Am kommenden Sonntag hält der FC Schalke 04 seine Jahreshauptversammlung ab, bei der, wie in jedem Jahr, zwei neue Mitglieder in den Aufsichtsrat gewählt werden. Im Vorfeld präsentierten die vier Kandidaten, zu denen auch Ex-Trainer Huub Stevens gehört, ihre Ideen und kämpfen darum, die Chance zu erhalten, die Zukunft des Vereins mitzugestalten.


Die Dauer der Amtszeit im Aufsichtsrat des FC Schalke 04 ist für jeden unterschiedlich, doch in diesem Jahr neigen sich erneut zwei dem Ende zu. Neben Dr. Andreas Horn wird sich auch Thomas Wiese vorerst aus dem Gremium verabschieden müssen - letzterer kandidiert am Sonntag erneut, nachdem er vom Wahlausschuss zur Wiederwahl zugelassen wurde.


Neben Wiese werden sich am Sonntag auch Moritz Dörnemann, Huub Stevens und Ilona Caroli zur Wahl stellen, wobei Stevens aufgrund seiner langjährigen Zeit als Trainer der Königsblauen (1996 - 2002, 2011 - 2012) am wenigsten um einen Wahlerfolg zittern muss. Sein Einzug in den Aufsichtsrat gilt als so gut wie sicher. Dennoch präsentierte er gemeinsam mit seinen Mitstreitern seine Pläne für die Zukunft, wobei sich der 64-Jährige überwiegend auf das Sportliche konzentriert. "Ich glaube, dass es gut für den Verein ist, wenn auch jemand mit Fußballkompetenz im Aufsichtsrat sitzt", sagte der Niederländer laut Reviersport.

20 Years Of Eurofighter - Bedankt Huub!

 Einst Trainer und Berater, ab Sonntag möglicherweise Aufsichtsrat: Huub Stevens


Stevens' Ziel lautet, sich durch gute Nachwuchsarbeit ein weiteres finanzielles Standbein aufzubauen. Man müsse "flexibel und kreativ in der Jugendarbeit und im Scouting" sein, um Geld zu erwirtschaften. Er habe sich das A-Junioren-Bundesliga-Halbfinale zwischen der U-19 des FC Schalke und 1899 Hoffenheim angesehen und traut einigen Nachwuchsspielern zu, bald den Sprung in den Profibereich zu schaffen. "Das ist alles Kapital", führte Stevens fort.


Wird auf Schalke zum ersten Mal eine Frau in den Aufsichtsrat gewählt?


Caroli hingegen hat vor allem ein Ziel: Die 74-Jährige möchte als erste Frau in den Schalker Aufsichtsrat gewählt werden. Bereits ein Drittel aller Mitglieder sind weiblich, weshalb die ehemalige Schiedsrichterin nun den nächsten Schritt wagen will: "Es wird Zeit, dass die auch mal in Gremien aktiv werden. Vielleicht bin ich da ja so eine Art Türöffner." Ein weiteres Ziel sei allerdings auch, dass Schalke mehr Mut in der Entwicklung zeige. Speziell während der 50+1 Debatte habe ihr die zurückgezogene Haltung des Vereins missfallen und sich stattdessen mehr Klarheit gewünscht.

Aus wirtschaftlicher Hinsicht leiste vor allem Marketingvorstand Alexander Jobst einen "guten Job", doch Caroli wolle die Vermarktung weiter ausbauen: "Ich finde diese Sachen mit China und eSport gut, denn sie bringen uns Geld. Und dadurch, dass wir Sponsoren in China gewinnen, werden wir dort auch wieder für andere Partner interessant." Zudem sei Fanpolitik ein belangreiches und "permanentes" Thema, was allerdings nicht so einfach zu handhaben sei: "Es wird ja auch immer schwieriger. Gerade die Zersplitterung der Spieltage hat mich total geärgert", so Caroli.


Dörnemann und Wiese - Junges Blut gegen Erfahrung


Dörnemann könnte mit 36 Jahren das jüngste Mitglied im Aufsichtsrat werden, will sich davon allerdings nicht abschrecken lassen: "Ich weiß nicht, inwiefern das Alter etwas damit zu tun hat. Wir haben ja einen Trainer, der noch jünger ist. Vielleicht ist das auch ganz gut, mal einen jüngeren Blick in dieses Gremium mit einzubringen", sagte der 'Head of Global Products and Solutions' der Deutschen Bank.​ Aufgrund seiner Berufstätigkeit stehe er mit großem Wissen über finanzielle Dinge zur Verfügung, weshalb er sich - ähnlich wie Stevens - den wirtschaftlichen Aspekten widmen wolle.


Allerdings verfolgt Dörnemann einen anderen Ansatz: "Durch höhere Gehälter oder auch Kredite, die wir für unsere Infrastruktur aufnehmen,machen wir uns abhängig von anderen. Wir müssen ganz genau gucken, was wir uns erlauben können." Schalke solle auch ohne sportliche Erfolge ein gesundes und wirtschaftlich starkes Unternehmen bleiben, das auf eigenen Beinen stehen kann.


Wiese hingegen ist der einzige Kandidat mit Erfahrung und sei mit seiner ersten Amtszeit im Aufsichtsrat zufrieden. Während den Sitzungen habe er oft die Rolle der Opposition eingenommen, was er als Vorteil sieht: "Deswegen wurde ich gewählt. Wenn neun Leute ja sagen, bin ich nicht einfach der zehnte. Wichtig ist, dass man sich die Meinung geigt, aber das muss intern bleiben." Wichtig seien für ihn die Fans, besonders für die Ultras hege er "große Sympathien".

Bei vielen Vereinen stehen einige Teile der Anhängerschaft immer wieder in der Kritik, besonders wenn provozierte Spielabbrüche wie beim Spiel zwischen dem 
​Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach zustande kommen. "Über die wird ja oft schlecht berichtet. Natürlich ist nicht alles immer Sonnenschein, aber so darf es auch nicht sein. Wir brauchen auch gegensätzliche Meinungen", so die Devise von Wiese, der auch hier wieder seine oppositionelle Haltung zum Vorschein brachte.