Es war kein Zeichen gegen den modernen Fußball, sondern eine persönliche Überzeugung. Nationalspieler Jonas Hector geht nach der WM mit dem 1. FC Köln in die zweite Liga. "Gefühl ist wichtiger als Geld", erklärt der 28-Jährige. Es ist die Fortsetzung eine ungewöhnlichen Karriere.


Im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft feierte Jonas Hector seinen 28. Geburtstag. In Russland will der Linksverteidiger mit dem DFB-Team die Titelverteidigung schaffen und sich zum ​Weltmeister krönen. Danach geht es für Hector mit dem ​1. FC Köln in die ​zweite Liga. Der Saarländer hat sich trotz des Abstiegs und lukrativer Angebote für einen Verbleib beim Effzeh entschieden und seinen Vertrag bis 2023 verlängert.


"Gefühl ist wichtiger als Geld", sagt Hector im Gespräch mit der WAZ. "Es steht außer Frage, dass ich bei anderen Vereinen mehr hätte verdienen können. Aber mein Ziel ist nicht, am Ende meiner Karriere 400 Millionen Euro auf der Bank liegen zu haben", so der 36-fache Nationalspieler. Seine Entscheidung sei ebenso nicht gefallen, "weil ich ein Statement gegen die Sitten im modernen Fußball setzen wollte", erklärt er, auch wenn das ​von vielen als genau solch ein Zeichen aufgenommen wurde.

"Ich habe aus persönlicher Überzeugung so entschieden." Seine Familie und er fühlen sich am Rhein wohl. "Daran möchte ich derzeit nichts ändern", meint Hector. Seit acht Jahren spielt er im Köln-Trikot, zunächst zwei Jahre im Reserve-Team, seit 2012 bei den Profis. Zuvor verbrachte er sein komplettes fußballerisches Leben bei Heimatklub SV Auersmacher, der derzeit in der sechsten Liga in der Saarlandliga antritt. Hector hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. An einem Wechsel zu einem großen Klub, etwa dem nahegelegenen 1. FC Saarbrücken, war er in der Jugend nicht interessiert. Hector kickte lieber in der behüteten Heimat mit den Kumpels.


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Hector (r.) und Konkurrent Marvin Plattenhardt (l.) beim DFB-Training in Eppan


"Das ist mein Naturell. Es hat mich nicht gereizt, es mit allen Konsequenzen durchzuziehen", begründet er seinen Weg. Ehrgeizig sei er dennoch - und stolz auf seine bisherige Karriere. Wie er so lange unter dem Radar fliegen konnte und es trotzdem bis in die Nationalmannschaft geschafft hat? "Ich war immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Es kommt eben, wie es kommen soll. Natürlich setze ich mir Ziele. Den Druck, für mein persönliches Glück in der Nationalmannschaft und in der Champions League spielen zu müssen, habe ich mir aber nicht auferlegt", gibt er sich ganz gemäß seines Naturells.


Die Treue zum 1. FC Köln sei deshalb eine Entscheidung des persönlichen Glücks. "Warum sollte ich daran etwas ändern?", fragt er. Bei den Kollegen und Mitarbeitern im Nationalteam sei das "eher anerkennend" wahrgenommen worden. "Manche haben mir Respekt ausgesprochen. Das hört man gern."


Sport-Club Freiburg v 1. FC Koeln - Bundesliga

Nach der 2:3-Niederlage am 32. Spieltag in Freiburg war der Effzeh-Abstieg besiegelt


Ausschließen mochte aber auch Hector nicht, dass es ihn irgendwann einmal reizen würde, als Spieler auf dem Platz die Champions-League-Hymne zu hören. "Aktuell brauche ich das nicht unbedingt, sonst würde ich diesen Weg nicht gehen", versichert der 28-Jährige. "Aber es kann natürlich sein, dass sich das nach ein oder zwei Jahren noch einmal ändert. Wenn die Möglichkeit dann noch bestünde, würde ich die wohl auch wahrnehmen. Aber das ist Zukunftsmusik." Für Hector geht es zunächst nach Russland - und dann weiter beim Effzeh, wo er sein persönliches Glück weiter ausleben will. Ganz nach seinem Naturell.