In der Vergangenheit gab es immer wieder Dopingskandale rund um russische Sportler, deren Höhepunkt die Vorwürfe des Staatsdopings für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi fanden. Doch neben olympischen Athleten scheinen auch Fußballer in das russische Dopingprogramm involviert zu sein, wie der Independent berichtet. Demnach gebe es laut Whistleblower Grigori Rodtschenkow insgesamt 34 bekannte Fälle über gedopte Spieler, von denen einer sogar im Kader für die anstehende Weltmeisterschaft im eigenen Land stehe. 


Russland steht möglicherweise vor einem erneuten Dopingskandal. Bereits nach den Olympischen Spielen vor vier Jahren, bei denen die Gastgeber im Medaillenspiegel den ersten Platz belegten, wurde einige Monate später in mehreren Dokumentationen sowie im sogenannten McLaren-Report deutlich, dass russische Athleten gezielt vom Staat gedopt wurden und Kontrollen des Anti-Doping-Labors manipuliert wurden, um positive Ergebnisse zu vertuschen.


Nachdem auch Leichtathleten und Gewichtheber betroffen gewesen seien, scheint es in der Vergangenheit auch einige Fälle im Fußball gegeben zu haben, wie Grigori Rodtschenkow berichtet. Der 59-Jährige war einst Leiter des Anti-Doping-Labors, fungierte danach allerdings als Whistleblower und verweilt derzeit im Zeugenschutzprogramm des FBI in den USA, während Russland seit September vergangenen Jahres per internationalem Haftbefehl nach ihm fandet. Am gestrigen Nachmittag behauptete er bei der 'Sports, Politics and Integrity Conference' in London, bei der er per Videoanruf zugeschaltet war, dass zu seiner aktiven Zeit insgesamt 34 Fußballspieler positiv getestet wurden. 


Witali Mutko, einstiger Präsident von Zenit St. Petersburg, der russischen Liga sowie des russischen Fußballverbandes, habe ihm jedoch befohlen, die Fälle unberührt zu lassen, damit der Fokus nicht auch auf den Fußball gelenkt werde. "Falls es Probleme gibt, meldest du sie mir", soll Mutkos Befehl gelautet haben. "Eigentlich würde ich es meinem direkten Boss, dem Vizeminister melden. Aber in diesem Fall zu Mutko", führte Rodtschenkow fort.

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    Von Anfang an in die Dopingfälle involviert: Witali Mutko


Die positiv getesteten Spieler stammen allerdings aus allen Bereichen. "Es gab 34 Fußballer, die in dem Doping-Kontrollprogramm aufgelistet wurden. Diese spielten bei den Junioren, der U-23, den Damen und den Herren." Weitere Untersuchungen in der Zukunft seien "wichtig, weil wir erste Tests durchgeführt haben, aber der Prozess gestoppt und als negativ notiert wurde." Auf die Frage, ob er auch einen aktuellen russischen Nationalspieler in der Liste erkannt habe, antwortete Rodtschenkow: "Ich erkenne nur einen Namen aus der Nationalmannschaft."


Gleichzeitig betonte er aber auch, dass Doping im Fußball noch nicht so vorherrschend sei wie in anderen Sportarten. Die Manipulation durch das Anti-Doping-Labor sei bei Gewichthebern und Leichtathleten erheblich größer, weshalb in diesem Punkt noch ein großer Unterschied bestehe.


Wie ​Sport1 berichtet, habe Russland erst in der vorigen Woche in einem Brief, der unter anderem der Welt-Anti-Doping-Agentur vorliege, zugegeben, dass Dopingkontrollen systematisch manipuliert wurden. So heißt es in dem Schreiben: "Die ernsthafte Krise, die den russischen Sport erfasst hat, wurde von einer inakzeptablen Manipulation des russischen Anti-Doping-Systems verursacht, die durch die Untersuchungen der WADA und des IOC enthüllt wurden." Den McLaren-Report lehne man jedoch weiterhin ab, da dieser "unbegründete Schlussfolgerungen" erhalte.