​Der dänische Nationalspieler Thomas Delaney wechselt zu Borussia Dortmund. Delaney absolvierte am heutigen Donnerstag den Medizincheck in Dortmund, die Ablöse für den 26-jährigen Mittelfeldspieler soll rund 20 Millionen Euro betragen. Der Däne war erst im Januar letzten Jahres für ein Zehntel der jetzigen Ablöse vom FC Kopenhagen an die Weser gewechselt. Während die Verpflichtung aus personeller Sicht Sinn macht, stellt sich die Frage, ob Delaney ins fußballerische Konzept des neuen BVB-Trainers Lucien Favre passt.


Thomas Delaney, der die letzten Tage im Trainingslager der dänischen Nationalmannschaft zur Vorbereitung auf die WM verbrachte, bekam für den Medizincheck vom Verband frei und flog dafür am heutigen Mittag nach Dortmund. Während Werder zu Beginn noch einen Preis von 25 Millionen Euro für den zentralen Mittelfeldspieler aufgerufen hatte, trafen sich beide Klubs wohl etwa in der Mitte ihrer Vorstellungen bei rund 20 Millionen Euro. Delaney wird in ​Dortmund einen langfristigen Vertrag bis 2022 unterschreiben. Der Däne selbst hatte zuletzt mehrfach die englische Premier League als Transferziel genannt, wollte die WM als Bühne aber wohl nicht abwarten und schon vor dem Turnier Planungssicherheit für die kommende Spielzeit haben. 

Vom grundsätzlichen Spielerprofil passt Delaney gut in den Dortmunder Kader, da er als laufstarker Arbeiter und robuster Zweikämpfer eine Komponente ins BVB-Mittelfeld bringt, die seit den Abgängen von Sebastian Kehl und Sven Bender in der Zentrale fehlte. Während Sebastian Rode und Nuri Sahin wohl keine Zukunft in Schwarz-Gelb haben, sind Julian Weigl, Gonzalo Castro und Mo Dahoud alles Spieler, die ihre Stärken eher mit als gegen den Ball haben. Delaney hingegen ist ein Spieler, der auch ohne Ball dynamisch und sich für keinen Defensivzweikampf zu schade ist. In der vergangenen Saison gewann er 56 Prozent seiner direkten Duelle, 62 Prozent seiner Tacklings und lief fast zwölf Kilometer pro Spiel für die Bremer - damit gehört er zu den laufstärksten Spielern der ​Bundesliga.


Zweikampfstark und torgefährlich - Danish Dynamite in Dortmund?


Der Däne ist ein klassischer Mittelfeldmotor und Box-to-Box-Spieler, der defensive und offensive Rollen übernehmen kann, dem allerdings im Gegensatz zu einigen anderen Mittelfeldspielern im Dortmunder Kader etwas die spielerischen Fähigkeiten abgehen. Mit nur knapp über 70 Prozent ist seine Passquote eher unterdurchschnittlich für einen Mittelfeldspieler. Dennoch war er neben seiner Zweikampfstärke bei seinen bisherigen Stationen immer auch offensiv ein Faktor. In bisher 45 Bundesligaspielen für ​Werder war er an 13 Treffern direkt beteiligt und in 172 Spielen mit dem FC Kopenhagen in der dänischen Liga gelangen ihm 19 Tore sowie 13 Vorlagen. Dabei machte Delaney den überwiegenden Großteil seiner Partien im zentralen Mittelfeld. Auch in Dortmund ist unter Favre davon auszugehen, dass er entweder als offensiverer Part einer Doppelsechs oder Achter im linken Halbraum agieren wird. 

Allerdings liegt in seinen fußballerischen Fähigkeiten und der Frage nach seiner Rolle unter dem neuen Trainer Favre auch das Problem bei der Einschätzung des Transfers: Die Position des gesetzten Sechsers vor der Abwehr dürfte an Julian Weigl vergeben sein, sollte dieser zu seiner Verfassung wie unter Ex-Trainer Thomas Tuchel zurückfinden. Und auf den offensiveren Positionen im Mittelfeld setzt Favre erfahrungsgemäß eher auf Spieler, die über ein sicheres Passspiel verfügen und gleichzeitig den letzten tödlichen Ball spielen können. Delaney hingegen konnte seine Qualitäten meist als Arbeiter entfalten, der den Offensivspielern den Rücken frei hält. Favre ließ in Nizza bevorzugt in einem 4-3-3 und bei ​Borussia Mönchengladbach fast ausschließlich in einem 4-4-2 spielen. In diesen Formationen dürfte der Däne als Achter zum Einsatz kommen, und so mit Mario Götze, Gonzalo Castro und Mo Dahoud - den Favre noch aus seiner Zeit in Gladbach kennt - um ein bis zwei Plätze in der Startelf kämpfen. 

Insgesamt bleibt also abzuwarten, ob sich Delaney beim BVB zum passenden Spieler entwickelt und ob er in das System Favres passt. Seine Qualitäten im Zweikampf und nicht zuletzt auch als Führungsspieler könnten ihm dabei einen Vorteil gegenüber den anderen Mittelfeldspielern verschaffen. Dennoch ist die Ablöse von 20 Millionen Euro eine ordentliche Hypothek und der Konkurrenzkampf im Mittelfeld groß. Allerdings ist Favre bereits seit einigen Wochen in die Kaderplanungen des BVB eingebunden, sodass nicht davon auszugehen ist, dass Dortmund Delaney ohne die Zustimmung des neuen Trainers verpflichtet hätte. Deshalb dürfte spannend sein, wie der Schweizer Taktik-Fuchs mit dem 26-jährigen Leader plant.