Alles in allem war es ein Bundesliga-Nachmittag, der für Eintracht Frankfurt nicht besser hätte laufen können.Im letzten Heimspiel von Noch-Trainer Niko Kovac empfingen die 'Adler' den abstiegsgefährdeten Hamburger SV, und wollten sich in der heimischen Commerzbank Arena nach den turbulenten letzten Wochen erfolgreich von den Fans verabschieden. Der 3:0-Erfolg über die Hanseaten war letzten Endes ein ganz besonderer, da er vor allem mit einem Namen in Verbindung stand: Alex Meier.


Es gibt Geschichten, die schreibt nur der Fußball, wie Marco Russ nach dem ​3:0-Heimsieg über den Hamburger SV feststellen musste. Der Abwehrspieler, der bereits nach gut einer Viertelstunde für den ​verletzten Timothy Chandler eingewechselt wurde, ahnte bereits, was passieren würde, als Alex Meier in der 87. Minute das Spielfeld betrat.


Der 35-Jährige konnte seit April vergangenen Jahres nur zwei Pflichtspiele absolvieren, sein letzter Einsatz datierte vom 27. Mai, als sich die Eintracht im DFB-Pokalfinale mit 1:2 gegen Borussia Dortmund geschlagen geben musste. Nach einem schwierigen Jahr, in dem Meier weiter mit Verletzungen und Operationen zu kämpfen hatte, wechselte Niko Kovac den Stürmer, der schon seit Jahren von den Frankfurter Fans als 'Fußballgott' gefeiert wird, beim Stande von 2:0 für den glücklosen Sebastien Haller ein. 


Vier Minuten später steht die Commerzbank Arena Kopf: Nach einer Flanke von David Abraham ist es ausgerechnet Meier, der den Ball sehenswert aus wenigen Metern im Netz versank. Nach dem Spiel zeigte sich der Routinier von diesem "grandiosen Empfang" überwältigt. "Ich habe natürlich gehofft, dass ich noch eine Chance bekomme. Dann kam die super Flanke von David Abraham. Ich habe den Ball gut getroffen und dann war er drin. Ich glaube, David wird nie wieder so eine gute Flanke schlagen in seiner Karriere", wurde Meier nach der Partie bei sge4ever zitiert.  

Eintracht Frankfurt v Hamburger SV - Bundesliga

    Comeback veredelt: Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung erzielt Meier das                                     dritte und letzte Tor gegen den Hamburger SV 


Für Russ war das I-Tüpfelchen der Partie einfach nur "Wahnsinn. Hätte ich auf der Tribüne gesessen und sehe, dass Alex Meier reinkommt – ich hätte mein ganzes Vermögen darauf verwettet, dass er noch ein Tor macht." Auch Präsident Peter Fischer war sich sicher, dass Meier, der 2005 vom HSV nach Frankfurt wechselte, direkt ein Tor gelingen würde: "Ich war am Donnerstag mit Alex Meier essen, da habe ich ihm schon gesagt, wie es heute kommen wird. Er hat jetzt festgestellt, dass wir jeden Donnerstagabend essen gehen sollten, weil das anscheinend gut funktioniert. Wie er das Tor gemacht hat, war ganz, ganz groß."


Endspiel um den Europapokal


Durch den Sieg steht die Eintracht weiterhin auf dem siebten Tabellenplatz, der Europapokal ist zum Greifen nahe. Ein Patzer in der letzten Partie beim FC Schalke 04 darf man sich aufgrund der engen Konstellation in der Tabelle nicht erlauben, doch auf die Schützenhilfe anderer ist man nicht angewiesen. "Wir haben noch ein Spiel und werden alles raushauen. Dafür werden wir diese Woche hart arbeiten, sodass wir auf Schalke gewinnen können", kündigte Marius Wolf an, der in der 67. Minute aufgrund eines Schlages an die Achillesferse ausgewechselt werden musste.


Sport-Vorstand Fredi Bobic erwartet derweil einen heißen Tanz in Gelsenkirchen: "Sie sinnen bestimmt auf eine Revanche nach dem Pokalspiel. Aber wir müssen auch nochmal alles raushauen. Hinter uns ist es eng. Wir müssen alles geben und uns gut vorbereiten." Sorgen mache er sich jedoch nicht: "Die Mannschaft macht einen guten Eindruck. Die Einstellung ist das Entscheidende."

Eintracht Frankfurt v Hamburger SV - Bundesliga

 Mit den Fans feierten die Spieler nach der Partie den Sieg - und bald vielleicht auch den                                                         Einzug in die Europa League


Auch für Torschütze Meier war der Sieg "sehr wichtig. Jede Mannschaft hat mal eine schlechtere Phase. Die hatten wir in den letzten Wochen. Heute haben wir unsere Tugenden wie Kampf und Leidenschaft wieder an den Tag gelegt." Zwar habe man sich aus dieser Phase möglicherweise noch nicht befreit, doch zumindest habe die Mannschaft zeigen können, "was man in solchen Phasen braucht. Es war vielleicht ein bisschen Glück dabei, aber letztlich war es verdient", so Meier.


Die Ausgangslage für Eintracht Frankfurt ist klar: Ein siebter Platz in der Abschlusstabelle reicht aus, um die Chance zu haben, in der kommenden Saison in der Europa League zu spielen. Grund hierfür ist der Einzug in das DFB-Pokalfinale, welches die Frankfurter am 19. Mai gegen Bayern München bestreiten. Sollte es der Mannschaft von Niko Kovac, der im Endspiel von Berlin erneut auf seinen neuen Arbeitgeber treffen wird, gelingen, den Pokal erstmalig seit 1988 zu gewinnen, wären die 'Adler' für die Gruppenphase fest gesetzt. Bei einer Niederlage und einem siebten Platz in der Bundesliga wäre man zumindest für die Teilnahme an der zweiten Qualifikationsrunde berechtigt.