KLAGENFURT, AUSTRIA - JUNE 02:  Joachim Loew, head coach of the German national team  talks to DFB team psychologist Hans-Dieter Hermann during the International Friendly match between Austria and Germany at Woerthersee Stadion on June 2, 2018 in Klagenfurt, Austria.  (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Nach der DFB-Pleite gegen Österreich: 5 Erkenntnisse vor der Weltmeisterschaft

Es war schon ein wenig überraschend, auf welche Art und Weise die deutsche Nationalmannschaft ihr Testspiel gegen Österreich mit 1:2 verlor. Nach einer guten ersten Halbzeit verlor die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw - wohl auch aufgrund der vielen Wechsel - die Ordnung, ließ einige Prozente missen und hatte gegen gut aufgelegte Österreicher am Ende keine Chance mehr. 


Seit nun mehr fünf Testspielen ist die DFB-Elf sieglos, doch nach der gestrigen Niederlage zeigte sich Löw ungewohnt harsch in seiner Kritik. Doch auch wenn vor allem Frust vorherrscht, so lässt sich sagen, dass nicht alles schlecht verlaufen ist. Im Folgenden erfahrt ihr fünf Erkenntnisse, die der 58-Jährige und sein Trainerteam nach dem Samstag mitnehmen werden.

1. Neuer ist fit für die WM

Bereits zwei Mal stand Neuer bei internen Testspielen gegen die U-20 Nationalmannschaft im Tor, doch am gestrigen Abend trat der 32-Jährige zu seinem ersten ernsthaften Belastungstest an - und lieferte eine mehr als ordentliche Leistung. Im verregneten Wörthersee Stadion in Klagenfurt parierte er mehrfach stark und bewahrte seine Vordermänner bei einem Schuss von Florian Grillitsch kurz vor der Pause vor dem Ausgleich. Nach dem Seitenwechsel kam mehr auf den Welttorhüter zu, der zwar stark gegen Arnautovic parierte, bei beiden Gegentoren jedoch machtlos war. 


Bereits vor der Partie beeindruckte Neuer, dessen Gesundheitszustand die wohl spannendste Frage während des bisherigen Trainingslagers war, mit seiner Fitness und seiner Ausstrahlung auf dem Platz. Den Test gegen die ÖFB-Elf dürfte er eindrucksvoll bestanden haben, weshalb eine WM-Teilnahme nicht gefährdet scheint.

2. Reus feiert sein Comeback

Über zwei Jahre war es her, dass Marco Reus letztmals für die Nationalmannschaft auf dem Platz stand, doch nach 67 Spielminuten feierte er bei seiner Einwechslung für Leroy Sane sein Comeback. Bundestrainer Joachim Löw hält große Stücke auf den 29-Jährigen und will ihn nach dem bitteren WM-Aus vor vier Jahren diesmal unbedingt mitnehmen. 


Reus selbst zeigte sich über seinen gestrigen Einsatz mehr als erfreut und hofft darauf, in Russland eine entscheidende Rolle zu spielen: "Ich hoffe natürlich, dass ich der Mannschaft auf dem Platz helfen kann. Ich will schon eine wichtige Rolle spielen. Am Ende werden die wichtigen Spiele entscheidend sein – und da will ich natürlich dabei sein", so der Offensivkünstler laut Sport1.

3. Die Streichkandidaten haben ihre Chancen nicht verbessert

Jonathan Tah, Nils Petersen, Sebastian Rudy und Niklas Süle galten im Vorfeld des Trainingslagers als diejenigen, die am ehesten damit rechnen müssen, die WM doch noch von Zuhause aus verfolgen zu müssen. Da Manuel Neuer aller Voraussicht nach einen festen Platz im Kader haben wird, wird mindestens einer von ihnen doch noch die Chance auf ein Ticket erhalten, da somit Kevin Trapps Aus als sicher gilt.


Trotz einer wackeligen Leistung stehen die Chancen für Süle, der sich ohnehin bereits als festen Teil in der Mannschaft sieht, wohl am besten. Während Tah gar nicht erst zum Einsatz kam, konnte Petersen kaum Akzente in der Offensive setzen und war besonders in der zweiten Halbzeit kaum noch zu sehen. Rudy wurde nach Wiederbeginn eingewechselt, hatte im Mittelfeld jedoch massive Probleme und konnte die Stabilität, die in den ersten 45 Minuten noch gegeben war, nicht aufrechterhalten. 


Dass dieser Test über die Entscheidung des Trainerteams, welche 23 Akteure zur WM mitfahren werden, entscheidet, war bereits zuvor klar. Nun scheint die Entscheidungsfindung jedoch einfacher als zuvor, da sich die Streichkandidaten keinen Gefallen getan haben und kaum Argumente für eine WM-Teilnahme sammeln konnten.  

4. Die letzten Tage vor der WM werden unruhig

Selten hat man Joachim Löw so erlebt wie am Samstag. Der 58-Jährige kritisierte die Mannschaft für ihre schwache Leistung scharf, richtete ihnen deutliche Worte entgegen und machte klar, dass solch ein Auftreten bereits in der Gruppenphase gefährlich werden könnte. "Die Niederlage ärgert mich schon. Wir haben vieles nicht so umgesetzt, wie wir uns das vorgenommen haben. Vieles war heute schlecht. Wir hatten überhaupt keine Ordnung", schimpfte der Bundestrainer laut Sport1.


Es gebe "einige Dinge", die man in den kommenden zwei Wochen, die bis zum ersten Gruppenspiel gegen Mexiko verbleiben, verbessern müsse. Daher dürfte es in den letzten Tagen des Trainingslagers unruhig und ungemütlich zu Werke gehen. Löw und sein Team werden die Zügel voraussichtlich noch einmal anziehen und tiefer an taktischen Elementen feilen, um solch ein Szenario in Russland zu verhindern. Auf die Mannschaft wartet in allen Bereichen noch einiges an Arbeit, doch Löw will sich davon nicht unterkriegen lassen: "Es gibt eine ganze Menge aufzuarbeiten. Aber wir lassen uns nicht verrückt machen, hatten auch vor anderen Turniere schon solche Testspiele." 

5. Ungewohnte Mängel im Spiel

Gerade im Mittelfeld und in der Offensive ist die deutsche Nationalmannschaft mit technisch starken Spielern bestückt, die vor allem durch ihre Passsicherheit glänzen. Doch gegen Österreich ließen die Spieler auch dieses Element vermissen. Die Mannschaft wirkte oft unkonzentriert, brachte vor allem in der Offensive den letzten Ball oftmals nicht an den Mann, wodurch einige Chancen ungenutzt blieben. 


Ähnliches gilt auch für das Stellungsspiel, das Löw nach der Partie scharf kritisierte. Beim ersten Gegentor durch Hinteregger habe man "nicht richtig gestanden", vor allem die fehlende Besetzung des zweiten Pfostens habe ihn gestört. Der zweite Treffer durch Schöpf schien ihn jedoch mehr zu ärgern: "Eigentlich waren wir immer einen Schritt zu spät. Wir waren zwar dabei, aber nicht entscheidend in der Szene drin." 


Dies gelte sowohl für die erste als auch für die zweite Halbzeit. "Das hat aber auch einen Ursprung, und zwar, dass wir viele Bälle vorne verloren haben. Wenn man so schlampig ist im Spiel nach vorne und viele Räume öffnet, dann passieren solche Dinge", so der Bundestrainer.