Die Causa Bernhard Peters ist geklärt. Der 58-Jährige bleibt dem HSV als Nachwuchschef erhalten - und akzeptiert damit überraschend die Degradierung durch den neuen Sportvorstand Ralf Becker. Eine große Rolle bei Peters Entschluss könnte Christian Titz gespielt haben. Der Rothosen-Coach pflegt zu beiden ein gutes Verhältnis.


Beim ​HSV könnte tatsächlich Ruhe und Ordnung einkehren. Nach dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte geht der HSV die Mission Wiederaufstieg neu besetzt und mit klaren Strukturen an. Interimschoach Christian Titz, unter dem die Rothosen im Saisonendspurt wieder attraktiven Offensiv-Fußball gespielt haben, bleibt an der Seitenlinie. Mit Ralf Becker wurde ein neuer Sportvorstand verpflichtet, der bereits in Kiel hervorragende Arbeit verrichtet hatte und nun beim HSV die sportlichen Strippen in der Hand hält.

Gelöst wurde auch der mögliche Konfliktherd mit Sportdirektor Bernhard Peters. Der hatte im Dezember seinen Vertrag bis 2020 verlängert, sich nach der Beurlaubung der sportlichen Führungsspitze Heribert Bruchhagen und Jens Todt aber als neuer Sportvorstand ins Gespräch gebracht. Peters wollte in dieser übergeordneten Funktion die strategische Ausrichtung des Klubs bestimmen, ein neuer Manager sollte sich ihm untergeordnet um die Spielertransfers kümmern.

TSG 1899 Hoffenheim v Hamburger SV - Bundesliga

Peters wollte selbst HSV-Sportchef werden - nun akzeptiert er seine Degradierung.


Ein Plan, den Bernd Hoffmann nicht teilte. Damals noch Aufsichtsratschef und Präsident, kürzlich zum Vorstandsvorsitzenden gewählt, bevorzugte Hoffmann ein Modell mit einem neuen Sport-Vorstand als Chef von Peters. Dieser heißt nun Ralf Becker, ​der in den Gesprächen mit der Klubführung Bedenken zu einer möglichen Zusammenarbeit mit Peters äußerte. Es drohte ein interner Machtkampf, im Verein rechneten viele mit einem freiwilligen Abgang des Sportdirektors.


Peters nimmt Nachwuchschef-Rolle an


​Am Mittwochnachmittag sickerte jedoch die Kehrtwende durch. Peters bleibt dem HSV erhalten. Zwei klärende Gespräche mit Becker sollen zu dieser überraschenden Entscheidung geführt haben. Im ersten Vier-Augen-Gespräch teilte Becker Peters mit, dass er sich ​künftig ausschließlich um die Jugendabteilung kümmern solle. Sein Büro soll Peters deshalb auch im HSV-Campus beziehen. Nach einem weiteren Gespräch stand fest, dass Peters die Rolle als Nachwuchschef akzeptieren würde. Als solcher hatte er zusammen mit NLZ-Leiter Dr. Dieter Gudel mit der HSV-Jugend in jüngster Vergangenheit großen Erfolg. Die U21 stand in der abgelaufenen Spielzeit an der Spitze der Regionalliga, die U19 kämpfte lange Zeit um den Titel in der Bundesliga Nord/Nordost. 

Zum einjährigen Geburtstag des HSV-Nachwuchscampuses meldete sich Peters erstmals nach den Spekulationen um seinen Abgang zu Wort. "Wir haben mit der Akademie einen Quantensprung in allen Bereichen in puncto der Professionalität gemacht. Das hat alle unheimlich mitgerissen und motiviert. Wir genießen es, in einem sehr guten und leistungsorientierten Umfeld zu arbeiten“, wird er auf der HSV-Homepage zitiert. Worte, die seine Entscheidung weiter als Nachwuchschef tätig zu sein, womöglich Nachdruck verleihen sollen.

Wie das Hamburger Abendblatt spekuliert, könnte aber vor allem Christian Titz bei Peters' Entscheidung eine große Rolle gespielt haben und zwischen Becker und dem neuen, alten Nachwuchschef vermittelt haben. Peters hatte Titz vor Jahren zum HSV geholt und dessen Weg begleitet. Auf der anderen Seite versteht sich der HSV-Coach auch bestens mit Becker, der ihn einst nach Kiel lotsen wollte. Möglich, dass Titz nun entscheidenden Einfluss genommen hat - dem HSV wird die neue, ordnende Führungsstruktur auf jeden Fall zugutekommen.