Eintracht Frankfurt hat durch den verdienten 3:1 Sieg gegen den favorisierten FC Bayern zum ersten Mal seit genau 30 Jahren wieder den DFB-Pokal gewonnen. Neben der leidenschaftlichen Leistung der Eintracht überzeugte Trainer Niko Kovac gegen seinen künftigen Arbeitgeber mit einer perfekten Taktik gegen den Ballbesitzfußball der Bayern.


Niko Kovac hat in seinen zwei Jahren bei der Eintracht mit dem Pokalfinale 2017 gegen Borussia Dortmund nur ein KO-Spiel verloren. Frankfurt überstand unter ihm die Abstiegs-Relegation 2016, erreichte zweimal in Folge das Pokalfinale und schaffte nun gegen den FC Bayern den Titel zum Abschluss. Sein Sportvorstand und Freund Fredi Bobic erklärte dies in der ​Mixed Zone vor allem mit der kontroversen, aber perfekten Aufstellung, die Kovac für das Finalspiel gegen die Bayern wählte. 


"Er hat gute Entscheidungen getroffen. Auch heute war die Aufstellug sehr gut.", lobte Bobic die Personalentscheidungen seines Trainers. Dabei habe es durchaus Verwunderung darüber gegeben, "dass Kevin-Prince im Sturm gespielt hat, dazu zwei schnelle Spieler über außen und drei Sechser." Aber diese Formation stellte sich als genau die richtige heraus, um Zugriff auf das Bayern-Mittelfeld zu bekommen. 


Frankfurt in einem 4-5-1 mit drei Sechsern


"Es war die absolut richtige Taktik. Wenn du gegen die Bayern bestehen willst, musst du das Zentrum zumachen und ihnen auf außen Freiräume geben. Dort musst du dann aber sehr konsequent doppeln", erklärte Bobic den Plan hinter der Aufstellung. Dazu sei auch ein starkes Verschieben der Mittelfeldspieler nötig. Jürgen Klopp habe das in seiner besten Zeit mit Dortmund überragend gemacht. Bobic meint zur Leistung seiner Frankfurter Spieler: "Das ist nicht einfach, aber die Jungs haben das super umgesetzt."


Durch die beschriebene 4-5-1-Formation der Frankfurter konnte die Eintracht mit den drei Sechsern eine Überzahl im zentralen Mittelfeld herstellen und viel Druck auf die Kreativspieler der Bayern erzeugen, aber gleichzeitig auch die Außen doppelt besetzen und so durchgängig die Flügelspieler der Münchener doppeln. 

Bayern Muenchen v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Final

Dies erforderte viel läuferische Arbeit von den offensiven Frankfurter Außenspielern Ante Rebic und Marius Wolf. Allerdings wurde Wolf im Laufe der zweiten Halbzeit durch den frischen Gacinovic ersetzt und Rebic machte das wahrscheinlich beste Spiel seiner Karriere. So wurde vor allem Franck Ribery konsequent gedoppelt und im Zentrum durch Omar Mascarell und Makoto Hasebe viel Druck auf den ballführenden Spieler ausgeübt, viele Ballverluste provoziert. Nicht durch Zufall entstanden die beiden ersten Treffer der Eintracht aus Balleroberungen im Mittelfeld, die für lange Bälle in die Spitze genutzt wurden. Dort konnte sich Rebic mit seiner Schnelligkeit gegen die hoch stehende Verteidigung der Bayern durchsetzen. 


Der Hauptgrund, warum das Offensivspiel der Bayern über weite Strecken des Pokalfinals so fahrig und wenig zielstrebig wirkte, lag so neben der kämpferischen Leistung der Frankfurter Spieler auch in der perfekten Taktik von Eintracht-Trainer Kovac, der durch kompaktes Mittelfeldpressing und der Aufstellung von drei Sechsern keine Räume in der gefährlichen Zone des Feldes zuließ und konstant Druck auf den Ball erzeugte.