Die "Herzkammer" des HSV ist wieder besetzt: Ralf Becker wurde am Montagnachmittag offiziell vorgestellt. Der neue Sportvorstand will "keine Zeit verlieren" und "sofort mit der Kaderplanung beginnen". Mit Trainer Christian Titz befinde er sich bereits im engen Austausch.


Fast 100 Tage habe der Auswahlprozess gedauert, meinte Bernd Hoffmann auf der Pressekonferenz des ​HSV am Montagnachmittag. Nun habe man mit Ralf Becker "exakt den richtigen Kandidaten" gefunden. "Er ist meine absolute Wunschlösung", beteuerte der HSV-Chef  bei der ​Vorstellung von Becker als neuer Sportvorstand beim gefallenen Bundesliga-Dino. Auf die Spekulationen, ​Paderborns Markus Krösche sei nur wegen der zu hohen Ablöseforderung von fünf Millionen Euro nicht verpflichtet worden, wollte Hoffmann nicht weiter eingehen.

Der Vorstandsvorsitzende der HSV Fußball AG und Präsident des Gesamtvereins zeigte sich zufrieden, dass die vakante "Herzkammer" des HSV endlich wieder besetzt ist. Nun sei man auf allen wichtigen Positionen im Klub "sehr gut aufgestellt". Becker müsse jetzt zusammen mit Trainer Christian Titz für den sportlichen Erfolg sorgen. Dass das nicht einfach werde, betonte Hoffmann auch: "Der Klub befindet sich nicht im 'Honeymoon-Modus', sondern ist in der Krise." 


"Einfach kann ja jeder" - Becker will keine Zeit verlieren


Becker kommt vom Zweitliga-Überraschungsteam ​Holstein Kiel an die Elbe. Dort war er schon eineinhalb Jahre als Spieler aktiv. Damals allerdings beim Stadtrivalen FC St. Pauli (1997/98). Beim HSV hat der 47-Jährige einen Vertrag bis 2021 unterzeichnet. Von Hoffmann wird er als "absoluter Fachmann" bezeichnet, der "in der ​zweiten Liga jeden Grashalm und Spieler kennt".


"Einfach kann ja jeder", erklärte Becker bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer HSV-Sportchef. Der HSV sei seine absolute Wunschlösung gewesen, ließ aber auch durchblicken, dass er wohl noch bei einem anderen Klub im Gespräch gewesen war. Nun gelte es mit Demut, Bescheidenheit und Fleiß, aber dennoch optimistisch an die Aufgabe heranzugehen. "Gemeinsam mit Bernd Hoffmann und den Mitarbeitern wollen wir eine erfolgreiche Zukunft gestalten. Ich habe ein gutes Gefühl hier etwas bewegen zu können", sagte Becker.

Ob der sportliche Leiter Bernhard Peters weiter zu den HSV-Mitarbeitern gehören wird, wollte Becker nicht verraten. Vor seiner offiziellen Vorstellung wurde darüber berichtet, dass er sich eine ​Zusammenarbeit mit Peters nicht vorstellen könne. Der Aufsichtsrat habe aber auf ein gemeinsames Miteinander gedrängt. "Ich gehe nicht auf genaue Inhalte der Sitzung ein", hielt sich Becker bedeckt. Mit Peters habe es "zu VfB-Zeiten nie eine Geschichte gegeben", erklärte Becker auf die Frage nach einem angeblichen Streit zwischen den beiden während seiner Tätigkeit als Scout in Stuttgart.

"Haben einen guten Trainer - jetzt brauchen wir noch eine gute Mannschaft"


Ein mögliches klärendes Gespräch mit Peters müsse ohnehin warten - so wie alle anderen Themen auch. Im Mittelpunkt steht die sportliche Ausrichtung für die Mission Wiederaufstieg. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", so Becker. "Ich habe als erstes mit Christian Titz telefoniert, um sofort mit der ​Kaderplanung beginnen zu können. Wir haben einen guten Trainer, jetzt brauchen wir noch eine gute Mannschaft", gab Becker die Marschroute vor.

Titz und Becker kennen sich schon seit geraumer Zeit. Der neue HSV-Sportchef hatte schon mit Tiz Gespräche geführt, als dieser noch für die Reserve zuständig war - damals als Trainerkandidat für Holstein Kiel. Nun freue sich Becker auf die Zusammenarbeit und will etwaige Personalentscheidungen erst nach weiteren "intensiven Gesprächen" mit seinem Trainer führen. "Wir brauchen eine gute Mischung im Kader, unabhängig von der Liga", gab Becker erste Einblicke in seine Vorstellungen. "Wir brauchen eine gute Führungsstruktur, denn jedes Spiel wird einen gewissen Pokalspielcharakter besitzen. Wir werden die Gejagten sein und müssen über Mentalität und Team in die Spiele gehen. Darüber hinaus können wir dann unsere fußballerische Qualität einbringen", erklärte der 47-Jährige.


Ob bei potenziellen Neuverpflichtungen auch Spieler seines Ex-Klubs infrage kommen, wollte Becker nicht ausschließen. Gebetsmühlenartig wiederholte er dabei, dass er sich zunächst weiter mit Titz austauschen wolle. "Was danach weiter passiert, kann ich noch nicht sagen."