Lange Zeit galt Marc-André ter Stegen als Favorit auf die Frage, wer während der Weltmeisterschaft das Tor der deutschen Nationalmannschaft hüten wird - ehe Manuel Neuer in Südtirol, wo sich der DFB-Tross noch bis zum neunten Juni im Trainingslager vorbereitet, mit seinem Fitnesszustand überzeugte ​und seine ersten beiden Härtetests in den internen Testspielen gegen die U-20 Nationalmannschaft bestand. Klar ist: ​Sollte Neuer bei 100 Prozent sein, fährt er als klare Nummer eins nach Russland, obwohl Ter Stegen in der abgelaufenen Saison beim FC Barcelona überzeugende Leistungen bot. Gegenüber Sport1 sprach Uwe Kamps über die gegenwärtige Situation im Tor und stand seinem einstigen Schützling bei.


Kaum einer kennt Marc-André ter Stegen so gut wie Uwe Kamps. Der 53-Jährige ist seit 14 Jahren Torwarttrainer von Borussia Mönchengladbach und verhalf dem 26-Jährigen dabei, seine ersten Schritte im Profibereich zu machen und sich ab Frühling 2011 zu einem der vielversprechendsten Torhüter in Deutschland zu entwickeln. Nach drei Jahren im Tor der Mönchengladbacher zog es ter Stegen nach Barcelona, wo er zunächst gegen Claudio Bravo das Nachsehen hatte und lediglich in den Pokalwettbewerben zum Einsatz kam. 


Mittlerweile ist er jedoch die unumstrittene Nummer eins der Katalanen, überstand in der abgelaufenen Saison 50 Prozent aller Spiele ohne Gegentor und musste in 48 Partien nur 39 Mal hinter sich greifen. Aufgrund der langwierigen Verletzung von Manuel Neuer galt er lange Zeit als Nummer eins bei der WM, doch der 32-Jährige kehrte eindrucksvoll zurück und ​verdrängt seinen ärgsten Konkurrenten derzeit wieder auf die Bank. Dementsprechend zeigte Kamps Mitgefühl für ter Stegen: "Marc hätte es verdient, bei der WM zu spielen, weil er im Rhythmus ist." Gleichzeitig betonte er jedoch, dass eine Nominierung von Neuer alles andere als ungerechtfertigt wäre: "Manuel hat natürlich durch die Vergangenheit super viele Erfolge auf der Fahne und hat daher auch die Berechtigung zu spielen."


FUSSBALL: 1. BUNDESLIGA 97/98 BORUSSIA MOENCHENGLADBACH 06.08.97

 Von 1982 bis 2004 absolvierte Kamps über 500 Pflichtspiele für die 'Fohlen' und blieb dem Verein auch nach seinem Karriereende treu


Der Keeper des FC Barcelona sei mit dem Gefühl angereist, "bei der WM spielen zu können. Dann kommt man im Trainingslager an und die Dinge werden relativ schnell geklärt. Das muss er akzeptieren, aber es ist natürlich bitter", führte Kamps fort. Bei aller Sympathie für den Ex-Schützling sei Neuers Genesung allerdings dennoch eine gute Nachricht: "Man muss auch sagen, dass es toll ist, dass Neuer wieder gesund geworden ist."


Gleichzeitig betonte er aber auch, dass die voraussichtliche Besetzung mit Neuer im Tor "ein Risiko" birge. "Er ist seit zwei, drei Wochen im Mannschaftstraining. Das ist noch keine allzu lange Zeit. Dadurch ist kein Spiel-Rhythmus vorhanden und eben dieser ist für einen Torwart schon wichtig - damit man wieder ein Gefühl für Raum und Zeit bekommt." Ter Stegen hingegen sei "vorbereitet. Er hat mit Barcelona eine super Saison gespielt. Er hat sehr gut gehalten und in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen - vor allem auch in der Nationalmannschaft."


Trotz alledem ist sich Kamps sicher, dass er den Kopf nicht hängen lassen werde. Ter Stegen sei "gefestigt, weil er in Barcelona auch geduldig sein musste", und aufgrund eines etwaigen Rücktritts von Neuer in den nächsten Jahren sei klar, dass seine Chance noch kommen werde. 


Bislang absolvierte Marc-André ter Stegen 19 Partien für die Nationalmannschaft und ragte nach einigen Schwierigkeiten zu Beginn vor allem im Confederations Cup im vergangenen Jahr hervor. Nach einer alles in allem guten Saison hätte er sich mit Sicherheit eine andere Situation vorgestellt, doch diese wird er nun akzeptieren müssen und darauf hoffen, in Zukunft weitere Gelegenheiten zu bekommen, sich als beste Wahl für den Platz zwischen den Pfosten zu empfehlen.