Vor dem Pokalfinale hielten Eintracht Frankfurt und Bayern München gemeinsam die offizielle Pressekonferenz vor dem Duell am Samstagabend ab. Während Eintracht-Coach Niko Kovac auf ein "Abschiedsgeschenk" hofft, freut sich Heynckes auf die Emotionen im "deutschen Wembley". 


​Am Samstag (20 Uhr) kommt es im Berliner Olympiastadion beim DFB-Pokalfinale zwischen Rekordsieger Bayern München und Vorjahresfinalist Eintracht Frankfurt zu einer besonderen Konstellation: Noch-Bayern-Coach Jupp Heynckes trifft auf seinen Nachfolger Niko Kovac aufseiten der Eintracht. Einen Tag vor dem Endspiel trafen sich Vorgänger und Nachfolger gemeinsam zur abschließenden Pressekonferenz. Mit dabei waren auch Weltmeister Mats Hummels und Eintracht-Kapitän David Abraham. 

"Das ist eine wunderbare Situation für die Medien. Ich sehe das ganz locker. Ich weiß, dass Niko sehr gut präpariert sein wird. Ich glaube, dass der FC Bayern nächstes Jahr mit Niko Kovac weiter erfolgreich sein wird - oder vielleicht sogar besonders wegen Niko Kovac", kommentierte Heynckes das Aufeinandertreffen entspannt. Mats Hummels wollte sich einzig und allein auf das Spiel konzentrieren: "Für mich besitzt das keine Relevanz. Der Pokalsieg steht über allem", so der 29-Jährige. Dem schloss sich auch Kovac an. "Es geht nur um das hier und jetzt. Alles andere ist derzeit unwichtig", versicherte der Noch-Frankfurter.


Kovac: "Pokalsieg wäre ein tolles Abschiedsgeschenk"


Der Kroate hat mit seinem Team zum zweiten Mal in Folge das Finale von Berlin erreicht. Ähnlich wie bei der Niederlage im Vorjahr gegen den BVB ist die Eintracht auch gegen die Bayern der krasse Außenseiter. "Der Wunsch, es wieder hierher zu schaffen, war groß", sagte Kovac. "Wir müssen an das Maximum kommen und darauf hoffen, dass die Bayern nicht ihren besten Tag erwischen. Dann können wir auf etwas hoffen", meinte der 46-Jährige. Vor der Saison sei die Eintracht belächelt worden, nun habe man das Ziel Pokalfinale erneut erreicht. "Der Pokalsieg wäre ein tolles Abschiedsgeschenk. Nach über zwei Jahren kommt beim letzten Spiel schon ein bisschen Wehmut auf", gab er zu.

SGE-Verteidiger David Abraham gab sich vor dem ​Duell "David-gegen-Goliath" optimistisch: "Wir haben das ganze Jahr als Mannschaft stark zusammen gearbeitet, sind immer geschlossen aufgetreten", befand der 31-jährige Argentinier. "Es gibt eine große Hilfsbereitschaft untereinander, jeder tritt für den anderen ein." Diese gelte es am Samstagabend auch gegen die Bayern zu zeigen, um am Ende "vielleicht den Pokal in den Himmel strecken zu können".

Müller kann spielen - Neuer steht im Aufgebot


Auf der Seite des Rekordmeisters war der Respekt vor dem Underdog groß. "Die Eintracht ist seit Jahren eine schwer zu bespielende Mannschaft, dieses Jahr besonders", sagte Hummels anerkennend. "Sie haben gerade offensiv eine starke individuelle Qualität. Um zu gewinnen brauchen wir eine Topleistung", war sich der Bayern-Verteidiger sicher.

Vor dem Finale gab es bei den Bayern noch einige ​personelle Fragezeichen. Arjen Robben kann am Samstagabend nicht auflaufen, Thomas Müller schon. Den Weltmeister erwischte es in der Woche vor dem Finale mit einem Magen-Darm-Infekt . "Thomas ist wieder hergestellt. Er kann also spielen", bestätigte Heynckes, der zu einigen Scherzen aufgelegt war. "Thomas redet ja bekanntlich gerne. Deshalb habe ich ihn direkt ins Hotel geschickt, dass wir zügiger vorankommen" witzelte der 73-Jährige.


Zumindest die Rückkehr in den Kader darf Manuel Neuer feiern. Der dauerverletzte Weltmeister-Keeper sei wieder 100 Prozent fit, bekräftigte Heynckes: "Manuel Neuer hat seit Dienstag das volle Training absolviert. Er hat überhaupt keine Beschwerden, ist physisch super präpariert." Im Tor wird aber Vertreter Sven Ulreich stehen: "Um Spekulationen vorzubeugen: Manu wird morgen nicht von Beginn an spielen", so Heynckes.

Heynckes zu Wagner: "Ich denke er hat zu voreilig reagiert"


Die Trainer-Ikone hatte auch eine deutliche Meinung zum WM-Aus von Sandro Wagner und dessen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. "Sandro ist morgens immer der erste Spieler an der Säbener Straße", lobte er seinen Stürmer zunächst. "Er hatte zwei Träume: Die Rückkehr zu seinem Heimatverein und eine WM zu spielen. Ich denke, er hat ​zu voreilig reagiert. Ich persönlich hätte es lieber anders gesehen. Aber man muss seine Entscheidung akzeptieren", sagte Heynckes.


Kollege Hummels zeigte Verständnis für Wagners Reaktion: "Das ist, glaube ich, sehr menschlich, wenn der große Traum platzt. Wir haben ihn in der Mannschaft getröstet, weil wir ihn als Typen mögen und er sich in seinem halben Jahr, seit er hier ist, vorbildlich verhalten hat", erklärte der Innenverteidiger.