​Am 14. Juni wird Russland mit dem Spiel gegen Saudi-Arabien die Weltmeisterschaft 2018 eröffnen. Da die Sbornaja seit über 30 Jahren nicht mehr über die Gruppenphase der WM hinausgekommen ist, lastet nun bei der Heim-WM ein großer Druck auf der Mannschaft von Trainer Stanislaw Tschertschessow. Deshalb werfen wir an Tag zwei des WM-Countdowns einen Blick auf Gastgeber Russland.


Bei den letzten Weltmeisterschaften konnte Russland nicht mit erfolgreichem Fußball auf sich aufmerksam machen. Während man 2006 und 2010 die Qualifikation verpasste und nicht teilnahm, schaffte man es 2014 in Brasilien nicht über die Gruppenphase hinaus. 


Da Russland allerdings viel Geld in die Ausrichtung der WM investiert hat und die Sbornaja mit den Gegnern Uruguay, Ägypten und Saudi-Arabien eine verhältnismäßig machbare Gruppe zugelost bekam, wäre alles andere als ein Erreichen der KO-Phase eine herbe Niederlage. Die Erwartungen in Russland sind deshalb trotz der schlechten Ergebnisse der Nationalmannschaft in den letzten Jahren hoch. 


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Die letzten größeren Erfolge liegen lange zurück: 1986 erreichte man zuletzt die KO-Runde. Und 1966 kam die damalige Sowjetunion bis ins Halbfinale, wo man gegen Deutschland mit 1:2 unterlag. So weit schaffte es die Sbornaja seitdem nie wieder. Auf die deutsche Mannschaft traf Russland zuletzt in der WM-Qualifikation 2009, wo man der DFB-Auswahl zweimal knapp unterlag.


Wie bereits erwähnt, trifft die russische Mannschaft bei der Heim-WM in Gruppe A auf den zweimaligen Weltmeister Uruguay rund um die Top-Stürmer Luiz Surarez und Edinson Cavani, auf den Rekordsieger des Afrika Cups Ägypten mit ihrem Shooting Star Mohamed Salah, und auf den Underdog Saudi-Arabien, der zuletzt 2006 in Deutschland bei einer WM dabei war.


Die Stars des Gastgebers


Tschertschessow lässt seine Mannschaft bevorzugt in einer 3-5-2-Formation spielen, die gegen den Ball zu einer defensiven 5-4-1-Ordnung wird. So spielte man im vergangenen Jahr auch beim Confederations Cup, als Russland allerdings nicht überzeugen konnte und durch zwei Niederlagen bereits in der Gruppenphase ausschied. Tschertschessow nominierte am 11. Mai seinen vorläufigen 28 Mann starken Kader.


Als Stars des Teams können dabei die beiden Mittelfeldspieler Alan Dzagoev und Aleksandr Golovin genannt werden, die auch bei ihrem Klub ZSKA Moskau zusammen das zentrale Mittelfeld bilden. Während der 21-jährige Youngster Golovin erst seit gut zwei Jahren auf sich aufmerksam macht, kann Dzagoev schon 34 Champions-League-Spiele vorweisen. In seinen bisher 55 Nationalmannschaftseinsätzen erzielte Dzagoev neun Tore und lieferte sieben Vorlagen. Allerdings gibt es Stand jetzt in der russischen Offensive keinen Spieler, der ähnlich prägend für das Spiel wäre, wie es beispielsweise ein Mo Salah für Ägypten ist. 


Weitere international bekanntere Spieler im russischen Kader sind der erfahrene Nationaltorwart und Kapitän Igor Akinfeev, der ebenfalls bei ZSKA spielt und bereits 104 Länderspiele absolviert hat, sowie der ehemalige Chelsea-Spieler Yuri Zhirkov. 


Im Sturm dürfte durch das verletzungsbedingte Aus von Kokorin wahrscheinlich Fedor Smolov einen Stammplatz sicher haben. In der Verteidigung kann sich aufgrund eines Kreuzbandrisses des vorher gesetzten Viktor Vasin nun der aus der Bundesliga bekannte Roman Neustädter Hoffnungen auf Einsatzzeit für die Sbornaja machen. 


Die russischen Talente


Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Russland mit einem relativ alten Kader von im Schnitt 28 Jahren bei der WM antreten wird, die Zahl echter Talente im russischen Fußball aber rar gesät ist, da man die Nachwuchsförderung zu lange vernachlässigt und jungen Spielern keine Chance gegeben hat. Darüber hinaus legt Trainer Tschertschessow mit seiner taktischen Ausrichtung mehr Wert auf defensive Stabilität, sodass die beiden Stürmer bei vielen Spielen in der Luft hängen. 


Dennoch lassen sich zwei junge Spieler nennen, die man als hoffnungsvolle Talente bezeichnen kann. Zu einen handelt es sich dabei um den bereits angesprochenen Aleksandr Golovin, der sich aufgrund einer Verletzung des Mittelfeld-Routiniers Glushakov berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz neben Dzagoev machen kann. Golovin tritt bei ZSKA meist als technisch versierter und laufstarker Box-to-Box-Spieler in Erscheinung. 



Der zweite offensive Hoffnungsträger ist der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler Aleksey Miranchuk von Lokomotiv Moskau, der in der Nationalmannschaft als hängende Spitze zum Einsatz kommen dürfte. Miranchuk ist der wohl spielerisch stärkste Offensivspieler der Russen, muss allerdings mehr Torgefahr entwickeln, um im Sturm als Doppelspitze neben dem Strafraumspieler Smolov eine Alternative für die Startelf darzustellen. 



Russland dürfte, ausgehend von der reinen Qualität der Kader, mit Ägypten um Platz zwei in der Gruppe hinter Uruguay kämpfen. Diese verfügen in Defensive und Angriff über mehr Klasse und sollten die Gruppe A für sich entscheiden können. Saudi-Arabien ist als klarer Außenseiter zu betrachten.

Allerdings lastet ein großer Erfolgsdruck auf der russischen Sbornaja, von der bei der WM im eigenen Land ein Weiterkommen erwartet wird. Dies ist angesichts der sportlichen Leistungen des 66. der FIFA-Weltrangliste noch in Frage zu stellen. Es bleibt abzuwarten, ob die hohen Ansprüche der eigenen Fans die russische Mannschaft eher beflügeln oder lähmen werden.