Am Donnerstagnachmittag machte es der ​BVB offiziell: Thomas Delaney wechselt für 20 Millionen Euro von Werder Bremen nach Dortmund. Statt Premier-League-Traum zieht es den dänischen Nationalspieler für die kommenden vier Jahre in den Ruhrpott - und könnte Werder damit um viel Geld gebracht haben.


​Einen Bärendienst erweisen - das wird definiert als eine Handlung für jemanden, die in guter Absicht erfolgt und dennoch schlechte Folgen für denjenigen hat. Nun ja, Thomas Delaney hatte vor allem seine eigenen guten Absichten im Kopf, als er mehrfach öffentlich mit einem Wechsel in die englische Premier League kokettierte. In der Liga, wo die britischen Pfund wie Milch und Honig fließen, sah der 26-jährige Däne seine sportliche Zukunft. Es sei sein Traum, einmal auf der Insel zu spielen, gab Werders Mittelfeld-Motor den Klubverantwortlichen an der Weser zu verstehen.

Sein eigenes Wechsel-Karussel brachte Delaney damit selbst ins Rollen - und Bremens Manager Frank Baumann trotz Vertrages bis 2021 gehörig ins Schwitzen. Zwar sollen tatsächlich einige Klubs aus dem Traumziel Premier League interessiert gewesen sein, Delaney stand plötzlich aber vor allem bei der Bundesliga-Spitze auf dem Zettel. Der Abgang des dänischen WM-Fahrers bahnte sich immer mehr an. Nicht auf die Insel, sondern in den Ruhrpott. Seit Donnerstagvormittag ist klar, Delaney trägt künftig das Trikot von ​Borussia Dortmund. Aus dem Quartier der Dänen ​machte sich der 26-Jährige auf, um beim BVB einen Vertrag bis 2022 zu unterschreiben. Kostenpunkt: 20 Millionen Euro.

Nun könnte man argumentieren, dass Werder damit einen satten Gewinn einfährt. Im Januar 2017 verpflichtete man den laufstarken Mittelfeldspieler für schlappe zwei Millionen Euro und bekommt nun eine 1.000-prozentige Rendite. Und dennoch bleibt das Wechsel-Wirrwar, das Delaney selbst ins Rollen gebracht hat, ein Bärendienst an die Grün-Weißen. Der hatte seinen Traum von der Premier League schnell gegen die sportliche (und finanzielle) Perspektive beim BVB eingetauscht.

Mit der schnellen Entscheidung hat Werder zwar ein drohendes Sommer-Theater um den Dänen verhindert und kann frühzeitig nach Ersatz Ausschau halten. Mit 20 Millionen Euro liegt die Ablöse dabei auch weit über Delaneys Marktwert (zwölf Millionen Euro, transfermarkt.de). Einen Abgang ins zunächst anvisierte England wäre Werder aber wohl dennoch deutlich lieber gewesen. Die Premier-League-Klubs sind nämlich nicht für ihre Sparsamkeit bekannt. Auf der Insel gehen gut und gerne Durschnitts-Kicker für wahnwitzige Summen über die Ladentheke. 


Angesichts der bevorstehenden WM, bei der Delaney in Dänemarks Mittelfeld gesetzt sein dürfte, hätte sich der 26-Jährige noch interessanter machen können. Ein Transfer wäre dann zwar zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt, die Wahrscheinlichkeit einer deutlich höheren Ablösesumme wäre aber gestiegen. Und im "schlechtesten Fall" wären mögliche Angebote ausgeblieben. So aber stellte sich Delaney öffentlich ins Schaufenster und rief den BVB auf den Plan - eben ein Bärendienst an Werder.