Auf den Vizemeister wartet der nächste Vertragspoker mit einem aufstrebenden Talent. Thilo Kehrer hat unter Domenico Tedesco den nächsten Karriereschritt zum Stammspieler gemacht. Die Zukunft des 21-Jährigen bei den Knappen ist dennoch ungewisser denn je. Nicht nur, weil der Vertrag 2019 ausläuft und zwei europäische Top-Klubs bereits Interesse signalisiert haben.


Für Thilo Kehrer hat Schalkes Erfolgscoach Domenico Tedesco sogar Kapitän Benedikt Höwedes vom Hof gejagt - und ging damit gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein enormes Risiko ein. Während Höwedes bei Juventus Turin in der abgelaufenen Spielzeit mehr Zeit bei Ärzten und Physiotherapeuten als auf dem Platz verbracht hat, gelang Kehrer auf Schalke der nächste Entwicklungsschritt.


32 Startelfeinsätze in Liga und Pokal hat der 21-Jährige Defensiv-Allrounder vorzuweisen. Meist agierte er dabei in der Dreierkette, Kehrer kann aber als Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. So wie im U21-Nationalteam, wo er beim EM-Titel im vergangenen Sommer noch Ergänzungsspieler war, nun aber das Team von Trainer Stefan Kuntz in drei EM-Quali-Spielen gar als Kapitän aufs Feld geführt hat - jeweils als Sechser vor der Abwehr.

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Der Nächste, bitte? Leon Goretzka (l.) hat sich von Schalke bereits verabschiedet - Thilo Kehrer (r.) könnte bald folgen


Allrounder-Qualitäten, die neben seinem starken Zweikampfverhalten, einer guten Athletik und kämpferischen Einstellung beeindrucken. So sehr, dass jüngst ​Barças neuer Sportdirektor Eric Abidal von Keher als potenziellen Kandidaten sprach. Doch nicht nur der 38-jährige Franzose scheint vom Schalke-Youngster überzeugt zu sein. Juventus Turin soll bereits eine 20-Millionen-Euro-Offerte hinterlegt haben. 

Laut Sky-Reporter Dirk Schlarmann sind das aber nur Spekulationen. Derzeit gebe es keine offiziellen Anfragen und ​Schalke sei auch nicht daran interessiert, Kehrer abzugeben. Im Gegenteil: Knappen-Manager Christian Heidel und Tedesco sollen sich nach Saisonende mit Kehrer zum Gedankenaustausch getroffen haben, schreibt die Bild


Auf Schalke ist man sich der schwierigen Ausgangslage offenbar bewusst. Kehrer, der seit der U17 in Königsblau spielt, besitzt noch einen Vertrag bis 2019. Bei den Knappen ist man dabei gebrandmarkt: Joel Matip, Sead Kolasinac, Leon Goretzka und Max Meyer verlängerten allesamt ihre Verträge nicht und mussten ablösefrei ziehen gelassen werden. Die Situation bei Kehrer wird durch einen weiteren Umstand zusätzlich erschwert: Der Berater des 21-Jährigen ist Roger Wittmann. Der hatte mit seinem Klienten Max Meyer für viel Wirbel gesorgt, der schließlich zum Abgang von Meyer geführt hat - ​inklusive großer Nebengeräusche. Auch deshalb schreibt die Bild, dass eine Einigung in Vertragsgesprächen zwischen Heidel und Wittmann derzeit unmöglich erscheint.

Kehrer dürfte der Situation dagegen gelassen entgegensehen und derzeit keinen Wechsel anstreben. Auf Schake ist seine sportliche Situation mit der Teilnahme in der Champions League rosig. Dort kann er sich weiter entwickeln und hat mit Tedesco einen Förderer auf seiner Seite. Der Spieler sitzt also (mal wieder) am längeren Hebel. Wenn Kehrers Vertrag im Sommer 2019 ausläuft, winkt andernorts ein dickes Handgeld und womöglich ein europäischer Top-Klub wie Barça oder Juve. Für Schalke bedeutet das, dass einmal mehr ein langer Vertragspoker bevorsteht. Es scheint dabei so, als hätte man auch bei Kehrer keine guten Karten.