​Die Freiburger durften wieder jubeln. Nach fünf Niederlagen und vier torlosen Partien traf die Mannschaft von Cheftrainer Christian Streich endlich wieder. Und das gleich dreimal. Lucas Höler machte in der 93. Minute mit seinem Führungstreffer das Glück der Breisgauer perfekt. 


Es war kein Spiel für schwache Nerven. Der SC Freiburg gewann am vergangenen Spieltag mit 3:2 vor heimischer Kulisse gegen den 1. FC Köln. Für den Karnevalsverein ging es um alles, denn es war die letzte Chance für den Mannschaft unter Stefan Ruthenbeck, den Klassenerhalt noch zu erreichen. Diesen Traum zerschossen die Breisgauer mit drei Toren. Für Petersen und Co. bedeuten die drei gewonnenen Punkte den Sprung vom wackligen Boden der Tabelle auf den sicheren 15. Platz. Doch das Spiel war heftig und auf beiden Seiten wurde bis zur Erschöpfung gekämpft. SC-Kapitän Julian Schuster zeigte sich nach der Partie deutlich mitgenommen. "Fußball kann einen wirklich fertig machen", gab er im Interview danach zu. 

Dabei startete die Mannschaft von Streich ordentlich. Schon in der 14. Minute waren die Freiburger in Führung gegangen. Mike Frantz hatte von links geflankt und Nils Petersen gefunden, der per Kopf den Ball vorbei an der FC-Abwehr im Netz versenkte. Nach einem Foul vom Kölner Marco Höger an Petersen entschied Schiedsrichter Deniz Aytekin auf Elfmeter. Christian Günters folgenden Strafstoß hielt der Kölner Torhüter Timo Horn jedoch. 


Die Freiburger zeigten sich auch in der zweiten Halbzeit dominierend. Nach einem Abschlag vom SC-Torwart Alexander Schwolow verlängerte Kölns Dominic Maroh den Ball in den eigenen Strafraum auf Nils Petersen, der Torwart Horn umspielte und zum 2:0 traf. Das Spiel schien entschieden. 


In der Schlußphase bäumten sich die Kölner jedoch noch einmal auf. Innerhalb von fünf Minuten trafen die Gäste zweimal. Torschütze war beide Male Leonardo Bittencourt. und dem Sport-Club lief die Zeit davon. Mit einem letzten verzweifelten Versuch, den Spieß nocheinmal umzudrehen, lief Nicolas Höfler zu einem Freistoß an, der von Robin Koch in die Mitte geköpft wurde, wo Lucas Höler unbedrängt einschieben konnte. Am Ende hieß es 3:2 für die Hausherren. 


Hört man sich die Stimmen nach dem Spiel an, klingen alle ähnlich. Mittelfeldspieler Mike Frantz fand lediglich ein Wort als Beschreibung für die Partie. "Brutal. Mit einem Wort: brutal. Auf einmal steht es 2:2. Wir können heilfroh sein, dass wir den einen Konter dann noch gefahren haben", so der 31-Jährige. Auch Trainer Christian Streich tobte und fuchtelte wie wild während des Spiels, doch war er mit der Leistung seiner Mannschaft nach der Partie mehr als zufrieden. "Es war eine gute Leistung von der ganzen Mannschaft und von vielen Spielern auch eine gute Einzelleistung. So weit die Füße getragen haben, haben wir das wirklich gut gemacht und ich finde, wir haben wirklich verdient gewonnen. Ich glaube, wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft", sagte er im Interview. 


Die Schwäche der Freiburger - Stand halten


Die Leistung, die die Breisgauer auf dem Platz gegen Köln zeigten, war eine ganz andere als in den Spielen davor. Sie wirkten viel selbstbewusster und spielten sicherer, denn schaut man sich die Statistik zum Spiel an, betrug die Passquote 84%. Selbst der verschossene Elfmeter brachte die Gastgeber nicht aus dem Konzept. Im Gegenteil, Freiburg spielte daraufhin konzentrierter. 

Mike Frantz schmunzelte nach dem Spiel: "Es gibt so Zeichen. Das 2:0 hat uns auch nicht gut getan, das muss man sagen. Nach dem 2:0 wurden wir zu passiv. Vielleicht war es in dem Moment sogar besser, das 2:0 nicht zu machen." Damit spricht Frantz die letzten zwanzig Minuten der Partie an, als Freiburg wechselte. Janik Haberer kam für Frantz, der noch geschont werden musste. In der 72. Minute wurde Höler für den verletzten Petersen eingewechselt. Die Breisgauer mussten sich mit der neuen Aufstellung erst zurecht finden. 


Den Moment der Schwäche nutzten die Kölner aus und griffen mit Erfolg an. "Das ist bei uns ein Phänomen - warum das auch immer so ist. Wenn wir einen kassieren, dann fangen wir an zu schwimmen", versuchte Frantz den Einbruch der Mannschaft zu erklären. Trainer Christian Streich wollte sich dagegen nicht mit dem Problem auseinander setzen. "Jetzt im Nachhinein muss man sagen: Es ist jetzt auch egal. Ich habe sie die ganze Zeit versucht, über positive Sachen zu bestärken. Es hat ihnen Luft gegeben und sie haben an sich geglaubt. Wir haben immer versucht, Fußball zu spielen und immer versucht Lösungen zu finden. Und so konnten wir am Ende gewinnen."


Für die Freiburger stehen noch zwei weitere Partien an, die ebenso dringed gewonnen werden müssen. Zwar haben die Breisgauer mit ihren aktuell 33 Punkten einen guten Abstand von fünf Punkten auf die direkten Abstiegsplätze, doch zu früh will sich keiner der Spieler auf den Klassenerhalt freuen. "Ich weiß wie es gehen kann", gab Mike Frantz zu. "Vor vier Jahren haben wir hier gestanden und haben gegen Bayern München gewonnen und haben gefeiert. Im Unterbewusstsein haben wir geglaubt, wir wären die Größten und ne Woche später sind wir runter und da hatte jeder Tränen in den Augen. Ich bin was das angeht eher Realist."