​Nur mit einem blauen Auge hat Borussia Dortmund sein Saisonziel erreicht und sich die Teilnahme an der Champions League erduselt. Gefühlt spielte der BVB in der abgelaufenen Spielzeit gegen den Abstieg. Dass am Ende die Qualifikation für die Königsklasse heraus sprang, soll nun als Basis für einen großen Umbruch genutzt werden. Beinahe ein Drittel der Mannschaft darf den Revierklub wohl verlassen. Zählten in der Vergangenheit vor allem Talent und Klasse, sollen bei der Spielersuche nun andere Aspekte in den Fokus gerückt werden.


Die erste schwerwiegende Personalentscheidung scheint bereits getroffen. Nachdem Peter Stöger am Wochenende bestätigte, dass er den BVB nach der Saison wieder verlässt, scheint mit Lucien Favre der Nachfolger in den Startlöchern zu stehen. Laut Informationen von Reviersport erhält der Schweizer einen Zwei-Jahres-Vertrag mit Option auf ein weiteres Jahr. Offiziell soll die Verpflichtung Ende Mai bekannt gegeben werden, da Favre mit Nizza am Wochenende noch um die Teilnahme an der Europa League kämpft.

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Lucien Favre soll die Borussia zurück in die Erfolgsspur lenken.



Danach kümmern sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc gemeinsam mit den Neuankömmlingen Sebastian Kehl und Matthias Sammer um die größte Baustelle - den Kader. Laut dem Blatt darf ein Drittel des Teams bei entsprechenden Angeboten gehen. Favoriten auf einen Abgang seien Sokratis, Raphael Guerreiro, André Schürrle, Gonzalo Castro und Nuri Sahin. Letzterer betonte unlängst, dass beim BVB vor allem zwischenmenschlich einiges im argen läge. Der Mittelfeldmann sprach von "großen Problemen" in der Kabine. 


Disziplin steht im Vordergrund


Achtete man zuletzt bei Neuverpflichtungen stets auf die sportliche Qualität und weniger auf den Teamgedanken - nachzufragen bei Emre Mor, Ousmane Dembélé oder Pierre-Emerick Aubameyang -, so sollen nun anderen Tugenden im Vordergrund stehen. "Wir werden das Augenmerk wieder verstärkt auf Werte wie Disziplin, Teamgedanken, Gemeinschaftsgefühl legen", betonte Michael Zorc gegenüber der Reviersport. "Das war aufgrund der Vorfälle in dieser Saison nicht immer so einfach. Gewisse Werte muss man vorgeben und auch auf deren Einhaltung achten."

Rot-Weiss Essen v Borussia Dortmund - Preseason Friendly

Großartiges Talent, zweifelhafter Charakter: Spieler wie Ousmane Dembélé will der BVB künftig meiden.



Dass sich gleich zwei Spieler innerhalb einer Saison aus einem Verein streiken, hat es so in dieser Form noch nicht gegeben und soll sich auf keinen Fall wiederholen: "Natürlich hatten auch wir in beiden Fällen den Reflex, den jeder gehabt hat: 'Dem zeigen wir es jetzt!‘ Aber so einfach wie in der Theorie ist das bei einem börsennotierten Unternehmen nicht", erklärte Zorc weiter. "Ich glaube, dass wir die Vorfälle letztlich bestmöglich im Sinne des Vereins gelöst haben. Aber es wirkt trotzdem in die Kabine hinein, wenn ein Spieler seinen Wechsel schon bei den Kollegen ankündigt."


Während sich viele BVB-Fans erst einmal darüber freuen, dass diese Seuchen-Saison endlich vorbei ist, geht die Arbeit für Michael Zorc und Co. wieder von vorne los. Es wird sicherlich aus Dortmunder Sicht kein langweiliger Sommer werden. Den BVB, wie man ihn zuletzt in der Liga sah, wird es in dieser Form wohl nicht mehr geben. Man darf gespannt sein, wie sich der Revierklub im Sommer aufstellen wird. Die langersehnte Ruhe dürfte erstmal nicht einkehren.