Spaniens Neuling Álvaro Odriozola offenbart bei der WM-Generalprobe gegen Tunesien große Schwächen. Der 22-Jährige erhielt im Kader von Nationalcoach Julen Lopetegui überraschend den Vorzug gegenüber Hector Bellerin und Sergi Roberto. Eine Entscheidung, die Lopetegui bereuen könnte.


Die ​Furia Roja weilt seit vergangenen Freitag in Russland. In Krasnodar haben die Spanier ihr WM-Quartier aufgeschlagen. Am Tag nach der Ankunft absolvierte der Turnierfavorit dort die Generalprobe gegen Tunesien und hatte beim 1:0-Erfolg mehr Mühe als gedacht. Vor allem im ersten Durchgang hatten die Nordafrikaner, die in Gruppe G gegen England, Belgien und Panama antreten, die besseren Chancen.


Die spanische Achillesferse war im letzten Test vor Turnierbeginn am Freitag gegen Europameister Portugal (20 Uhr) schnell ausgemacht. Neuling Álvaro Odriozola, die wohl größte Überraschung im 23-Mann-Aufgebot von Nationalcoach Julen Lopetegui. Der 22-jährige Rechtsverteidiger von Real Sociedad erhielt den Vorzug gegenüber Hector Bellerin vom FC Arsenal und Barças Sergi Roberto und absolvierte gegen Tunesien erst sein zweites Länderspiel.

Vor allem weil Stamm-Außenverteidiger Daniel Carvajal seit dem Champions-League-Finale verletzt ausfällt, steht Odriozola besonders im Fokus. Trainer Lopetegui bekräftigte zwar, dass ​Carvajal beim WM-Auftakt zur Verfügung stehen soll - dem 51-Jährigen dürften angesichts Odriozolas Leistung gegen Tunesien aber Zweifel an dessen Nominierung gekommen sein. Der 22-Jährige stand häufig schlecht oder zu offensiv und ermöglichte Tunesien so viele Räume. Fast jeder gefährliche Angriff ging über seine Seite.


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Dani Carvajal (r.) stieg am Dienstag wieder ins Teamtraining ein.


Zur Halbzeit brachte Lopetegui dann Reals Edelreservisten Nacho Fernandez, der sowohl innen als auch außen verteidigen kann. Der 28-Jährige ist deutlich defensiver ausgerichtet und brachte den Spaniern so mehr Stabilität. Dennoch bleibt die Frage, ob sich Lopetegui mit seinen Entscheidungen einen Gefallen getan hat. Schon bei der Ankunft in Krasnodar gab Linksverteidiger Jordi Alba zu verstehen, dass er Vereinskollege Roberto lieber im Team gehabt hätte: "Ich hätte ihn mitgenommen, aber man muss den Chef respektieren", so der Barça-Star.


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Barça-Eigengewächs Sergi Roberto bleibt bei der WM nur die Zuschauerrolle


Er soll nach einem Bericht der Sport nicht der einzige Spieler im Team der Furia Roja sein, der so denkt. Odriozola wolle man dennoch bestmöglich unterstützen, falls er zum Auftakt gegen Portugal doch ran muss. Denn trotz Lopeteguis Bekundungen wird die Zeit für Carvajal knapp.