​28 Tage sind es noch bis zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. An den Start gehen beim großen Turnier insgesamt 32 Nationen aus den Kontinenten Afrika, Asian, Europa, Amerika und Südamerika. Vor Turnierbeginn werfen wir einen Blick auf die Auswahl aller Teams. Heute im Fokus: Die "Super Eagles" aus Nigeria. 


Die nigerianische Fußballnationalmannschaft rund um den deutschen Chefcoach Gernot Rohr hat sich als erstes Team vom Kontinent Afrika für die Weltmeisterschaft in Russland qualifiziert. In Gruppe D mit Kroatien, Island und Argentinien wollen die "Super Eagles" nun an die gelungene Qualifikation anknüpfen, möglichst die Gruppenphase überstehen und somit die K.O-Phase erreichen. 


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Nigeria tritt zum sechsten Mal bei einer WM-Endrunde an



WM-Dauergast 


Durch einen 1:0-Erfolg gegen Sambia qualifizierte sich das Team des 64-jährigen Gernot Roth auch 2018 wieder für die Teilnahme am größten Fußballturnier der Welt. Für den Olympiasieger von 1996 ist es die insgesamt sechste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft-Endrunde. Überhaupt gehören die Afrikaner fast schon zum Inventar und sind seit vielen Jahren Dauergast bei einer WM. Seit 1994 qualifizierte sich Nigeria mit Ausnahme der WM 2006 in Deutschland immer für die Endrunde. Auch wenn es bislang "nur" zu drei Achtelfinalteilnahmen reichte, so ist die Teilnahme in Russland überhaupt schon als Erfolg zu werten. Knapp ein halbes Jahr zuvor hatte Nigeria nämlich als Champion von 2013 überraschend die Qualifikation für den Afrika-Cup 2017 verpasst. Die Vorzeichen standen also alles andere als gut, die WM-Teilnahme war keineswegs sicher. Durch die herausragende Arbeit des Deutschen, der neue Strukturen schaffte und eine passende Spielphilosophie etablierte, ist man nun aber letztlich doch mit dabei und freut sich trotz einer schwierigen Gruppe auf den Turnierstart.


Weltenbummler Rohr


Der gebürtige Mannheimer genießt spätestens seit der WM-Qualifkation mit den "Super Eagles" ein sehr hohes Ansehen nicht nur in Nigeria, sondern in ganz Afrika, und kann ganz entspannt in die Zukunft blicken. Sein Vertrag wurde Ende November bis 2020 verlängert, dazu bekam Rohr großes Lob von Verbandspräsident Amaju Pinnick. "Er hat seinen Job sehr gut gemacht und muss nun nicht in Unsicherheit über seine Zukunft in die WM gehen." Für den Weltenbummler Rohr, der als Trainer und Spieler sowohl in Deutschland, als auch in Frankreich, Österreich und der Schweiz arbeitete, ist die WM 2018 mit den Afrikanern nun in jedem Fall ein absolutes Highlight. Auch auf dem afrikanischen Kontinent ist er kein Unbekannter, trainierte er doch schon die Nationalteams des Gabun, Niger und Burkina Faso. 


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Führte die "Super Eagles" von einer Krise bis zur WM: Chefcoach Gernot Rohr



Prunkstück aus der Premier League


Was die Mannschaft angeht, so ist der gesamte WM-Kader mit einem Durchschnittsalter von 25,5 Jahren noch relativ jung und unerfahren. Da Torhüter und Ex-Kapitän Vincent Enyeama 2018 nicht mit dabei sein und den Kasten hüten wird, liegt der Fokus wohl vor allem auf den Premier-League-Akteuren im Team Nigerias. Gleich vier der fünf wertvollsten Spieler im Kader verdienen ihr Geld in England höchster Spielklasse. Mit dem erst 21-jährigen Wilfred Ndidi von Leicester City verfügt man über einen hochveranlagten defensiven Mittelfeldspieler, der sicher auch in Russland zum Stammpersonal gehört. Er ist mit einem Marktwert von geschätzten 18 Millionen Euro gemeinsam mit dem rechten Außenbahnspieler Victor Moses vom FC Chelsea, der anders als im Verein deutlich offensiver über rechts kommen wird, auch der wertvollste Spieler im Kader. Komplettiert wird das Premier-League-Quartett von Linksaußen Alex Iwobi vom FC Arsenal sowie Ndidi-Teamkollege Kelechi Iheanacho von den "Foxes".


Leicester City v AFC Bournemouth - Premier League

Könnte einer der Shootingstars der WM werden: Hoffnungsträger Wilfred Ndidi 


Zu erwähnen sind neben den England-Legionären aber auch Ex-Watford-Stürmer Odion Ighalo, Ahmed Musa von ZSKA Moskau und natürlich Mannschaftskapitän John Obi Mikel, der sein Geld nach seiner Zeit beim FC Chelsea nun in China bei Tianjin Teda verdient. Aus der Bundesliga ist Leon Balogun vom 1. FSV Mainz 05 dabei, er ist in der Innenverteidigung absoluter Stammspieler und demnach gesetzt. Sie alle bilden gemeinsam den Kern der nigerianischen Nationalelf und sollen auch in Russland für die nötigen Tore sorgen, um das große Ziel, die Gruppenphase zu überstehen, zu erreichen.


Underdog mit Außenseiterchancen


Sieht man sich die WM-Gruppe D einmal genauer an, wird sofort klar, dass Nigeria es sehr schwer haben wird. Mit Argentinien und deren Superstar Lionel Messi scheint der erste Platz bereits vor Turnierstart vergeben, dazu ist Kroatien rund um Real-Star Luka Modric und Barca-Stratege Ivan Rakitic sicher Favorit auf Platz zwei. Am ehesten dürfte man sich selbst wohl auf Augenhöhe mit Island sehen, die eine herausragende EM 2016 spielten und erst im Viertelfinale an Gastgeber Frankreich scheiterten . Für die "Super Eagles" scheint der zweite Platz zwar nicht komplett unmöglich, dafür bedarf es allerdings mindestens der Mithilfe von Kroatien. Sollten die Kroaten patzen, könnte es für Nigeria eine Chance geben - vorausgesetzt, man gibt sich selbst keine Blöße und holt die nötigen Punkte, um aus der Lauerstellung heraus anzugreifen.


Besonders ankommen könnte es auch auf die direkten Duelle mit Argentinien und eben Kroatien. Mitte November drehte das Team im Testspiel gegen Vizeweltmeister Argentinien immerhin einen 0:2-Rückstand in einen 4:2-Sieg. Bemerkenswert: Auch wenn es um nichts ging, liefen die Südamerikaner bis auf ihren fehlenden Superstar Lionel Messi in ihrer stärksten Besetzung auf. Das könnte Nigeria Mut machen.