Bundestrainer Joachim Löw hat mit der Ausbootung von Leroy Sané überrascht. Der 22-Jährige von Manchester City steht trotz seiner überragenden Leistungen beim englischen Meister nicht im WM-Aufgebot des Weltmeisters. Löw sieht den Linksaußen im DFB-Team "noch nicht so ganz angekommen". Nicht nur für Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack kaum nachvollziehbar.


Bei der Nominierung des endgültigen WM-Kaders musste sich Bundestrainer Joachim Löw zwischen Julian Brandt und Leroy Sané entscheiden. Auf den ersten Blick eine klare Sache, müsste man meinen. Der eine, Julian Brandt, wurde mit Bayer Leverkusen Fünfter in der Bundesliga und zeigte mit neun Toren und fünf Vorlagen ordentliche Leistungen. Der andere, Leroy Sané, spielte beim englischen Meister Manchester City eine überragende Saison und wurde mit zehn Treffern und 15 Vorlagen zum besten Jung-Profi der Premier League gewählt.


Und dennoch fiel die ​Wahl von Löw nicht auf Leroy Sané, sondern etwas überraschend auf Julian Brandt. Im Nationalteam gehören die beiden 22-Jährigen mit zwölf beziehungsweise 15 Länderspielen noch zu den Neuligen. Vor zwei Jahren, als Löw vor der EM in Frankreich eine ähnliche Entscheidung treffen musste, entschied sich der Bundestrainer noch für Sané - Brandt musste zuhause bleiben. 

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Sané (2. v. r.) konnte sich unter den Augen des Bundestrainers nicht für einen Platz im WM-Kader empfehlen.


Sané im Nationalteam noch nicht so ganz angekommen


"Wir mussten eine Entscheidung treffen, weil der Kader ausgewogen sein muss", gab Löw Einblicke, warum letztlich Brandt und nicht England-Shootingstar Sané das WM-Ticket erhielt. "Leroy hat riesiges Talent, absolut. Er wird auch bald wieder dabei sein, ab September werden wir verstärkt mit ihm arbeiten. Aber er ist vielleicht in den Spielen der Nationalmannschaft noch nicht so ganz angekommen", begründete der Bundestrainer seine Entscheidung. Noch kein Treffer gelang Sané bislang im DFB-Dress. Während der 22-jährige Linksaußen in der Premier League als Stammspieler bei Meister Manchester City beeindruckt, konnte er den Erwartungen im Nationalteam noch nicht gerecht werden.

An Sanés Leistung im Test gegen Österreich wollte Löw die Nicht-Nominierung aber nicht festmachen. "Er hat sehr gute Defensivarbeit versucht. Er ist nach hinten gegangen, er hat umgeschaltet. Da gab es überhaupt keinen Vorwurf", betonte Löw. Und auch abseits des Platzes habe es "wirklich gar nichts gegeben. Leroy hat sich sehr korrekt und gut verhalten", versicherte der Bundestrainer.


Für Brandt - für mehr Flexibilität


Die löwsche Formel ist im Prinzip ganz einfach: Sané konnte seine überragenden Anlagen für Deutschland bislang nicht auf den Platz bringen. Sowohl bei der EM, als auch im Vorfeld der WM blieben seine in England so gefürchteten Eins-gegen-eins-Dribblings aus. Eine Qualität, die man in Deutschland sonst händeringend sucht. Stattdessen wirkte der 22-Jährige oft wie ein Fremdkörper im Team. Woran das liegt, sei dahingestellt. Möglich, dass auch seine Absage für den Confed Cup eine Rolle spielt.


Brandt dagegen ist zwar fraglos ebenfalls ein großes Talent. Mit ihm ​hat sich Löw für einen flexibler einsetzbaren Spieler entschieden, der auch bei einem möglichen System mit einer Dreierkette in defensiverer Rolle eingesetzt werden kann. Die Dribbelstärke eines Sané besitzt der Leverkusener aber längst nicht - als Joker ist er nun ein ganz anderer Spielertyp. 


Auch deshalb stößt die Entscheidung bei vielen auf UnverständnisSo auch bei Ex-Kapitän Michael Ballack: "Löw hat sich mit dieser Entscheidung unter großen Druck gesetzt", twitterte der 41-Jährige. "Der beste junge Spieler der Premier League muss daheim bleiben. Jogi, nicht dein Sané-Tag heute?!"

Nach Sanés Ausbootung bleibt in jedem Fall festzuhalten, dass es aus deutscher Sicht extrem schade ist, ohne einen Spieler mit solch einem Potenzial nach Russland zu reisen.