Neuer oder ter Stegen? Die Frage, wer bei der anstehenden WM in Russland zwischen den deutschen Pfosten steht, wird nach dem Test gegen Österreich am Samstag beantwortet. DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke weiß um die "besondere Situation". Er hofft weiter auf Neuer, hätte aber auch "absolut keine Bedenken" bei ter Stegen.


​Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hat sich zur besonderen Torwartsitutation im deutschen Nationalteam vor Beginn der ​Weltmeisterschaft in Russland geäußert. Bei der Pressekonferenz im Trainingslager in Eppan am Dienstag ging der 56-Jährige zunächst auf das Testspiel gegen die U20-Nationalmannschaft am Montag ein. ​Mit 7:1 gewann der Weltmeister gegen die Junioren-Auswahl, beim fast schon traditionellen Testspiel vor einem großen Turnier. Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer spielten jeweils eine der 30-minütigen Halbzeiten.


"Bei uns sind solche Spiele natürlich willkommen, um taktische Dinge einzustudieren", sagte Köpke. "In diesem Fall ist es auch so, dass Manuel Neuer diese Spiele braucht, um nach seiner langen Verletzung wieder einhundertprozentig fit zu sein", erklärte der DFB-Torwarttrainer. 

Germany - Southern Tyrol Training Camp Day 7

"Als wäre er nie weg gewesen." Andreas Köpke sieht Manuel Neuer auf einem guten Weg.



Die Entscheidung, ob der WM-Kapitän von 2014 auch in Russland zwischen den Pfosten steht, rückt näher. Sollte das Trainerteam den Keeper für fit genug halten, wird Neuer auch als Nummer eins in das Turnier gehen - das machten Bundestrainer Joachim Löw und Köpke bereits deutlich. Der Stichtag ist der 4. Juni. Dann muss das endgültige Aufgebot an den Weltverband gemeldet werden.


Das Ter-Stegen-Dilemma 


Für Marc-André ter Stegen ist das keine einfache Situation. Der Barça-Keeper ist aktuell die deutsche Nummer eins in Warteschleife. "Wir versuchen bis zum Schluss alles, um Manuel Neuer fit zu bekommen. Er ist unser WM-Kapitän", erklärte Köpke das Vorgehen und weiß dabei um ter Stegens Lage. "Joachim Löw und ich haben uns mit ihm unterhalten. Er weiß, dass es eine besondere Situation ist mit Manuel Neuer. Natürlich würde Marc die WM gerne spielen. Wir haben ihm auch versichert, dass wir absolut keine Bedenken hätten, mit ihm als Nummer eins in die WM zu gehen", meinte Köpke.

Als unumstrittener Stammkeeper hat sich der ehemalige Gladbacher Schlussmann beim spanischen Meister FC Barcelona etabliert. Der 26-Jährige gehört spätestens seit der abgelaufenen Spielzeit zum Kreis der besten Torhüter der Welt. Dem ist sich auch Köpke bewusst: "Er hat sich schon beim Confed Cup super entwickelt und mit Barcelona eine tolle Saison gespielt. Bei Marc hätten die Gegner sicherlich ähnlich viel Respekt wie bei Manuel. Egal wer im Tor steht, wir werden auf dieser Position top besetzt sein."


Nach Österreich-Test kommt eine Entscheidung


Warme Worte von Köpke, die ter Stegen guttun dürften. Allein wirklich weiterhelfen werden sie ihm nicht. Für ihn, als auch für die Vertreter Bernd Leno und Kevin Trapp heißt es abwarten.  Am Samstag steht die Generalprobe gegen Österreich an. "Stand jetzt, wird Manu spielen", versicherte Köpke. Es soll der finale Schritt im Neuer-Casting werden. "Wir müssen es dann entscheiden. Zusammen mit Manu und dem nötigen Fingerspitzengefühl, ob es geht oder nicht", bestätigte der 56-Jährige.

Bis dahin soll Neuer weiter "Sicherheit bekommen" und auch beim zweiten Test gegen die U20 eine Halbzeit spielen, verriet Köpke. Der DFB-Torwarttrainer gab sich zuversichtlich. Die Grundvoraussetzung, dass Neuer wieder voll trainiert, sei derzeit gegeben. "Wie er es auch schon bei den Bayern in den letzten zwei Wochen getan hat", bekräftigte der 56-Jährige. "Von der Sprungkraft, Beweglichkeit und solchen Dingen hat man überhaupt keinen Unterschied gemerkt. Als wäre er nie weg gewesen", schwärmte Köpke. "Er ist auf dem Weg, den wir uns alle vorstellen." Nun gelte es das "Selbstverständnis wiederzufinden."


Gelingt das und Neuer überzeugt beim Test gegen Österreich, wird Joachim Löw das Risiko mit dem Kapitän eingehen. Für Trapp oder Leno würde dann der WM-Traum komplett platzen - für ter Stegen der, als Nummer eins im Tor des Weltmeisters zu stehen.