Ratlos werden Spieler, Verantwortliche und Fans des FC Bayern München eine lange Zeit auf dieses Champions-League-Halbfinale zurückblicken müssen. Was muss man noch mehr tun, um dieses Real Madrid zu schlagen? Die fehlenden Komponente, wenn sie denn existieren, können scheinbar gar nicht beeinflusst werden. 


Nach einer 1:2-Hinspiel-Niederlage ging man das Rückspiel bewusst offensiv an, das Risiko mit Corentin Tolisso anstelle von Javi Martinez in der Startelf brachte mit sich ein ansehnliches und temporeiches Spiel in Richtung des gegnerischen Strafraums. Die Bayern waren wie in der ersten Begegnung klar spielerisch überlegen. Real Madrid ging die Partie mehr passiv an, beschränkte sich zumeist auf Konter und weniger eigenem Spielaufbau.


Das erste Tor von Joshua Kimmich in den Anfangsminuten der Partie lieferte prompt das Qualitätssiegel: schnelle Kombination präziser Pässe von Ribery, auf Lewandowski und schließlich auf Müller, dessen Flanke im Durcheinander bei Kimmich landete. Der Rechtsverteidiger stand wie Tolisso mitten im Strafraum, was noch mal die Herangehensweise des deutschen Rekordmeisters verdeutlichte. Und es war irgendwie klar, dass dieses Mentalitätsmonster der Motivation und Euphorie eine Manifestation in Treffer geben kann. Diese Vereinigung von Wille und Qualität bringt aber, wie es diese Partie vorgeführt hat, nicht immer Ertrag.

Real ist immer noch zweifacher Champions-League-Sieger in den letzten beiden Jahren, einen Treffer von Karim Benzema kann man also durchaus hinnehmen. Die mit dem Ausgleich verbundenen Fehler muss man bei einem 90-minütigen Spiel einkalkulieren. Was man aber niemals auch in der Fantasie einkalkulieren möchte, ist die Szene beim 1:2-Treffer.


Unter Bedrängnis der Offensiv-Spieler Madrids gab Corentin Tolisso einen Pass auf seinen Keeper Sven Ulreich ab. Der Neuer-Reservist wusste nicht so recht was er mit dem Ball tun soll, während ihm Karim Benzema entgegeneilt. Die Kugel rollte schließlich unter seinem zur Parade hechtenden Körper und wurde durch den vorbeilaufenden Karim Benzema eingeschoben. Bayern war zwar im Verlaufe des Spiels weiterhin die bessere Mannschaft und kam auch durch James Rodriguez zum Ausgleich, doch insgesamt konnte man einigen Spielern die Niedergeschlagenheit nach diesen erneut unglücklichen Szenen anmerken.

Es ist dieselbe Geschichte wie im Hinspiel, als Rafinha bei einem schweren Fehler den 1:2-Endstand verschuldete. Unsichtbare Umstände führen dazu, dass der Erfolg gegen den spanischen Rekordmeister einfach nicht gelingen will. Egal wie sehr Bayern in den letzten Monaten mit einer sensationellen Entwicklung der Mannschaft und individueller Akteure die mathematisch erfassbaren Chancen auf den Erfolg erhöhten, gegen diesen Gegner kann Emsigkeit, Detailversessenheit und Disziplin nur an der Ästhetik etwas ändern.


Die ganze Welt (außer natürlich Real Madrid) war heute für diesen FC Bayern München, der im Estadio Santiago Bernabeu eine Leistung dargebracht hat, die es in diesem legendären Stadion nur wenige Male jemals gegeben hat. Auch wenn die Münchner für eine Nacht Sympathieträger sind, wird sie einzig das Ergebnis verfolgen. 

Diese extrem ambitionierte Mannschaft könnte durch diese Begebenheiten schnell eine brillante Saison vergessen, auf der man in den nächsten Jahren erneute Champions-League-Träume aufbauen kann. Täglich müssen sich die Beteiligten darauf besinnen, dass einzig der Weg zu einem Ziel eigenhändig unter Kontrolle gebracht werden kann. All die vergossenen Tränen werden in eine fußballerische Einheit investiert, die mehr und mehr über sich hinauswachsen wird. Die Ziele, und in diesem Fall das wirklich höchstmögliche aller Ziele, sie müssen folgen. Und sie werden es auch.