​Viele Anhänger des ​VfB Stuttgart hatten am vergangenen Samstag bereits den Sekt kalt gestellt, um nach dem DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und Eintracht Frankfurt auf den Einzug nach Europa anzustoßen. Dabei machten die Hessen mit ihrem Final-Triumph gegen die Bayern jedoch einen Strich durch die Rechnung. Die dadurch verpatzte Europa-League-Teilnahme ist für den VfB einerseits mit Sicherheit ärgerlich, könnte sich im Nachhinein auch als Glücksfall herausstellen.


In der Rückrundentabelle belegte das Team von VfB-Trainer Tayfun Korkut einen sensationellen zweiten Platz und daher hätte sich kein Ligakonkurrent beschweren dürfen, wäre dem VfB der Einzug in die Europa-League-Qualifikation gelungen. Zwar zeigte sich auch Sportvorstand Michael Reschke unlängst ​traurig über die verpatzte Chance, dennoch legte auch der 60-Jährige Wert darauf, dass man auch der Eintracht zu dem Finalsieg gegen den Rekordmeister gratulieren sollte und die Hessen sich das Europa-League-Ticket dadurch auch redlich verdient haben.


Eben jener Michael Reschke hatte noch in der letzen Woche für Aufsehen gesorgt, als er an einem Tag gleich fünf Neuzugänge für den VfB vorstellte. Ob sich der Aufsteiger in dieser Massivität auch bereits verstärkt hätte, wenn man nicht von einer Mehrfachbelastung in der kommenden Saison ausgegangen wäre, lässt sich nur schwer beurteilen. Fakt ist nur, dass sich der VfB bereits jetzt in der Breite deutlich verstärkt hat. 

Dennoch wäre der Tanz auf mehreren Hochzeiten in der kommenden Saison wohl zu einer echten Belastungsprobe geworden. Zwar spricht man im 'Ländle' im Bezug auf solche Aufgaben derzeit lieber von einer gewollten Herausforderung - ob das Team, das in der kommenden Saison voraussichtlich ohne den sehr erfahrenen Holger Badstuber auskommen muss, dem tatsächlich gewachsen gewesen wäre, werden wir nun nicht erfahren.


Bei den bisherigen Transfers für die kommende Saison setzten die Schwaben auf junge, talentierte Spieler. Dabei legten die Stuttgarter sowohl für Pablo Maffeo von Manchester City, als auch für Borna Sosa von Dinamo Zagreb mehrere Millionen Euro auf den Tisch. Beide Spieler gelten zwar als große Talente, dennoch könnte es nun von Vorteil sein, dass sie in der kommenden Saison wohl behutsamer in das Team integriert werden können und man nicht sofort auf sie angewiesen ist. 


In seiner ersten Saison beim VfB hat sich Cheftrainer Tayfun Korkut darauf beschränkt, auf nur wenige Stammkräfte zu setzen. Zwar hatte der Deutsch-Türke damit großen Erfolg, dennoch machen sich manche Fans der Männer mit dem roten Brustring Sorgen, dass womöglich manche Ersatzspieler so nicht ideal gefördert werden und ein Stück weit in Vergessenheit geraten. Dass die Stuttgarter auch in der vermeintlichen zweiten Reihe über jede Menge Qualität verfügen, stellte Anastasios Donis durch seine Galavorstellung gegen Bayern München am letzten Spieltag eindrucksvoll zur Schau.

Für die kommende Saison dürfte in den Kader der Stuttgarter aber wieder etwas mehr Bewegung kommen, auch da man nicht davon ausgehen sollte, dass man den Punkteschnitt aus der Rückrunde halten kann und jeder Spieler gewissen Leistungsschwankungen unterworfen ist.  Auf der rechten Seite könnte sich Pablo Maffeo in seiner Premierensaison durchaus einen Stammplatz erarbeiten - auch da Andreas Beck nach seiner Verletzung zum Saisonstart kaum in Topform sein wird. 


Der Europa-League-Einzug des VfB wäre mit Sicherheit schön gewesen, wenn er jedoch mit einem drastischen Leistungsabfall in der Bundesliga einhergegangen wäre, würde er dies kaum aufwiegen. Ohne die Mehrfachbelastung haben die Stuttgarter weiterhin die Chance organisch zu wachsen. Ein einstelliger Tabellenplatz könnte ein realistisches Ziel sein und dies wäre in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg mit Sicherheit ein Grund, sich zumindest ein kleines Gläschen Sekt zu gönnen.