Die deutsche Fußballnationalmannschaft befindet sich jetzt schon seit etwas mehr als einer Woche im Trainingslager in Südtirol und bereitet sich dort auf die ​WM in zwei Wochen in Russland vor. Vor dem Test-Länderspiel am Samstag gegen Österreich zog Bundestrainer Joachim Löw nun ein erstes Zwischenfazit und spricht über den aktuellen Stand der Dinge sowie die kommenden Tage.


Wie der Bundestrainer auf der täglichen Pressekonferenz im Rahmen des Trainingslagers in Südtirol erklärte, sei er mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung auf das große Turnier durchaus zufrieden. ​"Ich glaube, dass was das, wir uns vorgenommen haben an Intensität und Einheiten, bislang gemacht haben. Es war jetzt die erste oder zwölfte Einheit in etwas mehr als einer Woche. Gestern und vorgestern hat man schon auch gemerkt, dass eine gewisse Müdigkeit einkehrt nach den vielen intensiven Einheiten, die wir gemacht haben. Das ist aber normal." 


Insgesamt zeigte sich der 58-Jährige zwar zufrieden, betonte aber zugleich, dass bis zum Turnierstart noch an einigen Stellschrauben gedreht werde müsse. "Bislang läuft eigentlich alles nach Plan und kann mich zufriedenstellen. Ich weiß aber auch, dass wir noch einiges tun müssen in der nächsten Woche und dann auch vor allem in der Woche in Moskau vor dem Mexiko spiel. Da müssen wir schon noch an einigen Dingen intensiv hat arbeiten, an taktischen Dingen und Ablaufen ins Detail gehen. Da stimmt einiges noch nicht und läuft noch nicht ganz so rund, aber das ist ganz normal. Wir haben keine Verletzten und das ist nach zehn Tagen schonmal gut."


Germany - Southern Tyrol Training Camp Day 7

Seit etwas mehr als einer Woche befindet sich das DFB-Team im Trainingslager in Südtirol



Was die Torwartsituation angeht, so habe Löw sich noch einmal mit Marc-André ter Stegen unterhalten und ihn für seine Leistungen in der abgelaufenen Saison gelobt. "Vor drei vier Tagen haben wir schonmal gesprochen. Heute haben wir ein bisschen über Barcelona und seine Saison dort gesprochen. Ich habe ihm trotz des enttäuschenden Aus in der Champions League gegen Rom noch einmal gesagt, wie gut seine Saison war. Er hatte in seiner Karriere bei uns ja auch Startschwierigkeiten bei dem ein oder anderen Länderspiel." 


Auch wenn der ehemalige Gladbacher aller Voraussicht nach wohl nur als Nummer zwei nach Russland reisen wird, hält der Bundestrainer große Stücke auf den 26-Jährigen. "Ich habe ihm bestätigt, wie imponierend ich es finde, mit welcher Ruhe und Klarheit er sich nie hat beirren lassen und so zu einem sehr, sehr starken Torwart geworden ist - auch bei uns. Wie er die Dinge weggesteckt hat, das spricht durchaus für ihn. Sein Standing in Barcelona ist schon überaus toll und klasse und hat auch mit seiner Persönlichkeit zu tun. Er wirkt gereift und stabil und lässt sich auch vom ein oder anderen Fehler nie aus der Ruhe bringen." 


Auch mit Welttorhüter und Stammkeeper Manuel Neuer wolle er noch ein Gespräch führen, bevor man am Samstag den Test gegen Österreich bestreitet. "Mit Manu wollte ich heute Abend nochmal sprechen, wie sein Gefühl ist. Wenn alles ok ist, wird er morgen von Anfang an spielen." Nicht mit dabei sein werden gegen das ÖFB-Team allerdings mehrere Stammspieler und Leistungsträger. "​Boateng ist nicht dabei, Kroos kommt morgen zur Mannschaft. Hummels lasse ich hier, Müller lasse ich hier. Die anderen gehen alle mit nach Klagenfurt", so Löw. Ob Neuer nach dem Spiel gegen Österreich letztlich auch als Nummer eins in die WM startet, wird sich laut Aussage des Bundestrainers "erst am Sonntagabend oder so" entscheiden. Vorher wolle man ein abschließendes Gespräch mit ihm, Torwarttrainer Andreas Köpke sowie dem Rest des Trainerteams führen.


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Wird gegen Österreich geschont: Innenverteidiger Mats Hummels (l.)



Neben der Torwartposition steht zumindest noch ein ​kleines ​Fragezeichen auch hinter Spielmacher Mesut Özil. Der offensive Mittelfeldspieler hatte zuletzt mit Rückenproblemen zu kämpfen und fehlte seinem Verein FC Arsenal London zum Saisonabschluss. "Ich habe mit Mesut vor einigen Tagen ein längeres Gespräch geführt. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn vielleicht das ein oder andere Mal zu einer Zusatzeinheit schicken werde und ihn mal aus dem Mannschaftstraining rausnehme, um mit den Fitnesstrainern zu arbeiten. Habe ihm gesagt, 'Mesut, wir brauchen dich in einer starken körperlichen Verfassung, du musst noch ein bisschen Substanz aufbauen.' Daran hat er jetzt die letzten drei, vier fünf Tage gearbeitet - das war für ihn auch wichtig." 


Der Test gegen Österreich am Samstag, bei dem auch ​Freiburg-Stürmer Nils Petersen in jedem Fall spielen wird, werde Löw zufolge noch einmal seinen Teil zur endgültigen Kaderbekanntgabe beitragen. Dennoch habe das Spiel nicht die ganz große Wichtigkeit mit Blick auf die Personalentscheidungen, wie er durchblicken ließ. Am Montag muss der endgültige 23-köpfige WM-Kader bekanntgegeben werden.