In wenigen Wochen wird im Olympiastadion Luschniki zu Moskau erstmalig der Ball für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 freigegeben. Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld, der neben ​Borussia Dortmund und ​Bayern München auch als Nationaltrainer der Schweiz tätig war, sollte daher im Interview mit ​t-online seine ersten Prognosen bezüglich des Turnierverlaufs angeben. Während der Titelverteidiger aus Deutschland für ihn der erneute Favorit ist, wird in den Augen des 69-Jähriger ein Spieler seines Ex-Klubs zum 'Spieler des Turniers' gekürt.


Am 14. Juni fällt der Startschuss für die kommende Weltmeisterschaft, wenn Gastgeber Russland und Gegner Saudi-Arabien das Eröffnungsspiel in der Gruppe A anstoßen. Ottmar Hitzfeld stand einst selbst beim weltweit größten Fußball-Turnier an der Seitenlinie, schaffte es mit der Schweizer 'Nati' vor acht Jahren in Südafrika jedoch nicht in die K.O.-Phase, ehe man nach einer erfolgreichen Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien das Achtelfinale erreichte und dort gegen den späteren Vizeweltmeister aus Argentinien mit 0:1 verlor. 


Die 'Albiceleste' verloren im späteren Verlauf im Finale von Rio de Janeiro gegen die deutsche Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw, ​die sich derzeit in Südtirol auf das anstehende Turnier vorbereitet. In Russland werden auch andere Nationen wie Brasilien, Frankreich, England oder Spanien im Fokus stehen, doch für Hitzfeld gibt es nur einen einzigen Favoriten auf den Titel: "Deutschland wird Weltmeister." 


Eine Weltmeisterschaft zu gewinnen sei aufgrund des hohen Aufwandes, der benötigt wird, "sicher nicht einfach", doch für den 69-Jährigen steht fest: "Wenn ich es jemandem zutraue, dann Jogi Löw. Er hat die Mannschaft zusammengestellt, er hat sie ausgebildet. Er hat der Mannschaft das Rüstzeug mitgegeben. Deutschland ist für mich ganz klar der größte Favorit."

Germany v Argentina: 2014 FIFA World Cup Brazil Final

Vor vier Jahren krönte sich Deutschland zum vierten Mal zum Weltmeister - folgt im Juli Titel Nummer fünf?



Löws Leistungen seit der Amtsübernahme im Jahr 2006 bezeichnete Hitzfeld als "bewundernswert", der 58-Jährige genieße zurecht ein hohes Ansehen. Der Vertrag des Bundestrainers wurde zuletzt bis 2022 verlängert, auf ein vorzeitiges Ende nach einer erfolgreichen Titelverteidigung hofft Hitzfeld nicht. "Ich wünsche mir, dass er weitermacht. Er ist der ideale Nationaltrainer, er hat eine hohe Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Auch aus seiner Sicht wäre es sinnvoll, weiterzumachen. Er hat einen super Job, der ihm Spaß macht." 


In der Vergangenheit gab es immer wieder Gerüchte um ein mögliches Engagement Löws bei ​Bayern München oder ​Real Madrid, doch die bedeutend höhere Belastung dürfe man auf gar keinen Fall unterschätzen: "Er hat circa 15 Spiele im Jahr, als Klubtrainer hätte er 60. Da sollte er sich ganz genau überlegen, ob er sich den Stress antun will."


Hitzfeld: Müller wird der Spieler des Turniers


Während laut Hitzfeld unter anderem Frankreich und Spanien innerhalb des Turnierverlaufs für eine Überraschung sorgen könnten, steht für ihn bereits jetzt fest, wer am Ende der beste Spieler des Turniers sein wird: "Spieler des Turniers wird ein Deutscher – und zwar Thomas Müller. Ihm traue ich das zu, weil er in einer Top-Verfassung ist und aus meiner Sicht eine sensationelle Bundesliga-Saison gespielt hat. Er war auch in der Champion League erfolgreich."

Germany v Argentina: 2014 FIFA World Cup Brazil Final

Bei Weltmeisterschaften blüht Thomas Müller regelmäßig auf, und ist daher für Joachim Löw unverzichtbar



Nach einer etwas schwächeren Saison 2016/17, in der Müller vor allem als Torschütze unter seinen Möglichkeiten blieb, erlangte der 28-Jährige in der frisch abgelaufenen Saison 15 Tore und 18 Assists in 45 Pflichtspielen. Mit 16 Torvorlagen in der Bundesliga liegt er innerhalb Europas Top-Ligen gemeinsam mit Kevin de Bruyne von Manchester City und Luis Alberto von Lazio Rom auf dem ersten Platz, servierte seinen Mitspielern den Ball allein in seinen letzten vier Bundesliga-Einsätzen fünf Mal auf dem Silbertablett. "Thomas Müller kann den Unterschied ausmachen, aus dem Nichts ein Tor erzielen. Er ist unheimlich charakterstark, nie zufrieden. Und er weiß, wie WM geht", so Hitzfeld weiter. 


In bislang 90 Einsätzen für die Nationalmannschaft erzielte Müller 38 Tore. Bei seiner ersten WM-Teilnahme in Südafrika bekam er als Torschützenkönig mit fünf Toren den Goldenen Schuh überreicht, zudem wurde er als 'Bester Junger Spieler' des Turniers ausgezeichnet. Nach dem Titelgewinn in Brasilien 2014 erhielt er als zweitbester Torschütze den Silbernen Schuh und zudem als zweitbester Spieler des Turniers den Silbernen Ball. Sollte er sich nun auch in Russland von seiner torgefährlichen Seite zeigen, könnte er in der Liste der WM-Rekordtorjäger möglicherweise am drittplatzierten Gerd Müller (14) vorbei- und mit Ronaldo (15) gleichziehen. Auf dem ersten Platz thront noch immer Miroslav Klose, der vor vier Jahren seine WM-Tore 15 und 16 erzielte.