​Es war nur eine der kniffligen Szenen, die Schiedsrichter Harm Osmers im Bundesligaspiel zwischen dem ​FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach (1:1) bewältigen musste: Nach einem Foul im Mittelfeld geht Gladbachs Kapitän Lars Stindl auf Gegenspieler Nabil Bentaleb zu, der wiederum verpasste dem 29-Jährigen nach einer Provokation einen leichten Schlag auf die Stirn. Osmers zückte zunächst Gelb, stellte Bentaleb nach dem Einschalten des Video-Assistenten jedoch direkt vom Platz. Beim Algerier selbst sowie bei Trainer Domenico Tedesco und Manager Christian Heidel sorgte diese Szene nach der Partie für Unverständnis.


In einem intensiven und auf Schalker Seiten von taktischem Niveau geprägten Spiel trennte sich die Mannschaft von Domenico Tedesco und Borussia Mönchengladbach mit einem Remis. Trotz des frühen Platzverweises sowie dem anschließenden Rückstand durch Raffael, der sein neuntes Saisontor erzielte, gelang den 'Knappen' nach einem Handelfmeter kurz vor der Pause der Ausgleich. 


Während man in der zweiten Halbzeit defensiv kaum etwas zuließ und im Gegenzug so manche Gelegenheit hatte, das Spiel für sich zu entscheiden, waren die Verantwortlichen der Schalker mit dem Punkt zufrieden: "Natürlich hätten wir lieber gewonnen. Aber wenn man fast 80 Minuten gegen eine solch spielstarke Mannschaft wie Mönchengladbach agieren muss, kann man mit einem Zähler zufrieden sein. Es fühlt sich ein wenig wie ein Sieg an. Den haben wir uns redlich verdient", wird Christian Heidel auf der ​vereinseigenen Website zitiert.


Domenico Tedesco wertete das Spiel ähnlich: "Die Partie wäre auch im Elf-gegen-Elf sehr schwierig geworden. Gefühlt waren wir 90 Minuten in Unterzahl. Das ist gegen eine spielerisch starke Mannschaft wie Mönchengladbach nicht einfach. Aber die Art und Weise, wie wir Woche für Woche Widerstände aus dem Weg räumen, spricht für sich." Man könne "stolz sein. So eine Leistung ist manchmal mehr wert als solide drei Punkte zu holen. Deswegen muss ich der Mannschaft ein Riesen-Kompliment aussprechen", führte der 32-Jährige fort.

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        An der Seitenlinie erlebte Domenico Tedesco eine kämpferische Partie seiner                                                                            Mannschaft


Doch Trainer und Manager sind sich nicht nur bezüglich des Spielverlaufs sowie einer ​gemeinsamen Arbeit über 2019 hinaus einig, sondern auch darüber, was den Platzverweis von Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb betrifft. So sagte Tedesco, er wolle den Begriff Tätlichkeit in dieser Szene gar nicht erst "nicht in den Mund nehmen." Stattdessen handele es sich eher um "eine kleine Historie. Der Spieler begeht ein Foul, wird dann geschubst und hat dann die Hand auf der Stirn des Gegenspielers – allerdings ohne Dynamik. In meinen Augen hätte eine Gelbe Karte ausgereicht."


Bentaleb sieht Fehler ein - Gespräch zwischen Spieler und Trainer


Dennoch wolle er ein Gespräch mit Bentaleb aufsuchen. "Er wird verstehen, dass die Hand dort nichts zu suchen hat. Daraus wird er lernen und wachsen", so Tedesco, der Unterstützung von Heidel erhielt: "Ich habe mir die Szene mit Nabil mehrfach angesehen und bin der Meinung, dass es keine Rote Karte ist. Es ist kein Schlag gewesen und ich hätte mir gewünscht, dass sich der Schiedsrichter die Szene noch einmal auf dem Monitor anschaut." Auch für ihn sei "klar, dass seine Hand dort nichts zu suchen hat."

In der Mixed-Zone äußerte sich der Spieler selbst ebenfalls zum Sachverhalt, räumte seinen Fehler ein, erhob jedoch auch einen Vorwurf gegen Lars Stindl, der aufgrund seiner theatralischen Reaktion den Platzverweis offenbar zu provozieren versuchte: "Ich muss natürlich meine Hände unten lassen. Aber meiner Meinung nach hatte ich keine Rote Karte verdient. Ich berühre Stindl ganz leicht und er reagiert wie ein Baby."


Wie lange Bentaleb gesperrt fehlen wird, ist derzeit noch offen. Nach einer ähnlichen Aktion von RB Leipzigs Emil Forsberg, der für seine Tätlichkeit im Spiel gegen 1899 Hoffenheim für drei Spiele gesperrt wurde, scheint die Saison für den 23-Jährigen allerdings gelaufen.