​Als Peter Stöger im Dezember sein Amt bei Borussia Dortmund antrat, war die Zielsetzung klar: "Peter soll den BVB zurück auf einen Champions-League-Platz führen", so Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Nicht mehr und nicht weniger. Diese Zielsetzung hat der Österreicher erreicht. Zwar mit zwei blauen Augen, ohne ansehnlichen Fußball und nur unter Mithilfe der Konkurrenz, doch am Ende steht das Erreichen des Ziels. Und dafür gebührt dem Wiener Dank.


Peter Stöger fand im Dezember eine Mannschaft am Boden vor. Acht Bundesligaspiele am Stück hatte der Revierklub zuvor nicht mehr gewonnen und war von der Tabellenspitze bis auf Platz acht durchgereicht worden. Ein 4:4-Remis nach 4:0-Führung im Revierderby setzte dem Ganzen die Krone auf. In der Champions League konnte man selbst die beiden Spiele gegen den krassen Außenseiter Nikosia nicht gewinnen.

Die Abwehr glich einem Scheunentor. Nach dem Hoch-Risiko-Fußball von Vorgänger Peter Bosz fehlte es den Verteidigern an Selbstbewusstsein und Sicherheit. Das oberste Gebot lautete also zunächst: Stabilisierung der Defensive. Dass in der Folge also die Offensive zunächst vernachlässigt wurde, war nur logisch.


Auch das Teamgefüge war angeschlagen. Der sympathische Österreicher sollte neben seinen sportlichen Fähigkeiten auch menschlich einiges bewirken und wieder eine Mannschaft formen. Mit dieser Aufgabe scheiterte aber selbst der empathische Wiener bis zum Ende. Bis zuletzt wirkten die Auftritte des BVB blutleer und seelenlos. Hier scheint einiges im Argen zu liegen. Aki Watzke und Michael Zorc werden im Sommer auf Ursachenforschung gehen müssen. Ein anderer Trainer hätte vermutlich nicht mehr herauskitzeln können.

Doch zurück zu Peter Stöger: Die ersten beiden Spiele unter dem neuen Trainer gewann der BVB, sodass man zumindest noch auf Platz sechs überwintern konnte. Der Stöger-Effekt setzte - zumindest vorübergehend - ein. Die wichtigste Erkenntnis aber war, dass das Glück zurückkehrte. Der 2:1-Erfolg über Hoffenheim am letzten Spieltag der Hinrunde, war nicht das letzte Spiel, in dem der Revierklub noch glücklich punkten sollte.


Die ersten drei Spiele der Rückrunde konnte die Borussia nicht gewinnen. Der Wirbel um Pierre-Emerick Aubameyang nahm die Mannschaft sichtbar in Anspruch. Nachdem der Gabuner das Weite suchte, gelang in Köln auch der erste Sieg. 3:2 - wieder knapp. Wieder glücklich. Doch egal, Hauptsache drei Punkte. 

Der BVB marschierte unter Stöger weiter Richtung Tabellenspitze, obwohl er spielerisch eigentlich nie so wirklich zu überzeugen wusste. Doch die Ergebnisse sorgten dafür, dass die Fans darüber einigermaßen hinwegsehen konnten. Erst am 28. Spieltag kassierte Stöger in der Bundesliga seine erste Niederlage. Und was für eine. Mit 0:6 kam man in München unter die Räder.


Die Stimmung schien allmählich zu kippen, da man auch in der Europa League sang- und klanglos gegen Red Bull Salzburg ausschied. Doch tabellarisch war mein weiterhin auf einem guten Weg, das Saisonziel zu erreichen. Am Ende erarbeitete man sich eine derart gute Ausgangslage, dass zum Finale, gar drei sieglose Spiele am Stück, eine Teilnahme an der Champions League nicht mehr verhindern konnten.

"Peter Stöger hat uns in einer sehr schwierigen Phase übernommen", betonte Michael Zorc nach dem Spiel in Hoffenheim gegenüber der Funke-Medien-Gruppe. "Er hat Ruhe in den Klub und ins Umfeld gebracht, Ergebnisse erzielt. Seinen Auftrag hat er erfolgreich geschafft." In welcher Art und Weise dieser Auftrag erfüllt wurde, ist in der Endabrechnung egal. Stöger sollte den Fußball in Dortmund nicht neu erfinden, sollte nicht noch einmal nach der Meisterschale greifen oder die Europa League gewinnen. Er sollte lediglich eine verlorene Saison noch einigermaßen ins Ziel retten. Und genau das hat Peter Stöger geschafft. Jetzt kann man dem Österreicher nur noch alles Gute für die Zukunft wünschen. Vielleicht sieht man ihn ja bald schon auf einer anderen Trainerbank in der Bundesliga.