​Im vergangenen August eröffnete der ​FC Bayern München sein neues Nachwuchsleistungszentrum. Auf dem rund 70 Millionen Euro teuren Campus sollen die Talente noch besser gefördert und optimal auf den Profi-Bereich vorbereitet werden. Nachwuchschef Jochen Sauer sprach in einem Interview über die kürzere Entwicklungszeit von Talenten und die Ziele, welche der deutsche Rekordmeister mit dem neuen NLZ verfolgt. 


Bei der Eröffnung erklärte Präsident Uli Hoeneß, dass der neue Campus Bayerns "Antwort auf den aktuellen Transferwahnsinn und die Gehälterexplosion" sei. "Natürlich haben wir das große Ziel, immer wieder Spieler aus der Nachwuchsabteilung zu den Profis durchzubringen", erklärte Sauer im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Mit dem FC Bayern Campus sind wir wieder konkurrenzfähig, wenn es um die Verpflichtung der talentiertesten Spieler geht." 


Die neue Talentschmiede zähle zu den führenden Nachwuchsleistungszentren in Deutschland. "Wir haben aber die Zielsetzung, uns klar an die Spitze zu setzen", betonte der Nachwuchschef. "Wir wollen uns auch international dahin entwickeln, dass wir uns wie die Profimannschaft zu den Top 5 in Europa zählen können."

Sauer erklärte zudem, dass sich die Ausbildung junger Spieler in den letzten Jahren merklich verändert habe. "Die Entwicklungszeit ist kürzer geworden. Vor 10, 15 Jahren war ein 21-Jähriger bei den Profis immer noch ein sehr, sehr junger Spieler. Heute gehört ein 21-Jähriger in einer Profimannschaft oft schon zu den etablierten Spielern", gab der 45-Jährige zu Protokoll. "Heute ist man mit 16 oder 17 ein junger Spieler bei den Profis." Daher müssten die Nachwuchskicker die Entwicklungsschritte über einen kürzeren Zeitraum meistern. 


An der Quote, wie viele Talente es letztendlich in die Bundesliga schaffen, habe sich jedoch nichts geändert. Bei der Verpflichtung eines jungen Spielers gibt es laut Sauer zahlreiche Kriterien zu beachten. "Wie alt ist der Spieler? Macht der Wechsel jetzt schon Sinn? Tut es ihm gut, wenn ich ihn aus seinem Umfeld reiße? Wie sieht es schulisch aus? Was spricht dafür und was dagegen", führte Sauer aus. 

FC Bayern Campus Opening Ceremony

Im "Campus-Stadion" tragen die U19 und die U17 ihre Bundesliga-Partien aus


In der heutigen Zeit sei man bereits "eins, zwei Jahre" früher dran. "Der Abwägungsprozess bei einem 14-Jährigen muss dann noch intensiver und pflichtbewusster durchgeführt werden", so der Nachwuchschef. Eine "pauschale Aussage" über Ablöseobergrenzen für Nachwuchsspieler sei hingegen nicht möglich, da man dies im Einzelfall immer abwägen müsse.


Der neue Bayern-Campus hat in den letzten Wochen bereits erste Früchte getragen. Die Eigengewächse Franck Evina, Ron-Thorben Hoffmann, Lars Lukas Mai, Meritan Shabani und

​Daniels Ontuzans wurden zuletzt jeweils mit einem Profivertrag ausgestattet.