Manuel Neuer ist auf jeden Fall für die Weltmeisterschaft bereit, das steht spätestens seit dem Testspiel gegen Österreich fest. Doch auf der Kehrseite der Medaille bedeutet es für Marc-André ter Stegen, der als direkter Neuer-Vertreter lange Zeit berechtigte Hoffnungen darauf hatte, in Russland zwischen den Pfosten stehen zu dürfen, nun doch auf der Bank Platz nehmen zu müssen. Der Keeper des FC Barcelona reagierte spürbar enttäuscht, wolle sich jedoch dem Dienst der Mannschaft unterordnen und da sein, wenn es drauf ankommt.


Wenn man sich mit der deutschen Nationalmannschaft befasst und die Torhüterfrage etwas näher beleuchtet, wirkt es oberflächlich betrachtet fast schon skurril, dass ausgerechnet Manuel Neuer bei der WM ​als klare Nummer eins gesetzt ist. Der langjährige Nationaltorhüter und Kapitän der DFB-Elf sowie seines Vereins, ​Bayern München, konnte seit April vergangenen Jahres aufgrund mehrerer Mittelfußbrüche insgesamt nur sieben Pflichtspiele absolvieren. Der 32-Jährige besaß keinerlei Spielpraxis, wurde aber dennoch für den vorläufigen - ​und mittlerweile auch für den endgültigen - WM-Kader nominiert und wird in Russland seine Zeit nicht auf der Bank verschwenden.


Das Testspiel gegen die österreichische Auswahl in Klagenfurt galt als endgültiger Leistungstest - ​Neuer bestand tadellos. Konkurrent Marc-André ter Stegen wird hingegen auf die Bank versetzt, was teilweise für Aufregung sorgte. Der 26-Jährige stand in der abgelaufenen Spielzeit 48 Mal für den FC Barcelona auf dem Platz, blieb ganze 24 Partien ohne Gegentor und ragte immer wieder mit Glanzparaden hinaus. 


Wer 44 Spiele mehr absolviert, so könnte man meinen, der dürfte eigentlich aufgrund der bedeutend höheren Spielpraxis gesetzt sein. Das weiß auch ter Stegen, dessen Frust ihm laut Sport Bild deutlich anzumerken ist: "Es ist eine enttäuschende Situation, wenn man die ganze Saison gut gespielt und Leistung auf höchstem Niveau gebracht hat", so der 1,87 Meter große Torwart, der im vergangenen Jahr im Confederations Cup andeutete, dass er mittlerweile auch in der Nationalmannschaft angekommen ist.


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   Marc-André ter Stegen hat eine herausragende Saison hinter sich - doch an Manuel Neuer scheint niemand vorbeizukommen


Doch trotz aller Enttäuschung stellt er sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft: "Wenn ich gebraucht werde, bin ich da." Er wolle Neuer "eine Hilfe" sein, und auch der Rest komme bei ihm nicht zu kurz: "Die Mannschaft weiß, dass ich sie zu 200 Prozent unterstützen werde." Wenige Tage vor der Abreise aus Eppan ist die Reaktion von ter Stegen ein klares Signal, was vor allem Bundestrainer Joachim Löw gefallen wird. Beim WM-Triumph vor vier Jahren ragte die DFB-Elf durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit auf und neben dem Platz heraus, und kaum einer wagt es, dieses Bild auch nur ansatzweise zu zerstören.


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Daher arbeiten alle auf dem Trainingsplatz gemeinsam auf das große Ziel hin, den Titel in Russland zu verteidigen. Nach dem finalen Test gegen Saudi-Arabien am Freitag (19.30 Uhr) reist der Tross am zwölften Juni zum WM-Quartier in Vatutinki, das Auftaktspiel gegen Mexiko findet fünf Tage später statt. Ziel sei es laut Löw, bis zum Auftakt der Gruppe F topfit zu sein: "Darauf ist der Fokus gerichtet. Bis dahin werden wir in einem sehr, sehr guten Zustand sein", so der 58-Jährige.