Gegenüber der FAZ hat sich Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann über den Frankfurter Pokalsieg, das Verhalten der Bayern, die Gleichberechtigung in der Bundesliga und den Einfluss von E-Sports ausgelassen. Vor allem FCB-Stürmer Sandro Wagner bekam sein Fett weg.


Eintracht Frankfurt ist eine der aufstrebenden Mannschaften der vergangenen Jahre. Das zeigte sich nicht nur zuletzt am DFB-Pokalsieg. Vorstandsmitglied Axel Hellmann sprach im Interview mit der FAZ über aktuelle Fragen rund um die Bundesliga und setzte ein weiteres Zeichen in puncto Gleichbehandlung der Bundesliga-Clubs. Zudem leistete sich Hellmann eine Spitze gegen Bayern Münchens Sandro Wagner.


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"Was geht in einem Spieler vor sich, der noch nie Pokalsieger geworden ist, der seinen ersten Meistertitel auf der Tribüne und in diesem Jahr den zweiten als Ersatzspieler geholt hat und nun einen zweiten Platz im Pokalfinale offensichtlich nicht zu würdigen weiß?", tobte Hellmann. "In der Niederlage offenbaren sich Größe und Charakter." Wagner hatte nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale seine Silbermedaille, der er offenbar keine Wertschätzung gegenüberbrachte, einfach ins Publikum auf die Tribüne geworfen und war dann mit seinen Mannschaftskollegen in der Kabine verschwunden - ohne der SGE zum Titel zu gratulieren.


Hellmann will Bayerns Kabinengang nicht an die große Glocke hängen


Die "Kabinen-Flucht" der Bayern schlug vor allem medial hohe Wellen; Axel Hellmann will sie allerdings nicht überbewerten: "Dass die Spieler im Eifer des Gefechts und ihrer Enttäuschung in die Kabine gegangen sind", sei verzeihbar. Denn: "Man muss hier unterscheiden: Die Verantwortlichen des FC Bayern, der komplette Vorstand und Präsident Uli Hoeneß, aber auch Horst Seehofer haben uns sofort zum Sieg gratuliert und ihn auch als verdient bezeichnet."

Bayern Muenchen v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Final

Kabinenflucht übertrieben dargestellt: Die gesamte Führungsriege des FCB gratulierte der Eintracht brav zum Pokalsieg - hier im Bild: Jupp Heynckes



Ähnliche Erfolge wie in der abgelaufenen Saison, sind vor der kommenden Spielzeit eher unwahrscheinlich. Das liegt daran, dass die Eintracht aus Frankfurt etatmäßig noch lange nicht mit den Großen in der Bundesliga mitspielen kann und die SGE zudem einen gewaltigen Aderlass hinnehmen muss: Marius Wolf, Lukas Hradecky, Omar Mascarell und nicht zuletzt Trainer Niko Kovac haben den Verein bereits verlassen. Wirklich fair ist der Wettkampf in der Bundesliga nicht, findet Hellmann.


"Früher habe ich Heribert Bruchhagen belächelt, der gesagt hat, dass alle das gleiche Geld bekommen sollen. Ich fange an, für diese Position eine gewisse Sympathie zu entwickeln", erklärte Hellmann. Immerhin habe nicht zuletzt auch der FC Bayern München "Interesse daran, dass das Produkt Bundesliga langfristig funktioniert." Dafür bräuchte es jedoch eine Umverteilung der Erlöse, "um den Wettbewerb in der Liga und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga und seiner Klubs auf dem internationalen Parkett zu stärken."


"Der Drittletzte muss absteigen"


Darüber hinaus erklärte sich das SGE-Vorstandsmitglied als erklärter Gegner der 50+1-Regel: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass die reine Stimmrechtsmehrheit der eingetragenen Vereine die Bundesliga fairer machen würden", sagte Hellmann. Immerhin hätten Vereine auch in der aktuellen Regelung eine Lücke gefunden: "Systeme wie Wolfsburg, Leipzig oder Hoffenheim sind trotz 50+1 entstanden, weil es keine festen Regeln gab, wie Kapital in den Fußballkreislauf eingeführt werden durfte."


In seinem Interview mit der FAZ legte Hellmann den Fokus abschließend auf zwei Dinge: die Relegation und den aufkommenden Zweig E-Sport. "Der Drittletzte muss absteigen", befand Hellmann entschieden. "Für diejenigen, die vom Abstieg betroffen sind, gibt es das Fallschirm-System mit finanziellen Zuwendungen." Die Bilanz spricht eine eindeutige Sprache: Seit der Wiedereinführung der Relegation 2009, konnten die Bundesligisten acht der zehn Duelle für sich entscheiden - 2016 profitierte auch die Eintracht aus Frankfurt vom Relegations-Modell.

Dem aufkommenden E-Sport schreibt Axel Hellmann einen enorm hohen Stellenwert zu. Vor allem für die Attraktivität der Liga sei E-Sports "einer der Wachstumstreiber der Bundesliga". Das Frankfurter Vorstandsmitglied wagte eine interessante These: "Wir werden erleben, dass E-Sport-Stars, die für einen Verein spielen, irgendwann einen höheren Marktwert haben werden als Profis der Bundesligamannschaft." Eintracht Frankfurt prüft derzeit noch die Gründung einer E-Sports-Mannschaft.