischee von den Panzern, die alles niederwalzen - diese Zeit ist vorbei. Mittlerweile spielen wir sogar technisch mit den besten Fußball." Dabei habe man durch den Fokus auf die Technik nach Meinung Eberls schon fast verlernt, "richtig gute Verteidiger auszubilden". Dass ein bestimmter Spielstil typisch für ein Land sei, gebe es aber nicht mehr.


Bei der ​WM in Russland sind sieben Spieler von Eberls Verein Borussia Mönchengladbach dabei. Sorgen um mögliche Verletzungen macht er sich dabei aber nicht: "Ich bin froh, dass wir Nationalspieler in unserem Kader haben. Nur mit solchen Spielern kannst du im Fußball erfolgreich sein. Ich schaue schon mit freudigen Augen auf die WM und auf die Spieler von Borussia. Weil sie ja auch meinen Verein repräsentieren." Viele Nationalspieler seien ein Zeichen für die Qualität des Kaders. Außerdem hätten die Spieler die Chance, sich bei einem großen Turnier weiterzuentwickeln. 


Sportdirektor Eberl mache sich auch keine Gedanken darüber, dass Spieler wie Thorgan Hazard, Denis Zakaria oder Nico Elvedi durch ihre Leistungen bei der WM Begehrlichkeiten bei anderen Klubs wecken könnten: "Das wird sich nicht verhindern lassen und ist für uns auch kein großes Problem. Wir sind, das haben die vergangenen Jahre immer wieder gezeigt, ein Verein, für den immer die Gefahr besteht, dass sich Spieler fantastisch entwickeln und von noch größeren Vereinen abgeworben werden könnten." Die WM sei dabei nur eine weitere große Plattform, aber Eberl sehe dem entspannt entgegen. 


Die WM birgt aber auch das Risiko, dass es wieder ein turbulenter Transfermarkt wird. Dabei "kann es für einen Verein wie ​Borussia Mönchengladbach sein, dass sich erst im August die Dinge entwickeln, wenn auf dem Markt Normalität eingekehrt ist." Denn da schon am 9. August das Transferfenster der Premier League schließe, sei "die Zahl der Vereine, die danach noch mit exorbitant hohen Ablösen um sich schmeißen können, dann doch überschaubar."