Bayern-Star Thiago hat ausweichend auf seine Abwanderungsgerüchte reagiert. "Im Fußball kann man nichts planen. Es ist sehr kompliziert", meinte der 27-Jährige. Der spanische Nationalspieler wolle sich zunächst ausschließlich auf die WM in Russland konzentrieren.


​Als Pep Guardiola im Sommer 2013 in München aufschlug, hieß es vom katalanischen Star-Coach "Thiago oder nichts". Gemeint war Thiago Alcántara, Guardiolas Schützling beim ​FC Barcelona​Die Bayern erfüllten ihrem neuen Trainer den Wunsch und verpflichteten den Mittelfeldspieler für 25 Millionen Euro.


Fünf Jahre später hat der 27-Jährige 153 Pflichtspiele für den Rekordmeister absolviert. 25 Tore und 27 Vorlagen gelangen ihm dabei. Heraus sprangen fünf deutsche Meisterschaften und zwei DFB-Pokalsiege. Der ganz große Wurf in der Champions League blieb aus. In seiner bisherigen Bayern-Zeit konnte Thiago häufig andeuten, warum Guardiola ihn unbedingt in seinem Team sehen wollte. Der 1,74 Meter kleine Mittelfeldspieler ist hoch veranlagt und kann mit seiner technischen Brillanz jederzeit den Unterschied ausmachen. Bei den Bayern gilt seine Zukunft dennoch als unsicher, obwohl er seinen Vertrag erst im April 2017 bis 2021 verlängert hatte.


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Wunschspieler Thiago (r.) bei seiner Vorstellung im Sommer 2013 mit Mentor Guardiola


Bei den Bayern auf dem Abstellgleis?


Das liegt an zwei Gründen: Zum einen ist der 27-Jährige sehr verletzungsanfällig. In der abgelaufenen Spielzeit verpasste Thiago wegen eines Muskelteilabrisses und mehrerer kleinerer Blessuren 18 Pflichtspiele. Der Hauptgrund ist aber ein Vorwurf, der bei Anhängern und Verantwortlichen immer wieder durchblitzt. Trotz aller Qualität taucht Thiago in den großen Spielen regelmäßig ab. Während er in der Bundesliga häufig glänzt, ist vom Spanier in den entscheidenden Partien selten etwas zu sehen.


"Wir brauchen den einen oder anderen Spieler, der in wichtigen Spielen Höchstleistungen bringt und nicht, wenn wir gegen die schwachen Gegner spielen", ​erklärte Uli Hoeneß nach der Pokalniederlage gegen Frankfurt. Der Bayern-Präsident nannte zwar keine Namen - Thiago dürfte dabei aber den meisten schnell in den Sinn gekommen sein. Für Lothar Matthäus scheint jedendalls klar: "Falls ein gutes Angebot kommt, ​sollte man darüber nachdenken, Thiago zu verkaufen. Er hat in den großen Spielen bislang nicht den Unterschied ausgemacht. Zuletzt war er nur noch ein Schatten seiner selbst", lautete das Urteil des Ex-Müncheners.


Für Aufsehen sorgte Thiago beim Finale von Berlin zudem bei seiner Auswechslung. Wild gestikulierend wollte er seine Herunternahme nicht akzeptieren - zuvor hatte er einmal mehr eine bescheidene Vorstellung abgeliefert. ​Weltmeister-Keeper Bodo Illgner bezeichnete Thiagos Verhalten hinterher als "nicht akzeptabel". 


Volle Konzentration auf die WM: Thiago lässt Zukunft offen


Nun meldete sich der Spanier gegenüber der Mundo Deportivo selbst zu Wort. ​Thiago ist Teil des spanischen Aufgebots bei der anstehenden WM in Russland. Bei der Frage nach seiner Zukunft gab sich der 27-Jährige ausweichend: "Wir werden sehen. Ich habe schon gesagt, dass ich bei Bayern erst vergangenes Jahr verlängert habe, aber es ist sehr kompliziert. Im Fußball ist es sehr schwierig“, meinte Thiago. 

​Ex-Klub Barça soll an einer Rückholaktion interessiert sein. Kurz vor seiner Verlängerung in München soll sich Thiago bereits vor einem Jahr mit Barças Sportdirektor Robert Fernandez in Paris getroffen haben. Nun könnte ein Wechsel wieder aktuell werden. "Ich bin ein Mensch, der den Moment genießt. Im Fußball kann man nichts planen. Derzeit denke ich nur an die WM, ich konzentriere mich auf die Gegenwart. Und wenn ich einmal darüber nachdenke, lenke ich den Fokus sofort wieder auf die WM“, gab sich der 27-Jährige diplomatisch.


Raum für Spekulationen lassen die Thiago-Aussagen allemal.