Extrem enttäuscht beendet der FC Bayern die Abschieds-Saison von Jupp Heynckes. Unter der Trainer-Ikone träumte der Rekordmeister lange Zeit vom ganz großen Wurf - bis zum Champions-League-Aus gegen Real Madrid. Der "Stecker war gezogen", nach der Pleite in Berlin steht man "gefühlt mit leeren Händen da".


Single statt Triple. Der FC Bayern muss sich nach dem ​verlorenen DFB-Pokalfinale mit der deutschen Meisterschaft zufrieden geben. ​Zum Abschied erlebte Jupp Heynckes in Berlin noch einmal eine herbe Enttäuschung. Statt der Wiederholung des Triples von 2013 steht der Rekordmeister am Ende der Spielzeit "gefühlt mit leeren Händen da", wie es Thomas Müller im G​oal-Interview nach der Pleite gegen Frankfurt ausdrückte.

Sicher, Anfang Oktober 2017 hätte man im Bayern-Lager das Abschneiden vermutlich unterschrieben. Unter Carlo Ancelotti war die Mannschaft am Tiefpunkt, selbst die Meisterschaft schien in Gefahr. Trainer-Ikone Jupp Heynckes sorgte allerdings schnell für Aufbruchsstimmung - auf allen Seiten. Schale Nummer 28 und der sechste in Serie wurde mit 21 Punkten Vorsprung in beeindruckender Manier eingefahren. Gefühlt war das "im Februar oder März", befand Müller. "Deshalb liegt der letzte große Erfolg schon ein paar Monate zurück", so der Weltmeister weiter. 

Bis Ende April konnte man an der Säbener Straße noch vom ganz großen Wurf träumen. Dann kam das Champions-League-Aus in Madrid und den Bayern wurde "ein wenig der Stecker gezogen". Für Uli Hoeneß war es dennoch eine "überragende Saison. Wenn man so klar deutscher Meister wird, wenn man um ein paar Zentimeter im Champions-League-Finale ist und im DFB-Pokalfinale ist, dann lasse ich mir aus dieser überragenden Saison nichts Schlechtes machen", sagte der Bayern-Präsident am Rande der Meisterfeier auf dem Münchener Marienplatz. "Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung unserer Fans und den Medien. Die Fans respektieren unsere Leistung", war sich Hoeneß am Pfingstsonntag sicher.

FC Bayern Muenchen Celebrate Winning The Bundesliga

Die Münchener Meisterfeier auf dem Rathausbalkon fiel verhalten aus.


Und auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic zog trotz den Nachwehen der Pokal-Pleite ein zufriedenes Fazit: "Wenn man sieht, wo wir im Oktober waren, haben wir eine sehr, sehr gute Saison gespielt." Das Boss-Urteil machte Karl-Heinz Rummenigge rund: "Sportlich hat die Mannschaft die Ziele erreicht", sagte der Vorstandschef, sprach dabei aber auch aus, was alle dachten: "Es hätten drei Titel sein können, es ist nur einer geworden."


Innerhalb der Mannschaft klang das Urteil nicht ganz so rosig. Allen voran Joshua Kimmich war extrem enttäuscht. "Das Spiel ist ein Spiegelbild wie gegen Real: Du machst hinten die Fehler, triffst vorne das Tor nicht, und am Ende hilft der Schiri den anderen. Das ist für mich persönlich eine brutal enttäuschende Saison. Es ist immer das Gleiche: Hinten machen wir die Fehler und vorne machen wir den Ball nicht rein", haderte der 23-Jährige. "Für den Trainer ist es extrem bitter, wie wir das Spiel gegen den VfB Stuttgart verloren haben, und dann heute mit solch einem Spiel aufzuhören", meinte Kimmich weiter. 

Seine Nationalelfkollegen Thomas Müller und Mats Hummels drückten die Gefühlslage der Bayern-Spieler passend aus. "Es hätte etwas Großes werden können dieses Jahr und jetzt stehen wir gefühlt mit leeren Händen da. Jeder ist extrem unzufrieden", teilte Müller mit. "Mit dem Double wäre es eine gute Saison gewesen, so ist es eine ordentliche, gute, enttäuschende - irgendwie dazwischen", erklärte Hummels.


Die Worte des Bayern-Abwehrchefs können als perfektes Fazit der Münchener Saison herhalten: Gut - ordentlich - enttäuschend. Seit Heynckes genau in dieser Reihenfolge.