​Sandro Wagner war sich so sicher, dass er von Bundestrainer Joachim Löw zur WM 2018 eingeladen wird - dennoch reichte es nicht mal zu einem Platz im vorläufigen Kader der Nationalmannschaft. Löw mache damit einen Fehler, schreibt unser Autor.


Sogar Tränen sind beim sonst so sicheren Sandro Wagner beim Mannschaftstraining des ​FC Bayern München geflossen, nachdem ihm Jogi Löw die Nicht-Nominierung telefonisch mitteilte. Bayern-Trainer Jupp Heynckes stellte sich vor die versammelte Mannschaft und erklärte, dass Wagner bei ihm einen WM-Kaderplatz sicher hätte, wenn er doch bloß nur Nationaltrainer wäre.


Heynckes hat Recht, Löw begeht einen Fehler. Während es noch plausibel erscheint, Mario Gomez, der ohnehin ein ähnlicher Spielertyp wie Wagner ist, dem Ex-Hoffenheimer vorzuziehen, hinterlässt die Nominierung von Nils Petersen einige Fragezeichen.


Zwar hat Petersen in der abgelaufenen Saison 15 Tore erzielt (Wagner traf zwölf Mal in 25 Einsätzen) und ist damit der treffsicherste Bundesligaspieler hinter Robert Lewandowski, allerdings steht auch nur eine Vorlage zu Buche. Ein technisch feines Zusammenspiel mit den Mitspielern war noch nie die Stärke Petersens. Während der Freiburger zwar ein vorbildlicher Teamplayer ist, werden ihm jedoch auch keine Fähigkeiten nachgesagt, dass er eine Mannschaft mitreißen kann. Petersen war schon immer eher der stille Typ.


Zudem kommt, dass Petersen - im Gegensatz zu Wagner - kaum internationale Erfahrung besitzt. Knapp 300 Minuten hat der ehemalige Cottbusser auf internationalem Parkett abgespult, ein Länderspiel hat er auch noch nicht absolviert. Die meiste sportliche Erfahrung hat Petersen im Abstiegskampf und in der 2. Liga gesammelt, nicht in Duellen mit den besten Spielern der Welt.


Und auf diesen Spieler vertraut Löw, um im einen möglichen WM-Halbfinale eingewechselt zu werden und das Spiel für Deutschland nochmal zu drehen? Auf Petersen sollen die Hoffnungen liegen, wenn die deutsche Offensive unbedingt ein Tor braucht? Eine sehr optimistische Prognose, möchte man meinen.


Für Wagner hingegen, der in acht Länderspielen fünf Tore erzielen konnte, ist die internationale Bühne bei weitem kein fremdes Terrain. Beim FC Bayern konnte er darüber hinaus zeigen, dass er auch in einer klaren Backup-Rolle kein Unruheherd innerhalb der Mannschaft ist und immer Leistung brachte, wenn Heynckes auf ihn setzte. Warum Löw Wagner keine Chance gibt, sich wenigstens im Trainingslager präsentieren zu dürfen, weiß wohl nur der Bundestrainer.