​Der WM-Countdown läuft und die Vorfreude auf das große Turnier in Russland steigt weiter an. In weniger als drei Wochen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und 32 Mannschaften kämpfen um die begehrte Trophäe. Die Inselkrieger aus Island starten am 16. Juni ins Turnier und bekommen es dann gegen Argentinien gleich mit einem der Top-Favoriten auf den Titel zu tun. Für die Überraschungsmannschaft der EM 2016 ist es die erste Teilnahme an einer WM-Endrunde überhaupt, an Motivation dürfte es somit sicher nicht fehlen. Können die Isländer erneut für eine Sensation sorgen?


Für die Isländer ist die Teilname an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland überhaupt schon ein Riesenerfolg. Die Inseleuropäer erreichten in ihrer WM-Qualifikationsgruppe I mit sieben Siegen aus zehn Spielen den ersten Platz und setzen sich somit vor vermeintlich stärkeren Mannschaften wie Kroatien, Ukraine oder der Türkei durch. Nach der Teilnahme an der Europameisterschaft und dem damaligen Erreichen des Viertelfinals, wo man erst gegen Gastgeber Frankreich ausschied, soll nun die nächste Sensation her. Diesmal allerdings beim ganz großen Turnier der Nationen. 


Der Trainer 


Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson coacht wie schon 2016 auch in diesem Jahr wieder einen der größten Underdogs. Dennoch ist er durchaus zuversichtlich, dass er mit seiner Mannschaft auch zwei Jahre später wieder etwas erreichen und für die ein oder andere Überraschung sorgen kann. "Jeder wird in Russland für Island sein. Jeder wird auf unserer Seite sein" erklärte er im März gegenüber El Tri

Peru v Iceland - International Friendly

Will auch 2018 wieder für Furore sorgen: Island-Coach Heimir Hallgrimsson 



An Unterstützung dürfte es seiner Mannschaft somit wohl nicht fehlen. "Die Jungs spielen seit sechs Jahren sehr guten Fußball. Sie verbessern sich stetig und unsere Auswahl wird immer größer". Die größte Stärke seiner Mannschaft sieht der 50-Jährige vor allem im Zusammenhalt und der Ausgeglichenheit im Kader. "Unsere Identität ist es, demütig zu bleiben. Wir bleiben uns treu. Niemand ist hier zu groß, um nicht für das Team zu spielen. Wir sagen immer, dass der größte Star derjenige ist, der am härtesten arbeitet", so der gelernte Zahnart, der seinen alten Beruf mittlerweile für den Fußball ruhen lässt. 


Das Aufgebot


Schaut man sich den Kader der Isländer an, so wird einem vermutlich kaum ein Name besonders ins Auge springen. Kein Spieler des Aufgebots kann - bei allem Respekt - als internationaler Top-Star bezeichnet werden. Die Spieler verdienen ihr Geld in allen möglichen Ländern. Ob in der Heimat, in Dänemark, Russland, Italien, Belgien, Norwegen, der Türkei oder England, fast alle Ligen sind vertreten. Mit ​Alfred Finnbogason vom FC Augsburg ist auch ein Profi aus der Bundesliga dabei. Trotz der Vielzahl der Vereine und Länder spielt kaum ein Nationalspieler wirklich bei einem internationalen Topklub. Auch in Sachen Marktwert spiegelt sich dies wieder. Gerade einmal ein Profi im Kader kommt laut transfermarkt.de über die Marke von zehn Millionen Euro. Die Rede ist von Gylfi Sigurdsson. 


Die Stars und Leistungsträger 


Der offensive MIttelfeldspieler vom FC Everton ist der mit Abstand namhafteste Akteur in einem ansonsten mehr als ausgeglichenen Kader. Er ist Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel der Isländer und kann trotz bislang ausbleibender Erfolge auf Vereinsebene am ehesten noch als Star bezeichnet werden. Der 28-Jährige, der im vergangenen Sommer für stolze knapp 50 Millionen Euro von den Walisern von Swansea City innerhalb der Premier League zum FC Everton wechselte, soll auch in Russland wieder für Gefahr sorgen und sowohl Tore vorbereiten als auch selbst erzielen. Sein Marktwert liegt derzeit bei 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Rest des Kaders kommt zusammen auf 38 Millionen Euro. 


Everton v Crystal Palace - Premier League

Der Star bei den Isländern: Evertons Gylfi Sigurdsson



Neben dem ehemaligen Hoffenheimer ist noch Augsburg-Stürmer Alfred Finnbogason zu nennen. Der mit einem Marktwert von 8,5 Millionen Euro zweitwertvollste Spieler im Kader reist mit der Empfehlung von 12 Saisontoren in nur 23 Einsätzen zur WM. Im Nationaltrikot gelang ihm bei 45 Einsätzen bislang ein Tor weniger. Zu erwähnen sind dazu auch noch der robuste Mannschaftskapitän und Mittelfeldmotor Aron Gunnarsson von Cardiff City sowie Flügelstürmer Johann Berg Gudmundsson vom FC Burnley.


Gruppengegner & Prognose


Für Island dürfte die Gruppenphase alles andere als ein Spaziergang werden, es droht das Aus schon nach der Vorrunde. Mit Argentinien rund und Superstar Lionel Messi und co. wartet ein absoluter Top-Favorit auf den Titel gleich im ersten Spiel. Mit einer wahrscheinlichen Niederlage gegen die "Albiceleste" im Gepäck steht man gegen die weiteren Gruppengegner Kroatien und ​Nigeria bereits unter Druck. Dennoch: Hoffnung macht die WM-Qualifikation, wo man sich in Gruppe I mit sieben Siegen und 22 Punkten durchsetzte und unter anderem auch Kroatien hinter sich ließ. Kann man die personell deutlich stärker besetzten Kroaten rund um die Real- und Barca-Stars Luka Modric und Ivan Rakitic erneut hinter sich lassen, könnte es für Platz 2 und den Einzug ins Achtelfinale reichen. 


Eins ist sicher: Qualitativ gehört Island ganz sicher nicht zu den stärksten Mannschaften. Das größte Plus der Mannschaft ist der Zusammenhalt und der Kampfgeist. Stimmt der auch in Russland, könnten die Inseleuropäer auch zwei Jahre nach dem Erreichen des Viertelfinals bei der EM in Frankreich wieder für eine Sensation und eine Menge Aufsehen sorgen.