Für Marco Reus geht eine lange Leidenszeit zu Ende. Der Offensivspieler von Borussia Dortmund gab bei der enttäuschenden ​1:2-Niederlage im Testspiel gegen Österreich nach über zwei Jahren sein Comeback in der Nationalmannschaft und scheint in diesem Jahr zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Für den 29-Jährigen war seine Einwechslung ein "schöner" Moment, doch am Ende überwog der Frust über die Niederlage.


Marco Reus blieb in den vergangenen Jahren vom Verletzungspech nicht geschont - im Gegenteil. Der 29-Jährige wurde in seiner Karriere oftmals von langwierigen Verletzungen geplagt, die meist zu den denkbar ungünstigsten Zeitpunkten auftraten. Besonders bei der Nationalmannschaft blieb Reus lange außen vor, weil er sich immer wieder von Rückschlägen erholen musste. Sein bislang einziges Turnier als Nationalspieler erlebte er in Polen und der Ukraine, als Deutschland bei der Europameisterschaft 2012 im Halbfinale mit 1:2 an Italien scheiterte. 


Vor vier Jahren wurde er von Bundestrainer Joachim Löw für den endgültigen WM-Kader nominiert, hätte eigentlich mit nach Brasilien fliegen sollen. Doch im letzten Testspiel gegen Armenien zog sich Reus einen Syndesmosebandriss zu, das WM-Aus war besiegelt. Für ihn der vielleicht bitterste Moment seiner Karriere. Zwei Jahre später eine erneute Enttäuschung: Auch die Europameisterschaft 2016 wird ohne Reus stattfinden, der damals bereits mit Adduktorenproblemen im Trainingslager ankam.  

Germany v Armenia - International Friendly

   Gestützt von den Mannschaftsärzten humpelt Marco Reus (Mitte) gegen Armenien vom Platz. Am Ende wurde er von Löw gestrichen, Shkodran Mustafi durfte nachrücken


Sein letztes Länderspiel datierte vom 29. März 2016 gegen Italien, ehe er am Samstag nach 67 Minuten für Leroy Sane eingewechselt wurde. Trotz seines Kreuzbandrisses, der ihn bis Februar außer Gefecht setzte, ist Marco Reus wieder fit - und freut sich laut Sport1 über seine Rückkehr in die Nationalmannschaft: "Ich habe das Trikot zwei Jahre nicht tragen können. Deshalb war es heute schön und wichtig für mich, wieder für Deutschland zu spielen."


Nach der Partie gegen die ÖFB-Auswahl überwiegte jedoch vor allem die Enttäuschung. Während Löw seinen Spielern attestierte, in dieser Form "keine Chance" auf den Titel zu haben, war Reus zwiegespalten: "Eigentlich war es wie immer vor großen Turnieren, dass wir in den sogenannten Testspielen einfach die Frische nicht an den Tag bringen, was natürlich auch klar ist, weil wir die Woche hart trainiert haben. Andererseits hat man in der ersten Halbzeit gesehen, dass wir das eigentlich ganz gut kontrolliert haben. Dann haben wir aber in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fußball zu spielen." ​Die gestrige Partie sei "nicht unser Maßstab", doch man wisse, dass noch viel Arbeit bevorstehe. Insgesamt solle man "nicht alles schlecht reden. Wir werden noch gut in Fahrt kommen und dementsprechend unsere Leistung zeigen." 


Für ihn persönlich sei es "wichtig, weiter im Rhythmus zu bleiben", vor allem "hart zu trainieren, weil das Turnier natürlich sehr lang ist." Man benötige eine hohe Kondition, doch von all dem will sich Reus nicht davon abbringen lassen, auch bei der Weltmeisterschaft auf dem Platz zu stehen: "Ich hoffe natürlich, dass ich der Mannschaft auf dem Platz helfen kann. Ich will schon eine wichtige Rolle spielen. Am Ende werden die wichtigen Spiele entscheidend sein – und da will ich natürlich dabei sein."