Mit Applaus hat sich Jupp Heynckes von seiner letzten Pressekonferenz als Bundesliga-Trainer verabschiedet. Der Bayern-Coach bedankte sich vor der Partie gegen den VfB Stuttgart bei Spielern, Verantwortlichen, Fans und Medien, freute sich aber auch auf seine "Rückkehr in die Anonymität". Neben der Meisterschale will sich Heynckes auch mit dem DFB-Pokal in den Ruhestand verabschieden - auf Einzelschicksale nimmt er deshalb keine Rücksicht.


"Alle noch mal da.“ Mit diesen Worten begrüßte Jupp Heynckes die Medienrunde zur Pressekonferenz vor seinem letzten Bundesligaspiel. Zum 1.038-mal wird der 73-Jährige am Samstag gegen den VfB Stuttgart eine Partie im deutschen Oberhaus auf dem Feld oder an der Seitenlinie miterleben. Damit zieht Heynckes am bisherigen Rekordhalter Otto Rehagel vorbei. "Ich finde es schade, weil ich Otto respektiere. Es wäre auch schön gewesen, wenn wir uns den Rekord teilen. Aber ich kann mich nicht wehren", zollte der Bayern-Coach seinen Respekt.


Anfang Oktober 2017 begann die vierte Amtszeit der Trainer-Ikone beim Rekordmeister und damit die Erfolgsstory der Bayern in dieser Saison. "Mein Helfer-Syndrom hat sich durchgesetzt", erklärte Heynckes seine überraschende Rückkehr noch einmal. Nun freue er sich aber "in meine Anonymität zurückkehren" zu können. "Es ist so wahnsinnig anstrengend. Jetzt nach Madrid und der Enttäuschung. Ich freue mich, dass ich in die Normalität des Alltags eintauchen kann. Keine Termine zu haben, keine Presse-Termine", gab Heynckes Einblicke in seinen Gemütszustand. "Ich habe viele Hobbies, mir wird nicht langweilig sein“, versicherte er mit einem Schmunzeln.

"Vermissen werde ich nichts. Es war aber nicht so, dass es einen Tag gab, an dem ich nicht gerne an die Säbener Straße gekommen bin. Wir haben ein respektvolles Miteinander." Das sei in der heutigen Gesellschaft nicht selbstverständlich, so Heynckes weiter. Seinen endgültigen Ruhestand will er während der WM vor dem Fernseher genießen und die "interessanten Spiele von Deutschland, Spanien oder England" anschauen. "Es kann aber auch sein, dass ich Samstag um halb drei/drei müde werde, dann kann ich auch ein Nickerchen machen“, freute sich Heynckes.


"Keine Experimente" gegen den VfB Stuttgart - Robben fehlt, Alaba fraglich


Bis es so weit ist, steht am Samstag noch die Partie gegen den VfB Stuttgart an und eine Woche später das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Auf individuelle Schicksale will er deshalb auch keine Rücksicht nehmen und kündigte an, sich gegen den VfB mit der besten Elf auf das Endspiel von Berlin vorbereiten zu wollen. "Morgen gibt es keine Experimente. Wir werden so spielen, wie auch am nächsten Samstag gegen Frankfurt“, versicherte Heynckes. Auch weil man sich für die "Unterstützung der Fans" bedanken wolle. "Morgen ist ein Freudenfest", meinte Heynckes, der liebend gerne auf die obligatorische Bierdusche verzichten würde.

Arjen Robben muss er dabei ohnehin nicht fürchten. Der Routinier laboriert weiter an den Folgen seiner Verletzung aus dem Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid in der Königsklasse. "Arjen hat die gleichen Beschwerden wie gegen Real Madrid. Es ist keine schwerwiegende Verletzung. Die Ärzte haben gemeint, er soll nur Reha machen“, erklärte der Bayern-Trainer. Ebenfalls fehlen wird Juan Bernat aufgrund von Oberschenkelproblemen, fraglich ist auch der Einsatz von David Alaba, wie der 73-Jährige verreit: "Er hat die gleichen Symptome wie vor dem Madrid-Spiel. Es ist schwierig zu diagnostizieren.“

Vorsichtiger Optimismus bei Neuer - keine Probleme mit Lewandowski


Gefragt wurde Heynckes natürlich auch zu den beiden "Problemfällen" Robert Lewandowski und Manuel Neuer. Während alle auf die Rückkehr des Weltmeister-Keepers zwischen die Pfosten warten, gab es um den polnischen Torjäger zuletzt Unstimmigkeiten. Heynckes zeigte sich allerdings verständnisvoll: "Das hat er zu mir nicht gesagt", so Heynckes zu den Gerüchten Lewandowski habe sich über zu wenig Einsatzzeiten beschwert. "Er will die 30 Tore erreichen, oder sogar mehr. Morgen hat er die Gelegenheit das Dreißigste zu machen. Ich muss das Ganze sehen. Wenn ich den Sandro Wagner nicht immer mal eingesetzt hätte und Robert hätte sich verletzt, wäre Wagner ohne Spielpraxis gewesen“, sagte Heynckes weiter.


Sein Update zu Manuel Neuer viel verhalten aus. Zwar lobte Heynckes die Trainingsleistungen seines Keepers und zeigte sich "optimistisch", dass dieser mit ins Trainingslager der Nationalmannschaft fahren kann, eine genaue Prognose wollte er dennoch nicht abgeben. Es sei aber weiterhin möglich, dass Neuer beim Pokalendspiel zumindest im Aufgebot steht. 

Zum Abschluss richtete er noch einmal das Wort an die Medienrunde - wie schon zu Beginn der Pressekonferenz: "Ich danke Ihnen. Es hat Spaß gemacht. In der heutigen Medienwelt ist es nicht so einfach. Ich muss Sie für Ihren respektvollen Umgang loben“, sagte Heynckes und verließ unter Applaus den Raum.