Zum zweiten Mal in Folge beendete Borussia Mönchengladbach die Saison auf einem neunten Tabellenplatz und verpasste es nach den vorherigen erfolgreichen Jahren erneut, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Im Interview mit Bild sprach Christoph Kramer über die Hintergründe für das erneute Scheitern und zieht seine persönliche Konsequenz aus der abgelaufenen Saison.


In der jüngeren Vergangenheit ging es für Borussia Mönchengladbach steil nach oben. Die angeschlagene 'Fohlenelf' taumelte 2011 dem Abstieg entgegen, ehe der Schweizer Lucien Favre als Cheftrainer angeheuert wurde und den Verein in ungeahnte Höhen vorstoßen ließ. 


Unter dem mittlerweile 60-Jährigen, ​der aller Voraussicht nach in die Bundesliga zurückkehren und bei Borussia Dortmund anheuern wird, konnte man sich insgesamt drei Mal für den europäischen Wettbewerb qualifizieren, zudem schaffte man unter Nachfolger Andre Schubert zum zweiten Mal nacheinander den Sprung in die Champions League.

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 Durch die 1:2-Niederlage beim Hamburger SV verpasste Borussia Mönchengladbach am                                      letzten Spieltag den Sprung auf Platz sieben


Doch nach der Schwächephase unter Schubert und der Übernahme von Dieter Hecking pendelt sich die Borussia ein wenig im Mittelfeld der Tabelle ein und konnte sich im engen Kampf um die begehrten Europapokalplätze erneut nicht durchsetzen. Für Mittelfeldspieler Christoph Kramer ist dies keine Frage der Klasse, sondern der Einstellung, wie er bei Bild offenbarte. Es sei genau dann "nach hinten" losgegangen, wenn man "mit der Rechnerei" angefangen habe, so Kramer. "Wir konnten sogar mal auf Platz 2 springen - und haben verloren. Immer wenn wir uns mit 'hätte, wäre, wenn' beschäftigt haben, war das nicht gut für uns", führte der 27-Jährige fort.


Es klinge zwar nach einer simplen Phrase, doch der Weltmeister ist sich sicher: "Wir können jeden Gegner schlagen, wenn wir uns nur auf ihn fokussieren und nicht mit irgendwelchen Träumereien anfangen." Eines dieser Beispiele ereignete sich zum Ende des vergangenen Jahres, als man nach einem ​2:1-Heimsieg gegen Bayern München in der darauffolgenden Woche beim VfL Wolfsburg ​mit 0:3 verlor.


Kramers Ziel: Von Spiel zu Spiel denken


Die Ursache für die mangelnde Konstanz der Borussia macht Kramer an einem zu versteiften Blick auf die Tabelle fest. Daher will er sich nur noch einzeln auf jede Partie konzentrieren: "Die verflixte Tabelle kann mich ab sofort mal. Von mir wird es hier in Gladbach keine rausposaunten Zielsetzungen mehr geben." Schließlich sei man "nicht nur unter Favre" am erfolgreichsten gewesen, wenn man lediglich von Spiel zu Spiel gedacht habe.

Borussia Moenchengladbach v Hertha BSC - Bundesliga

   Zwischen Verein und Fans herrschte nicht immer Einigkeit -  wie hier beim Heimspiel                   gegen Hertha BSC Berlin, das die Borussia mit 2:1 für sich entschied


Indes musste die Mannschaft in diesem Jahr vermehrt Kritik von den Fans einstecken, die teilweise spürbar unzufrieden mit der eigenen Mannschaftsleistung waren, weswegen Sportdirektor Max Eberl immer wieder als Mediator fungierte, zur Ruhe mahnte und ​beschwichtigte, sich allerdings auch immer wieder öffentlich ​über die Art und Weise des Umgangs der Anhänger mit der Mannschaft beschwerte. Die hohe Erwartungshaltung begrüßt Kramer allerdings: "Die habe ich auch selbst. Es ist doch toll, wenn man in Gladbach so weit ist, eine Saison mit Platz neun als Scheiß-Saison zu betrachten. Denn es war ja auch definitiv mehr drin." Dennoch helfe der Mannschaft nur eins: "Nur ans nächste Spiel denken!", so der Appell des zentralen Mittelfeldspielers. 


Während sich Kramer über die missglückte Qualifikation für Europa ärgerte, kündigte Trainer Dieter Hecking ​Konsequenzen für den Sommer an und droht offenbar dem ein oder anderen Akteur mit einem Rauswurf. ​Eberl sieht jedoch keinen großen Bedarf für einen allzu großen Umbruch und will die Mannschaft im Großen und Ganzen beisammenhalten. Von daher wird man mit Spannung verfolgen dürfen, was in den kommenden Monaten bei Borussia Mönchengladbach geschieht.