Hannover 96 hat bislang mit den Leihen von Takuma Asano und Kevin Wimmer auf die Abgänge reagiert. Beide kommen aus der Premier League, wo die Marktpreise deutlich höher liegen. Bei Wimmer zeigt sich das in einer utopischen Kaufoption. Klubboss Martin Kind kritisiert deshalb seinen Manager und will sich auf andere Märkte konzentrieren.


Vor dem zweiten Bundesliga-Jahr steht ​Hannover 96 ein heißer Transfer-Sommer bevor. Mit Salif Sané (Schalke), Felix Klaus​ (Wolfsburg) und ​Martin Harnik, der zurück nach Bremen wechselt, machen drei wichtige Säulen im Team von Trainer André Breitenreiter den Abflug. Vor allem bei Sané und Harnik, zwei der ​Wortführer der Mannschaft.


12,5 Millionen Euro Ablöse bringt das Trio ein. Im Gegenzug wurden bereits fünf Millionen Euro reinvestiert: Verteidiger Josip Elez wird fest verpflichtet und kostet 2,5 Millionen Euro, Torwart-Talent Leo Weinkauf kommt ablösefrei von den Bayern. Bislang hat Manager Horst Heldt dazu noch zwei Leihspieler präsentiert, die die Lücken in der Defensivzentrale und im offensiven Mittelfeld schließen sollen. Mit ​Takuma Asano und ​Kevin Wimmer kommen zwei Spieler aus der Premier League nach Hannover. Beide sind jeweils für ein Jahr ausgeliehen - und beide sind in der Bundesliga keine Unbekannte.

Sport-Club Freiburg v VfB Stuttgart - Bundesliga

Beim VfB war Arsenal-Leihgabe Asano (m.) im vergangenen Halbjahr nur noch Reservist



Der Japaner Asano spielte in der abgelaufenen Saison für den ​VfB Stuttgart, kann offensiv sowohl im Zentrum als über die Außen spielen. In der Rückrunde kam der 23-Jährige, der noch bis 2020 beim FC Arsenal unter Vertrag steht, allerdings nicht mehr zum Zug. 15 Einsätze und ein Tor stehen in der Bundesliga-Hinserie zu Buche.


Der österreichische Innenverteidiger Kevin Wimmer schaffte beim 1. FC Köln den Durchbruch, bevor es auf die Insel ging. Sechs Millionen Euro zahlte Tottenham Hotspur im Sommer 2015, zwei Jahre später ging es für knapp 20 Millionen Euro weiter zu Stoke City, wo er noch einen Vertrag bis 2022 besitzt. 

Beide stellen mit einer Leihgebühr von einer Millionen Euro (Asano) und 1,5 Millionen Euro (Wimmer) kein all zu großes Risiko da, zumal beide Bundesliga-Erfahrung besitzen. Dennoch zeigte sich Klubboss Martin Kind nicht sonderlich begeistert von der Transferstrategie seines Managers. Vor allem die Wimmer-Anstellung bleibt höchstwahrscheinlich nur ein kurzes Intermezzo. Hannover besitzt zwar eine Kaufoption, die ist aber mit zwölf Millionen Euro für 96-Verhältnisse utopisch hoch. Kaum vorstellbar, dass der 25-Jährige das Hannover-Trikot länger als eine Saison trägt. Bei den Niedersachsen verzichtet der Innenverteidiger zudem auf geschätzte 50 Prozent seines Insel-Gehalts (vier Millionen Euro).

Das weiß auch Kind, der gegenüber Sportbuzzer sagt: "Ich würde empfehlen, künftig eher auf anderen Märkten aktiv zu sein." Wie nachdrücklich Kind seine "Empfehlungen" durchsetzt, dürfte auch Manager Heldt bewusst sein. Heißt: Der Klubboss will in Zukunft keine Spieler mehr aus England verpflichten. Dort liegen vor allem dank der TV-Millionen die Preise weit über Marktwert. Heldt muss mit einem deutlich kleineren Budget andere Nischen und Märkte finden. 


WM macht Heldts Spielersuche nicht leichter


Kurz vor der anstehenden WM nicht ganz einfach. Die Preise in Spanien, Italien oder Frankreich dürften in diesem Sommer ebenfalls anziehen. Blieben eher Spieler wie Jonathas, der aus Russland kam, mit neun Millionen Euro aber auch schon teuer war. Oder aber Talente aus der zweiten Liga. Ihlas Bebou kann da als bestes Beispiel angeführt werden. ​Mit Pascal Köpke ist nun ebenfalls ein Stürmer aus dem Unterhaus im Gespräch. Der 22-jährige Sohn vom Bundestorwarttrainer erzielte in den letzten beiden Zweitliga-Jahren für Erzgebierge Aue jeweils zehn Tore und wäre wohl - trotz Vertrag bis 2020 - vergleichsweise günstig zu haben.

Eine andere Lösung wäre der Verkauf von Top-Torjäger Niclas Füllkrug. Der 14-Tore-Mann wird von der halben Premier League gejagt und würde gutes Geld einbringen. In diese Richtung wird Kind seinem Manager Transfers nicht verbieten - ein Abgang des 25-Jährigen würde aber einen weiteren, erheblichen Qualitätsverlust bedeuten. Nun sind die Künste von Horst Heldt gefragt.