Mit Thomas Delaney, Zlatko Junuzovic und Jerome Gondorf hat Werder Bremen gleich drei Mittelfeldspieler verloren. Werder-Manager Frank Baumann hat Ersatz für die Zentrale deshalb als Haupt-Transferziel ausgerufen. Die Delaney-Millionen will er dabei "schlau einsetzen". Derweil vermelden die Grün-Weißen die Vertragsverlängerung mit Milos Veljkovic.


​Bei ​Werder Bremen steht ein Umbruch im Mittelfeld bevor. Kapitän Zlatko Junuzvovic verabschiedete sich nach sechseinhalb Jahren an der Weser zurück in die Heimat. Der Österreicher wechselt ablösefrei zu RB Salzburg. Jerome Gondorf kehrt den Grün-Weißen ebenfalls den Rücken und schließt sich Liga-Konkurrent SC Freiburg an. Der 29-Jährige wechselt für 1,3 Millionen Euro in den Breisgau. 

Gondorf soll zwar im Team einen hohen Stellenwert genossen haben, der Mittelfeld-Mann sei aber ​schon im Winter mit Wechselbasichten an Frank Baumann herangetreten. "Wir hätten gerne mit ihm weitergemacht. Aber er hat seinen Wechselwunsch, der auch private Hintergründe hat, sehr seriös im Winter hinterlegt und ist dann sehr professionell damit umgegangen, dass es damals noch nicht geklappt hat. Wir haben jetzt eine gute Lösung gefunden und wünschen Jerome in Freiburg alles Gute", erklärte der Werder-Manager im Interview auf der Vereinshomepage die Hintergründe.

Die liegen bei Thomas Delaney auf der Hand. Seit Donnerstag ist endgültig klar, dass der Däne den Abflug macht. ​17 Millionen Euro abzüglich der drei Millionen Euro für Ex-Klub FC Kopenhagen kassiert Werder für den Delaney mindestens. Die Summe kann durch erfolgsabhängige Bonuszahlungen weiter steigern, Werder sicherte sich zudem eine Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf. Baumann ließ durchblicken, dass man schon bei seiner Verpflichtung im Januar 2017 zugesichert hatte, Delaney beim nächsten Karriereschritt keine Steine in den Weg zu legen. 


"Wir haben damals neben vielen anderen Vereinen um ihn gekämpft, haben ihm viel Positives von Werder berichtet, viel Fantasie ins Spiel gebracht, welchen Weg seine Entwicklung und sein Stellenwert bei uns nehmen kann. Und alles ist aufgegangen. Auch wir haben Wort gehalten und diesen großen Schritt in die Bundesliga bestmöglich begleitet", so Baumann. "Solche Transfers zu Topklubs" würden die positive Entwicklung bei Werder belegen. Bremen sei wieder für gute Spieler attraktiv, die sich an der Weser "auf Spitzenniveau den nächsten Schritt machen können", glaubt Baumann. 


Etwas, für das Werder zu seiner aktiven Zeit schon gestanden hatte, "als ein Frings, Diego, Özil, Borowski, Mertesacker, De Bruyne von Bremen aus zu europäischen Spitzenklubs wechseln konnten. Und wir kommen wieder dahin, dass sich sehr gute Spieler vorstellen können, wichtige Jahre ihre Karriere in Bremen zu spielen. Das wird uns weiterhelfen", freute sich Baumann.


Wohin mit den Delaney-Millionen? Veljkovic verlängert 


Delaney spült nun gutes Geld in die Werder-Kassen und macht dadurch finanzielle Mittel für die Verstärkung der Mannschaft frei. "Wir werden sie schlau einsetzen", versicherte Baumann. Das ist allerdings auch dringend notwendig. Für das zentrale Mittelfeld stehen derzeit nur die Eigengewächse Philipp Bargfrede, Maximilian Eggestein und Ole Käuüer bereit. Aus Nürnberg kommt Spielmacher Kevin Möhwald ablösefrei dazu. Werder-Manager Frank Baumann kann und muss sich nun ganz auf die Zentrale konzentrieren.

In der Defensive vermeldete Werder am Freitagmittag die Vertragsverlängerung mit Leistungsträger Milos Veljkovic - dort ist man gut aufgestellt. Gleiches gilt für den Angriff, wo neben Max Kruse auch Sturmpartner Fin Bartels nach seinem Achillessehnenriss zurückerwartet wird. Zudem kehrt Martin Harnik aus Hannover zurück, Yuya Osako kommt von Absteiger 1. FC Köln. Das flexibel einsetzbare Offensiv-Duo kostet Werder zusammen 6,7 Millionen Euro Ablöse.


Geld, das Baumann bereits als Vorgriff von den Delaney-Millionen sieht. Ebenso bei Milot Rashica, der im Winter kam. Nun soll "sicher noch in einen defensiv-orientierten zentralen Mittelfeldspieler" investiert werden. Neben Möhlwald sei man zudem "auf der Suche nach einem zentralen offensiven Mittelfeldspieler, der eine gewisse Kreativität mitbringt." Unter Zeitdruck will sich Baumann dabei aber nicht setzen lassen. "Sicher halten wir da die Augen auf, aber ich sehe es gar nicht so akut. Qualität geht da vor Schnelligkeit. Wir haben mit Kevin Möhwaldt einen klassischen Mittelfeldspieler. Auch Yuya Osako kann im Mittelfeld agieren und wie gesagt, wir werden da auch noch etwas machen", gab er sich gelassen. 


Mit den bisherigen Transferaktivitäten sei man ohnehin schon sehr früh dran gewesen. Nun rechnet Baumann mit einem "heißen Sommer" gegen Ende der WM. "Meist setzt dann noch mal ein Domino-Effekt ein, der Personalien auf den Plan ruft, die man gar nicht vorhersagen kann." Spätestens dann sollte für Werder ein neuer Mittelfeldspieler herausspringen.