BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat Details über den Ablauf des Stöger-Abgangs verraten. Schon nach der derben 0:6-Klatsche in München habe der Österreicher an seiner Schwarz-Gelben Zukunft gezweifelt. Nach der Derby-Niederlage auf Schalke sei die Trennung besiegelt gewesen.


Borussia Dortmund hat sich in die Champions League​ gezittert. Nach einer enttäuschenden Saison und dem frühen Trainerwechsel von Tuchel-Nachfolger Peter Bosz auf Peter Stöger hat der BVB das Minimalziel mit Rang vier zwar erreicht - zufrieden ist man im Schwarz-Gelben-Lager aber nicht. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gibt das in einem ausführlichen Interview mit dem Fanmagazin Schwatzgelb unumwunden zu.


​In Dortmund soll ein Umbruch eingeleitet werden, angeführt von einem neuen Mann an der Seitenlinie. Nach der Pleite in Hoffenheim war endgültig klar: Peter Stöger war eine sechsmonatige Interimslösung. Der 52-jährige Österreicher verkündete auf der Pressekonferenz nach der Partie seinen Abschied. Ein Abschied, über den öffentlich lange spekuliert wurde und intern längst beschlossen war. 


Stöger-Abschied war nach Derby-Niederlage besiegelt


"Peter Stöger kam nach dem Bayern-Spiel zu uns und hat uns gesagt, es sei seine Tendenz, am 30.06. aufzuhören", erklärte Watzke die Abläufe nach der derben 0:6-Pleite Ende März in München. Eine Woche später folgte zwar ein 3:0-Erfolg gegen den VfB Stuttgart - die nächste große Enttäuschung stand da aber kurz bevor. "Ich glaube nach dem Derby hat er uns endgültig mitgeteilt, dass er wirklich nach dem Sommer nicht weitermachen will. Das war grundsätzlich richtig und wurde von uns ähnlich gesehen", so Watzke. Der BVB verlor am 30. Spieltag mit 0:2 beim königsblauen Revier-Rivalen.

Öffentlich bestätigen wollte Watzke den bevorstehenden Stöger-Abgang aber wegen der "Lame duck"-Problematik" nicht. "Wir haben gesagt, dass wir das in dieser fragilen Saison nicht öffentlich machen. Wenn wir das kommuniziert und danach kein Spiel mehr gewonnen hätten, dann wäre das doch als Grund benannt worden. Als Alibi für alle. Und wir wären auch dafür kritisiert worden", meinte der BVB-Geschäftsführer. 

FC Schalke 04 v Borussia Dortmund - Bundesliga

Nach der Derby-Pleite auf Schalke war der Abgang von Peter Stöger besiegelt.


Zwischendurch hätte es durchaus die Überlegung gegeben, mit dem Österreicher weiter zu machen. "Wir hatten Phasen, in denen es gut aussah. Warum sollten wir uns selbst beschränken, indem wir vorher sagen, dass es ausgeschlossen ist, dass er bleibt, selbst wenn er die Europa League gewinnt oder Zweiter wird?" 


Mit der Suche nach einem Nachfolger habe man deshalb und aus Respekt vor Stöger lange gewartet. "Für uns war wichtig, dass wir mit dem Trainer eine saubere, eine gemeinsame, eine von Vertrauen geprägte Linie haben. Von dem Moment seiner Entscheidung an haben wir erst angefangen, mit anderen zu sprechen. Wir machen das nicht hinter dem Rücken des aktuellen Trainers. Ob öffentlich oder nicht, wir waren da sehr klar in der gegenseitigen Kommunikation", bekräftigte Watzke und betonte noch einmal, dass es "der Wunsch von Peter und auch unsere Linie", gewesen sei, sich mit Ablauf der Saison zu trennen.


Stöger geht als Freund und Ratgeber


Die Kritik am Interimscoach wollte er aber nicht stehen lassen. "Wir sind Peter zu großem Dank verpflichtet, weil er uns auf Platz acht übernommen und auf vier geführt hat. Er wird ein Freund bleiben!" Stöger sei sogar in die Überlegungen für den kommenden Umbruch einbezogen worden, verriet Watzke. "Er hat uns seine Meinung gesagt, was speziell auch das Thema Mannschaftsstruktur und Mannschaftsführung angeht. Wir haben mit ihm sogar über mögliche neue Spieler diskutiert. Das war sehr vertrauensvoll. Da hat es sicherlich die eine oder andere Schlussfolgerung gegeben", so der 58-Jährige.

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Spätestens kommende Woche soll Lucien Favre als neuer BVB-Coach vorgestellt werden.


Ob eine davon der Name von Stögers Nachfolger gewesen ist, wollte Watzke nicht verraten. "Ich weiß, dass es ein wenig antiquiert ist, aber so machen wir das bei Borussia Dortmund. Die Dinge werden verkündet, wenn sie anstehen", sagte er zu den Spekulationen über Lucien Favre als kommenden BVB-Coach. Die ​Verpflichtung des Schweizers gilt als abgemacht - die Borussen-Verantwortlichen warten wohl lediglich den letzten Spieltag in der französischen Liga ab. Favre kann sich mit seinem aktuellen Team OGC Nizza noch für die Europa League qualifizieren.


Immerhin konnte Watzke schon verraten, dass der neue Trainer deutschsprachig sein wird. Ein Indiz, das auf den bundesligaerfahrenen Favre hindeutet. "Es hat sich immer wieder als schwierig herausgestellt, wenn ein Trainer die Sprache nicht beherrscht. Wie wichtig ist heutzutage alleine schon die Medienarbeit? Wenn ein Trainer heute versucht, Deutsch zu stammeln, dann wird das direkt von den Comedians dieser Welt ins Lächerliche gezogen und darunter leidet auch die Autorität gegenüber der Mannschaft", nannte Watzke die Gründe dafür.