​Bayern-Cheftrainer Jupp Heynckes hat mit seiner Startelf für das Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid für eine nicht kleine Überraschung auf der Sechser-Position gesorgt. Für Javi Martinez rückt Corentin Tolisso in die erste Elf. Aus ​gesundheitlichen Gründen? Scheinbar nicht.

Nach Angaben von Sky Sport ist diese Maßnahme eine taktische Entscheidung. Javi Martinez, der angeblich weiterhin Schwindelgefühle hat, befindet sich sogar im Kader und schaut heute zunächst von der Bank aus dem Spiel zu.


Was hat also Heynckes zu dieser Entscheidung getrieben? Falls man auf die zuletzt vermehrt eingesetzte 4-3-3-Formation setzen wird, wird Tolisso wahrscheinlich als Sechser das Spiel zugleich leiten und sich mit seiner Schnelligkeit und Torgefahr noch mehr selbst in Angriffskombinationen einbinden. Im 4-2-3-1 wird der französische Nationalspieler ebenfalls auf der Sechs neben Thiago oder James Rodriguez agieren. 

Es ist eine mutige aber auch zugleich verständliche Entscheidung von Heynckes, der in Anbetracht der 1:2-Niederlage im Hinspiel für einen Final-Einzug mindestens zwei Tore benötigt. Mit dem offensiv gerichteten Tolisso geht es dann zumindest theoretisch in die richtige Richtung. 


Um in diesem Spiel das Abwehrbollwerk der Madrilenen zu knacken, braucht aber der deutsche Rekordmeister vor allem die Brillanz eines James Rodriguez oder Thiago. Diese zwei Akteure müssen in Partien solcher Wichtigkeit über sich hinauswachsen und mit schierer individueller Qualität den Gegner auseinandernehmen. Unter solchen Umständen wird dann unter anderem der viel kritisierte Robert Lewandowski seine Chancen bekommen und sich für das torlose Hinspiel revanchieren.


Vor Konter-Angriffe gewarnt


Im defensiven Aspekt darf man darauf gespannt sein, wie die Innenverteidigung mit den vielen Konter-Angriffen zurecht kommen wird. Niklas Süle, der für den verletzten Jerome Boateng einspringen muss, wird Spieler wie Cristiano Ronaldo, Marco Asensio und Karim Benzema in Höchstgeschwindigkeit stoppen müssen. Wegen der noch offensiveren Spielweise wartet auf den DFB-Nationalspieler die vielleicht größte Herausforderung seiner Karriere.