Vincenzo Grifo ist zurück in Hoffenheim, wo einst seine Bundesliga-Karriere begann. Während ein Stammplatz auf dem Flügel für den 25-Jährigen auch bei der TSG nur schwer zu bekommen sein dürfte, könnte Trainer Julian Nagelsmann mit dem begnadeten Techniker in anderer Rolle planen. Eine Rolle, die dem Deutsch-Italiener wie auf den Leib geschneidert sein könnte.


Zurück in die Zukunft. ​Vincenzo Grifo verlässt ​Borussia Mönchengladbach nach nur einem Jahr und schließt sich zum zweiten Mal in seiner Karriere ​1899 Hoffenheim an. ​Die TSG zahlt rund 5,5 Millionen Euro und stattet den 25-jährigen Deutsch-Italiener mit einem Vertrag bis 2022 aus.


Bereits von 2012 bis 2015 stand Grifo in Hoffenheim unter Vertrag. Damals wechselte er aus der Jugend des Karlsruher SC in den Kraichgau - mehr als zwölf Bundesligaeinsätze blieben ihm aber nicht vergönnt. Seine Zeit bei der TSG war geprägt von Leihgeschäften: Zunächst zu Dynamo Dresden, dann zum FSV Frankfurt. Schließlich verpflichtete der SC Freiburg Grifo für eine Million Euro fest. Im Breisgau gelang ihm der Durchbruch in der Bundesliga, im letzten Sommer ging es weiter nach Gladbach.

TSG 1899 Hoffenheim v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Grifo im November 2012 im Hoffenheim-Trikot (r., gegen Leverkusens Lars Bender).


Am Niederrhein erlebte er eine enttäuschende Spielzeit. Gleich zu Beginn setzte ihn eine Kapselverletzung außer Gefecht. Am Ende sprangen nur neun Startelfeinsätze heraus. Wirklich überzeugen konnte Grifo ein einziges Mal - gegen Ex-Klub Hoffenheim, als er zwei Tore beim 3:1-Auswärtssieg der Fohlen auflegte. Damals zeigte Grifo in seinem künftigen Heimstadion, was ihn auszeichnet und warum auch jetzt neben Hoffenheim, einigen Klubs aus der ​Serie A und vor allem ​Hannover 96 am 25-Jährigen interessiert waren.


Grifos Rolle in Hoffenheim entscheidend


Der Deutsch-Italiener ist ein technisch begnadeter Fußballer, mit einem starken rechten Fuß, mit dem er vor allem bei Standards brandgefährlich werden kann. Neun Tore und zwölf Vorlagen in seiner letzten Saison beim SC Freiburg zeugen davon. Im Gladbacher 4-4-2-System blieb ihm hinter Thorgan Hazard jedoch meist nur die Backup-Rolle. Aus Gründen, die ihm auch den zweiten Anlauf in Hoffenheim erschweren könnten.

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In Gladbach blieb Grifo (r.) oft nur die Reservebank.


Wie Hecking setzt auch sein neuer Coach Julian Nagelsmann auf den Flügeln auf viel Geschwindigkeit. In Gladbach waren das Hazard über links und Patrick Herrmann auf der rechten Seite. In Hoffenheim muss sich Grifo nun an ein anderes System gewöhnen. Unter Nagelsmann agiert die TSG meist mit einer Dreierkette und einer flexiblen Offensiv-Formation davor. Die Außenspieler Nico Schluz und Pavel Kaderábek bringen dort viel Tempo mit. Nagelsmann ließ teilweise aber auch Bayern-Leihgabe Serge Gnabry auf der etwas defensiveren Position spielen. 


Grifo ist ein anderer Spielertyp, der nicht als klassischer Außenspieler mit Flügelläufen glänzt. Dafür fehlt ihm die Geschwindigkeit. Der 25-Jährige zieht vielmehr gerne mit seinem starken Fuß in die Mitte, um aus der Ferne den Abschluss zu suchen oder Pässe in die Tiefe zu spielen. Fraglich daher, ob man in Hoffenheim mit ihm auf dem Flügel plant. Eine Rolle im Zentrum könnte ihm bei der TSG wohl viel eher zugute kommen.

Anders als in Gladbach könnte in Hoffenheim gerade hier die Chance für Grifo liegen. Denn der TSG-Coach setzt häufig auf zwei flexible Stürmer mit drei zentralen Mittelfeldspielern dahinter. Eine klare Sechs und zwei offensivere Achter, die über die Halbspuren agieren. Eine Rolle, die prädestiniert für Grifo sein könnte. Dort würde er sich wohl vor allem mit Nadiem Amiri und Kerem Demirbay um die Plätze streiten. 

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Ebnet TSG-Coach Nagelsmann Grifo den Weg zurück in die Erfolgsspur?


Wie genau die neue TSG-Offensive allerdings aussieht, muss sich erst noch zeigen. Mark Uth und Serge Gnabry haben den Verein verlassen und auch Adam Szalai liebäugelt mit einem Abgang. Auf der anderen Seite hat die TSG mit Ishak Belfodil und Leonardo Bittencourt zwei weitere Offensivkräfte verpflichtet. Bittencourt kann dabei als klassischer Außenstürmer eingesetzt werden. So plant man im Kraichgau wohl zweigleisig: Grifo bietet dabei eine gute Option in einer 3-1-4-2-Formation, während in Bittencourt ein Kandidat für ein 3-4-3-System verpflichtet wurde. Mit der Champions-League-Qualifikation wird ein breiter Kader gebraucht werden. Für Grifo eine gute Ausgangsposition für viele Einsätze in einem System und mit Mitspielern, wo seine Fähigkeiten bestens zur Geltung kommen sollten.