Die 1:2-Niederlage​ gegen Österreich war für Nils Petersen eine ganz besondere Partie. Der Angreifer des ​SC Freiburg debütierte im Alter von 29 Jahren erstmals für die Nationalmannschaft, doch nach der dürftigen Mannschaftsleistung dürfte seine Freude über die Premiere nicht lange überwiegen.


Wenn man die Karriere von Nils Petersen beschreiben müsste, wäre wohl das Sinnbild einer Achterbahn das passendste Beispiel, um die vergangenen Jahre darzustellen. Nach einer erfolgreichen Zeit bei Energie Cottbus, wo er in 63 Partien 38 Tore erzielte, verpflichtete der ​FC Bayern München den damals 22-jährigen Angreifer für rund drei Millionen Euro. Im Ensemble des Rekordmeisters kam Petersen jedoch kaum zum Zug und wurde daher nur ein Jahr später an ​Werder Bremen verliehen, ehe er nach elf Toren in 34 Einsätzen fest verpflichtet wurde.


Ab Sommer 2013 verschlechterte sich jedoch seine Situation in Bremen: Petersen kam zwar regelmäßig zum Einsatz, hatte jedoch unter Viktor Skripnik keinen Stammplatz inne und musste sich mit der Joker-Rolle zufrieden geben. Im Januar 2015 ergriff dann der ​SC Freiburg die Chance, lieh den Stürmer zunächst bis Saisonende aus und hoffte, mit seiner Hilfe doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. In der Rückrunde erzielte er zwar neun Tore, am Ende stand jedoch trotzdem der Abstieg. Doch Petersen entschied sich für die Breisgauer, die ihn daraufhin für 2,8 Millionen Euro unter Vertrag nahmen.

SC Freiburg v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

 Nach einem Auf und Ab in München und Bremen landete Nils Petersen in Freiburg, wo er kaum Anlaufzeit brauchte


In der Mannschaft von Christian Streich hat er sich perfekt eingefunden, kommt in insgesamt 117 Einsätzen auf 64 Tore und zwölf Vorlagen. In dieser Zeit erlebte Petersen nicht nur die zweite Liga, sondern auch die Rückkehr in die Bundesliga, die Qualifikationsspiele für den Europapokal und schlussendlich den Abstiegskampf in der abgelaufenen Saison. Mit 15 Toren in 32 Partien war der mittlerweile 29-Jährige der beste Freiburger Torschütze, sicherte der Mannschaft quasi im Alleingang den Klassenerhalt ​und wurde als treffsicherster deutscher Spieler überraschenderweise von Joachim Löw für den vorläufigen WM-Kader nominiert


Petersen gibt noch nicht auf: "Hoffe, dass es vier andere trifft"


Beim Test gegen die österreichische Nationalmannschaft gab er nun sein Debüt und spielte von Anfang an. Ein bedeutsamer Moment für den Spieler und seinem Verein, doch auf dem Feld war wenig von seinem Können zu sehen. Petersen beteiligte sich aktiv am Gegenpressing, kam jedoch kaum zu Schussgelegenheiten und lieferte eine insgesamt dürftige Partie ab. Die Chancen auf eine WM-Teilnahme sind damit gesunken, viel mehr scheint es so, als würde Petersen Stand jetzt nicht mit nach Russland fliegen. 


Davon will er sich allerdings nicht unterkriegen lassen: "Ich genieße jeden Tag bei der Mannschaft. Es ist eine Mischung aus Demut und Ehrgeiz. Natürlich hofft man, dabei zu sein. Es ist ein Pool aus sieben, acht Spielern – vier fliegen raus. Ich warte bis Montag und schaue, was passiert. Du musst schauen, dass du unter den 23 dabei bist. Und wenn nicht, geht das Leben auch weiter", wird er von Sport1 zitiert.

Am Sonntagabend trifft der Trainerstab um Bundestrainer Joachim Löw die Entscheidung, welche vier Spieler aus dem vorläufigen Kader gestrichen werden. Neben Petersen gelten auch Jonathan Tah und Sebastian Rudy als Streichkandidaten, das Aus von Kevin Trapp scheint aufgrund des gelungenen Comebacks von Manuel Neuer schon besiegelt zu sein. Petersen weiter: "Es sind ein paar Spieler, die als Wackelkandidaten auf der Liste sind. Ich weiß, dass ich als Neuling einer davon bin.So gut ich alle anderen leiden kann: Ich hoffe, dass es vier andere trifft."


Sollte er es doch noch in das endgültige Aufgebot schaffen, wäre Petersen nach Matthias Ginter erst der zweite Freiburger, der an einer WM teilnehmen würde. Doch hinter Timo Werner und Mario Gomez wäre er lediglich die dritte Wahl im Sturm - und dass Löw plötzlich mit zwei Stürmern spielen lässt, scheint mehr als unwahrscheinlich. Doch selbst wenn er am Ende nach Hause geschickt wird: Den gestrigen Abend kann ihm keiner mehr nehmen.