Während Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit ihrem Besuch beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für großen Aufruhr sorgten, zeigte Nationalmannschafts-Kollege Emre Can Weitsicht. Der Liverpool-Star lehnte die Einladung für das Treffen in London ab.


Es war der Aufreger am Montag: Die beiden deutschen WM-Hoffnungsträger ​Mesut Özil und Ilkay Gündogan besuchten in London den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Beide Nationalspieler überreichten dem umstrittenen türkischen Machthaber Trikots ihrer Klubs FC Arsenal und Manchester City. Gündogan schrieb sogar eine Widmung auf sein Shirt: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten“, war darauf zu lesen.


Die Kritik am öffentlichen Auftritt mit Erdogan ließ nicht lange auf sich warten - und fiel entsprechend aus. Selbst der eigentlich bei solchen Themen sehr zurückhaltende DFB äußerte sich. Präsident Reinhard Grindel meinte: "Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen." Im Rahmen der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders am Dienstag, mahnte er aber auch zu einer verhältnismäßigen Reaktion an. "Menschen können Fehler machen", erklärte Grindel.

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In der Politik und den sozialen Medien war die Kritik so groß, dass viele die Nichtnominierung von Özil und Gündogan für die WM forderten. Manchester-City-Star ​Gündogan meldete sich derweil zu Wort: "Sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln - auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden“, hatte der 27-Jährige in einer Erklärung geschrieben.


Can zeigt, wie es geht


Mesut Özil und er hätten "aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder“ über das Treffen "nichts in unsere sozialen Kanäle gepostet“, so der Mittelfeldspieler weiter. 

Dass die Erdogan-Seite das Treffen als willkommene PR-Maßnahme benutzen würde, hätten sich die beiden aber bewusst machen müssen. Wie es anders geht, zeigte Nationalelf-Kollege Emre Can. Der derzeit verletzte Confed-Cup-Sieger spielt beim FC Liverpool ebenfalls auf der Insel, nahm die Einladung für das Treffen mit Erdogan aber nicht wahr. Nach Informationen der Welt lag dem türkischstämmigen 24-Jährigen ebenfalls eine Einladung vor, er verzichtete aber weitsichtig auf das Treffen.