Seit gestern ist bekannt, ​dass sich Lukas Hradecky Bayer Leverkusen anschließen wirdZuvor war klar, dass der finnische Torhüter seinen bisherigen Verein, Eintracht Frankfurt, nach drei Jahren verlassen würde, doch über seine persönliche Zukunft herrschte bis zuletzt stillschweigen. In Frankfurt hinterlässt der 28-Jährige eine große Lücke und macht es ​Nachfolger Frederik Rönnow, der ihn nun schon zum dritten Mal beerben wird, kaum einfacher. Denn Fakt ist: In Frankfurt reifte Hradecky zu einem der besten Torhüter der Liga.


Zwar bleiben Patzer wie die bei der ​1:2-Niederlage in Bremen am 28. Spieltag der Saison eher im Kopf, doch Lukas Hradecky konnte in den vergangenen Jahren ein überwiegend positives Bild von sich schaffen. Der finnische Nationaltorwart wechselte vor drei Jahren von Bröndby nach Frankfurt, die Ablöse betrug lediglich 2,5 Millionen Euro. Bereits in Dänemark stellte er seine Klasse unter Beweis, doch bei der Eintracht konnte er seinen Stellenwert noch einmal steigern.


'Spinne' ist sein Spitzname, und schnell wird klar wieso. Auf der Linie glänzt Hradecky mit herausragenden Reflexen, entschärft viele gefährliche Bälle gekonnt. Zudem glänzt er durch sein Stellungsspiel und sein Gespür für den richtigen Moment, in dem er auf den Gegenspieler zuläuft, um den Winkel zu verkleinern - und geht dadurch in Eins-gegen-Eins-Situationen meist als Sieger hervor. 


Dass die Eintracht im DFB-Pokal zuletzt zwei Mal das Finale erreichte ​und sich am vergangenen Samstag mit 3:1 zum ersten Mal nach 30 Jahren zum Pokalsieger krönte, war gewiss auch sein Verdienst. In der Saison 2016/17 erwies sich Hradecky insgesamt drei Mal als Elfmeterkiller, hielt gegen Magdeburg, Ingolstadt und Mönchengladbach insgesamt vier Strafstöße.

Borussia Moenchengladbach v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Semi Final

 Stark auf der Linie - auch aus elf Metern: Lukas Hradecky gilt als einer der besten                                                               Torhüter der Bundesliga


In der frisch abgelaufenen Saison musste er nur zwei Gegentore im Pokal hinnehmen: Im Achtelfinale gegen den FC Heidenheim sowie im Endspiel gegen Bayern München. Insgesamt stand der Finne 116 Mal für die Eintracht zwischen den Pfosten und blieb insgesamt 33 Mal ohne Gegentor - somit konnte er im Schnitt über ein Drittel pro Saison die weiße Weste wahren. 


Klarer Kopf: Hradecky will den nächsten Schritt machen


Doch Hradecky weiß auch genau, was er will. In Frankfurt genoss er den Status der klaren Nummer eins, gilt in der Riege einstiger Vorgänger wie Ralf Fährmann oder Kevin Trapp als der beste Frankfurter-Keeper der letzten Jahre. Dennoch strebt er nach mehr, wie er nach der Verkündung seines Wechsels zu ​Bayer Leverkusen offenbarte: "Bayer 04 ist ein Aushängeschild der Bundesliga, die Mannschaft spielt schönen, offensiven Fußball und ist Stammgast im Europapokal", wird der 28-Jährige auf der verenseigenen Website der Leverkusener zitiert. "Auf diesem Niveau" wolle er sich weiterentwickeln, den nächsten Schritt gehen. 

Bayer 04 Leverkusen v Bayern Munchen - DFB Cup Semi Final

   In Leverkusen stehen die Zeichen bei Bernd Leno (r.) auf Abschied, darauf lässt die                                          Verpflichtung von Hradecky schließen


Diese Möglichkeit sah er in Frankfurt offenbar nicht, weshalb die Vertragsgespräche knapp ein Jahr lang ohne eine Einigung geführt wurden - bis die Verpflichtung von Frederik Rönnow bekannt wurde und ein Abschied von Hradecky nur noch Formsache war. "Es ist immer schwer, etwas Bekanntes zu verlassen, aber ich finde auch, es ist Zeit zu gehen", so der Keeper laut WZ über das Ende seiner Zeit in Frankfurt. 


Was man ihm anrechnet, ist dass er seinen Vertrag erfüllt und sich bis zuletzt voll und ganz auf die Ziele der Mannschaft fokussiert hat. Trotz des ganzen Hick-Hacks um eine mögliche Verlängerung bewies sich Hradecky dadurch als Sportsmann, der sich stets darauf konzentriert, seinen Mitspielern dank guter Leistungen wichtige Zähler zu bescheren.


In Leverkusen unterschrieb er nun einen Vertrag bis 2023, und wurde mit vielen Vorschusslorbeeren empfangen: "Lukas ist ein sehr positiver und offener Typ, der vorangehen kann, aber auch sehr integrativ agiert. Als gestandener und weltoffener Profi, der ausgezeichnet mehrere Sprachen inklusive Deutsch spricht, wird er unserer jungen Mannschaft auf und neben dem Platz Stabilität verleihen", sagte etwa Manager Jonas Boldt, der Hradecky als "einer der fußballerisch besten Keeper der Bundesliga" bezeichnete.  


Der Transfer gilt als Vorzeichen auf einen Abschied von Bernd Leno, ähnlich wie es in Frankfurt mit der Verpflichtung von Rönnow geschah. Der bisherige Torhüter der Leverkusener wird die Werkself nach über sechs Jahren aller Voraussicht nach verlassen, ​sein Ziel ist derzeit jedoch noch ungeklärt. Doch ungeachtet dessen hinterlässt Lukas Hradecky bei Eintracht Frankfurt ein großes Vermächtnis, das allen Beteiligten wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.