​Der Pokalsieg der Frankfurter Eintracht hat gezeigt, dass jetzt eine Einheit vorhanden ist, die auch in der kommenden Saison im Stande wäre, im internationalen Geschäft erfolgreich zu sein. Frankfurt sollte sich deshalb mit den Europa-Einnahmen konsolidieren und einen erneuten Umbruch im Kader nach dem Abgang von Erfolgstrainer Kovac vermeiden. 


In seinen zwei Jahren bei der Eintracht hat Niko Kovac zusammen mit Sportvorstand Fredi Bobic aus einem Abstiegskandidaten einen Pokalsieger geformt. Nach dem anstehenden Abgang von Kovac zu Bayern München muss diese Entwicklung aber nicht zwangsläufig zu Ende sein. Durch den Pokalsieg hat man sich für die Europa League qualifiziert und mit Adi Hütter vom Schweizer Meister Young Boys Bern steht bereits der nächste erfolgshungrige Trainer bereit. 


Hütter soll jetzt mit der Mannschaft den nächsten Schritt machen. Dies dürfte aber durch die anstehenden Abgänge einiger Leistungsträger zu einer großen Herausforderung werden. Denn die besten Spieler der Frankfurter haben in dieser Saison sicher Begehrlichkeiten geweckt. Dennoch müssen es die Eintracht-Verantwortlichen vermeiden, dass jetzt der nächste große Umbruch im Kader stattfindet. 

Der Vertrag von Stammtorwart Lukas Hradecky läuft aus. Dieser wird durch den 25-jährigen Frederik Rönnow vom dänischen Pokalsieger Bröndby IF ersetzt. Außenbahnspieler Marius Wolf ist einer der Shooting Stars dieser Saison und steht bei vielen größeren Klubs auf dem Zettel. Darüber hinaus gibt es mit Ante Rebic, Mijat Gacinovic oder den Mexikanern Marco Fabian und Carlos Salcedo einige internationale Spieler, die für die WM in Russland nominiert wurden und dort auf sich aufmerksam machen könnten. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass Frankfurt im Laufe des Sommers einige Stammspieler verlieren könnte.


Außerdem sind mit Kevin-Prince Boateng, Makoto Hasebe oder auch David Abraham einige der Führungsspieler der jetzigen Mannschaft schon jenseits der 30, und müssen in den kommenden Jahren mittelfristig ersetzt werden. Der Vertrag von Vereinslegende und Kapitän Alex Meier läuft aus. Die Aufgabe von Neu-Trainer Hütter wird es deshalb auch sein, junge Spieler wie Sebastian Haller, Luka Jovic oder Gacinovic an die Eintracht zu binden und in ihrer Entwicklung voranzutreiben. 


Noch ist es zu früh um über konkrete Transfers zu spekulieren. Allerdings soll neben der festen Verpflichtung des noch von Benfica Lissabon ausgeliehenen Jovic auch die Verpflichtung von Dominique Heintz vom Absteiger 1.FC Köln ein Thema in Frankfurt sein. Angesichts des Alters von Abraham, Hasebe und Marco Russ scheint die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers vor dem Hintergrund der kommenden Dreifachbelastung nachvollziehbar. 

FBL-GER-CUP-BAYERN MUNICH-FRANKFURT
Niko Kovac mit seinem kroatischen Landsmann Ante Rebic



Die Eintracht muss den nächsten Umbruch vermeiden


Eine entscheidende Frage wird schlussendlich auch sein, ob der kommende Trainer Hütter so gut mit den speziellen Charakteren arbeiten kann, die Kovac zu Höchstleistungen antrieb. Denn selten hat man Spieler wie Kevin-Prince Boateng oder auch Rebic so im Dienste der Mannschaft arbeiten sehen, wie im vergangenen Jahr in Frankfurt. 


Nachdem in der Saison 2016/17 zwölf Neuzugänge 15 Abgängen gegenüberstanden und im vergangenen Sommer viele Leihspieler (unter anderem Jesus Vallejo und Michael Hector) aus Kovac' erstem Jahr die Eintracht wieder verließen, wird Sportvorstand Bobic nach dem Pokalsieg und der Qualifikation für die Europa League in diesem Jahr wahrscheinlich darauf aus sein, die Veränderungen im Kader möglichst klein zu halten.


Die Eintracht-Verantwortlichen müssen in diesem Sommer das richtige Maß finden, wechselwillige Spieler nicht zum Problem werden zu lassen, sehr gute Angebote anzunehmen und in den Kader zu reinvestieren, aber dennoch nicht zu viel Qualität bei den Leistungsträgern zu verlieren, um in der kommenden Saison in der Europa League konkurrenzfähig sein zu können, und auch in der Bundesliga wieder oben mitzuspielen. Ein erneuter Ausverkauf würde der Entwicklung des Kaders nur schaden.