Mit "Gänsehaut" und einem breiten Grinsen saß Thomas Tuchel vor seiner ersten Pressekonferenz als PSG-Trainer im Prinzenpark. In seinem neuen Heimstadion sprach der ehemalige BVB-Coach über die Gründe für seinen Schritt nach Paris - und gegen ein Engagement bei den Bayern. Bei Superstar Neymar gerät er ins Schwärmen.


Am Sonntag wurde Thomas Tuchel ​offiziell bei seinem neuen Verein Paris Saint-Germain vorgestellt. Der 44-Jährige übernimmt zur neuen Saison das französische Star-Ensemble und soll den Scheich-Klub endlich zu europäischen Ehren führen. Etwas, dass seine prominenten Vorgänger um Laurent Blanc, Carlo Ancelotti und zuletzt Unai Emery nicht geschafft haben.


Kurz vor seiner ersten Pressekonferenz in der französischen Hauptstadt, die Tuchel in der Landessprache abhielt, stand er im Gespräch mit Sky Rede und Antwort. Im leeren Prinzenparkstadion, Tuchels neuer sportlichen Heimat, kam der Ex-BVB-Coach aus dem Grinsen kaum noch heraus. Tuchel war anzumerken, wie sehr er sich auf die neue Aufgabe freut. "Es ist noch unwirklich", sagte er zu ​Namen wie Neymar, Angel di Maria oder Thiago Silva, die er künftig trainieren wird. Dabei ging er auch noch einmal auf die Gründe ein, für seinen Entschluss ins Ausland zu gehen - und sich ​gegen ein Engagement bei Bayern München zu entscheiden.

Bayern hatte keine Chance


"Ich habe sie letztlich davon informiert, dass ich mich für etwas anderes entschieden habe. Dass ich mich für den Weg ins Ausland entschieden habe. Ich weiß nicht, ob das eine Absage war", erklärte der 44-Jährige. Der Grund dafür sei nicht die späte Anfrage des Rekordmeisters gewesen, wie zuletzt häufig berichtet wurde. Tuchel habe "sehr früh nach meinem Aus in Dortmund für mich beschlossen" einen anderen Weg zu gehen. "Ich hatte ein Bauchgefühl, dass wenn es die Möglichkeit gibt, ich den Schritt ins Ausland wagen möchte."


Bayern hatte also von Beginn an keine aussichtsreichen Karten im Werben um Tuchel. "Ich möchte mich in diese Unsicherheit begeben und im Ausland neue Dinge lernen. Ich glaube, sich auf unsicheres Terrain zu begeben, bringt das Beste aus mir heraus", erklärte der 44-Jährige seine Beweggründe. "Das Leben ist dafür da, dass man Risiken eingeht und sich etwas traut. Das ist eine unglaubliche Erfahrung, die wir jetzt machen dürfen. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier bin", ergänzte Tuchel philosophisch. 

Keine Forderung nach Champions-League-Titel


Nach seinem Sabbatjahr sprüht er förmlich vor Tatendrang. "Ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass es um mich geht, dass sie ein klares Bild davon haben, für was ich mit meinem Trainerteam stehe. Alle wollten, dass wir hierher nach Paris kommen, wir uns an den Klub anpassen und die Arbeit auf unsere Art und Weise erledigen", berichtete er von den Gesprächen mit der Klubführung. Man habe ihm "von Beginn an ein unglaublich gutes Gefühl gegeben", so Tuchel weiter.


Teil der Gespräche sei aber nicht die Forderung nach dem Champions-League-Titel gewesen. Fünfmal wurde PSG in den vergangenen sechs Jahren französischer Meister. In der Königsklasse ging es, trotz aller Investitionen, nie weiter als bis ins Viertelfinale. "Es hat niemand zu mir gesagt, dass es meine Pflicht ist", bekräftigte Tuchel. So früh in der Saison sei es ohnehin "schwierig darüber zu sprechen". Man müsse "Dinge wie Struktur und Teamgeist hart erarbeiten" und auf diesem Fundament die Saison bestreiten. "Das habe ich bei den Gesprächen stets betont. Denn niemand kann ein Ergebnis garantieren", meinte Tuchel.

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Ist nicht gerade für seine Geduld mit Trainern bekannt: PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi.


Doch der 44-Jährige wird genau wissen, worum es geht. Der katarische Klub-Präsident Nasser Al-Khelaifi will den Henkelpott - das hat er mit seinen Transfers und Trainerwechseln mehr als deutlich gemacht. Mit seinem erklärten Wunschkandidaten Thomas Tuchel soll der große Wurf endlich gelingen. "Er ist jung. Er hat ein Jahr Pause gemacht, er ist klar im Kopf, das ist ein Vorteil", erklärte er in einem Interview mit der L'Equipe.


Tuchel erklärt Neymar Ideen am Flipchart


Al-Khelaifi betonte auch noch einmal, dass Superstar Neymar zu "2.000 Prozent" bleiben werde. Eine Aussage, auf die sich auch Tuchel verlassen will. Um den Brasilianer will der neue PSG-Coach das Team aufbauen. 

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"Künstler" Neymar jr. soll auch in der neuen Saison das Gesicht des PSG-Teams sein.


"Er ist ein Künstler und die Künstler sind besonders", schwärmte der 44-Jährige. "Man darf ihnen nicht zu viel Verantwortung übertragen. Wir versuchen eine Struktur um Neymar aufzubauen", so Tuchel weiter. Wie diese aussehen könne, hat er dem Brasilianer bereits in einem "tollen Gespräch" näher gebracht. "Es war beeindruckend, ihn kennenzulernen", sagte Tuchel, der in bester Guardiola-Manier Neymar seine Gedanken mitteilte. "Ich hatte ein Flipchart dabei. Wer mich kennt, weiß was passiert, wenn ich eins dabei habe", grinste Tuchel.